„Netzwerken ist mein Leben, ich möchte Menschen zusammenbringen“, sagt Stefan Leitner und bringt damit wohl auf den Punkt, was er in seiner neuen Funktion als Geschäftsführer der Tourismusgenossenschaft Klausen, Barbian, Feldthurns, Villanders umsetzen möchten. Wir haben uns mit Leitner auf ein Gespräch getroffen. <BR /><BR />Seit gut einem Monat ist der Brixner offiziell im Amt und folgt damit Michael Hinteregger als Geschäftsführer nach. Hinteregger führte die Genossenschaft seit 2020. Derzeit, so Leitner, sei er dabei, die verschiedenen Akteure kennen- und verstehen zu lernen. Leitner selbst ist in Südtirol kein Unbekannter, immerhin war er 21 Jahre lang Geschäftsführer der Südtiroler Sporthilfe, in jungen Jahren aktiver Handballspieler, Trainer und jahrelang an vorderster Front des SSV Brixen, davon 6 Jahre als dessen Präsident. Vor 2 Jahren dann der berufliche Wechsel, der hier nicht mehr groß Thema sein soll, so Leitner. Im Interview spricht er vielmehr über seine neue Aufgabe und stellt gleich zu Beginn klar: „Tourismus ist mehr als nur Zimmer buchen.“<BR /><BR /><b>Sie waren jahrzehntelang für den Südtiroler Sport tätig und wechseln nun in eine ganz andere Branche. Geht das zusammen?</b><BR />Stefan Leitner: Ja, wenn man so will, bin ich ein totaler Quereinsteiger. Aber vielleicht hat man sich gerade deshalb für mich entschieden. Ich bringe den Blick von außen mit. Und letztendlich geht es im Tourismus – wie auch im Sport – vor allem um Menschen: Der Tourist, der Bauer, der Gast, sie alle treten im Idealfall miteinander in Beziehung. Sie möchte ich in meiner Arbeit näher zusammenbringen. <BR /><BR /><b><BR />Was ist denn für Sie das große Plus der Ferienregion Klausen, Barbian, Feldthurns, Villanders?</b><BR />Leitner: Sie bietet einfach alles, was einen klassischen Südtirolurlaub ausmacht: Die Ferienregion ist ursprünglich, bodenständig und strahlt Herzlichkeit aus. Die Betriebe sind überschaubar, Bettenburgen sucht man bei uns vergeblich. Ich trete für die Wertschätzung des Kleinen, des Einfachen, des Einzigartigen ein – und ich glaube, das sucht auch der Gast, und nicht nur er. Die Zahlen sprechen für sich: Im Vorjahr verzeichnete die Region 600.000 Nächtigungen (siehe Kasten) – so viele wie noch nie. Im Sommer und Herbst ist die Auslastung sehr gut, Winter und Frühling haben noch Potential. <BR /><b><BR />Manchmal wird es den Südtirolern aber zu viel. Siehe Overtourism. Wie stehen Sie dazu?</b><BR />Leitner: Ich plädiere dafür, auf die Leute zu hören, im Dialog zu bleiben, sonst kippt das Ganze. Das kann niemand wollen. Fakt ist aber auch, dass man dem Tourismus nicht generell den Schwarzen Peter zuschieben kann. Stichwort Verkehr. Da ist vieles auch hausgemacht. Ich bin sehr dafür, die Kosten für den Individualverkehr, etwa bei Parkplätzen anzuheben, dann werden Einheimische und Gäste zunehmend auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Anders wird es nicht funktionieren. <BR /><BR /><b><BR />Gerade das Eisacktal ist durch den Verkehr stark belastet, was sich letztendlich auch auf das Wohlbefinden der Gäste auswirkt. Was schlagen Sie vor?</b><BR />Leitner: Das stimmt, gerade auch wir spüren etwa die Belastung durch die Autobahn. Hier braucht es auch mehr Engagement von Seiten der Autobahngesellschaft. Es sollten mehr Umweltgelder in die direkt belasteten Gemeinden fließen. Im Kleinen wollen wir als Tourismusgenossenschaft auch Maßnahmen setzen und uns zum Beispiel für gute Busverbindungen zwischen den jeweiligen Gemeinden einsetzen. Wir werden nicht alles lösen können, aber als Tourismusgenossenschaft wollen wir praktikable Lösungen vorschlagen. Dinge weiterbringen, und nicht nur reden, das ist mir wichtig. <BR /><b><BR /><BR />Seit der Auflösung der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen WGK hat die Tourismusgenossenschaft mehr Aufgaben übernommen. Wird das auch in Zukunft so bleiben?</b><BR />Leitner: Alles werden wir nicht schultern können, bestimmte Aufgaben obliegen der Gemeinde. Aber ja, wir werden etwa das Gassltörggelen, den Weihnachtsmarkt oder auch die Ortsbildgestaltung weiterführen. Wichtig ist mir eine Zusammenarbeit aller Akteure – und das auf Augenhöhe. Die derzeit laufende Ausstellung im Stadtmuseum oder die Umsetzung des Audioguides nach Säben sind ja bereits in Zusammenarbeit mit anderen Playern entstanden. Michael Hinteregger und sein Team haben hier viel bewegt. Daran wollen wir anknüpfen.<BR />