Donnerstag, 30. September 2021

Gender Pay Gap – Daten zeichnen düsteres Bild

Das Landesinstitut für Statistik ASTAT analysierte die Entlohnungen der unselbstständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, wobei vor allem der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ermittelt wird. Die Daten gelten für das Jahr 2019 und zeichnen ein düsteres Bild.

Am stärksten benachteiligt sind Frauen im Dienstleistungssektor. Sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst nimmt das geschlechtsspezifische Lohngefälle mit zunehmendem Alter zu. - Foto: © shutterstock

Privatwirtschaft

Im Jahr 2019 beträgt die durchschnittliche Tagesentlohnung in der Privatwirtschaft 100,6 Euro. Insgesamt betrachtet scheint der Unterschied zwischen Männern und Frauen vorerst beträchtlich: Den 114,1 Euro, welche die Männer durchschnittlich pro Tag verdienen, steht eine Durchschnittsentlohnung der Frauen von 80,4 Euro pro Tag gegenüber. Der Gender Pay Gap beträgt somit 29,5 Prozent.

Die Trennung zwischen Voll- und Teilzeitarbeit verändert die Situation allerdings ein wenig. In beiden Fällen ist der Gender Pay Gap (Vollzeit: 17 Prozent, Teilzeit: 8,7 Prozent) kleiner als beim durchschnittlichen Gesamtwert (29,5 Prozent).

Im Jahr 2019 bleibt der Gender Pay Gap in der Privatwirtschaft bei Vollzeitbeschäftigten (17,0 Prozent) alles in allem stabil (2018: 16,9 Prozent). Im Jahr 2019 liegt der Gender Pay Gap bei Vollzeitbeschäftigten in der Privatwirtschaft bei 17 Prozent.

Frauen im Dienstleistungssektor am stärksten benachteiligt

Die Dienstleistungssektoren sind diejenigen, in denen Frauen am stärksten benachteiligt werden. Die meisten Arbeitnehmerinnen finden sich im Gastgewerbe/ Beherbergung und Gastronomie mit 40,6 Prozent: Hier besteht ein Gender Pay Gap von 12,2 Prozent zu Gunsten der Männer bei einer gleichzeitig besonders niedrigen durchschnittlichen Tagesentlohnung (103,9 Euro für die Männer und 91,2 Euro für die Frauen). Im öffentlichen Dienst liegt der Gender Pay Gap bei 17,9 Prozent.

Die Frauen sind nicht nur traditionellerweise in Sektoren mit niedrigerer Entlohnung beschäftigt, sondern auch die Vertragsart, mit der viele von ihnen angestellt sind, trägt maßgeblich dazu bei, dass der Gender Pay Gap zu ihren Ungunsten hoch bleibt.

Schlechtere Verträge, weniger Führungspositionen

Betrachtet man die Vollzeitbeschäftigten nach Vertragsart, lässt sich erkennen, dass der Anteil der Frauen mit einem befristeten oder Saisonvertrag, die üblicherweise schlechter entlohnt werden, besonders
hoch ist: 45,3 Prozent der Frauen gegenüber 26,8 Prozent der Männer.

Die untersuchten Daten zeigen deutlich, dass bei diesen Vertragsarten gegenüber den unbefristeten Arbeitsverträgen eine niedrigere durchschnittliche Tagesentlohnung verzeichnet wird.

Die Frauen sind zudem im Vergleich zu den Männern in den höchsten Einkommensklassen, die mit höheren Einstufungen einhergehen, unterrepräsentiert: Nur 1,4 Prozent der Frauen sind Führungskräfte oder leitende Mitarbeiterinnen gegenüber 3,9 Prozent der Männer.

Diese Daten bestätigen auch für Südtirol die Existenz der sogenannten „Gläsernen Decke“, nach der es Frauen nicht leicht gelingt, in Führungspositionen aufzusteigen. Mit anderen Worten: je höher die Einkommensstufe, desto weniger Frauen sind vertreten.

Öffentlicher Dienst

Die Analyse ergibt für das Jahr 2019 eine durchschnittlich Tagesentlohnung der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst von 118,4 Euro. Auch hier ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen insgesamt betrachtet beträchtlich: Den 148,7 Euro, welche die Männer durchschnittlich pro Tag verdienen, steht eine Durchschnittsentlohnung der Frauen von 103,6 Euro pro Tag gegenüber. Der Gender Pay Gap beträgt somit 30,3 Prozent.

Da der öffentliche Dienst von einer hohen Präsenz an teilzeitbeschäftigten Frauen (18.222 gegenüber 1.666 Männern) gekennzeichnet ist, haben die relativ geringen Teilzeitgehälter einen deutlichen Einfluss auf den
Gesamtdurchschnitt.

Die Trennung zwischen Voll- und Teilzeitarbeit verändert die Situation. In beiden Fällen ist der Gender Pay Gap (Vollzeit: 17,9 Prozent, Teilzeit: 8,5%) kleiner als der durchschnittliche Gesamtwert (30,3 Prozent). Diese Werte entsprechen weitgehend jenen des privaten Sektors.

Höchster Gender Pay Gap im Gesundheitsdienst

Was die Sektoren betrifft, so ist zu beobachten, dass der Gender Pay Gap im Gesundheitsdienst mit 31,7 Prozent eher hoch ist. Dies wird voraussichtlich dadurch beeinflusst, dass die Frauen in Berufen mit niedrigeren Löhnen stärker vertreten sind als die Männer.

Der einzige Sektor, der ein Lohngefälle zu Gunsten der Frauen aufweist, ist jener der Staatlichen Verwaltungen, des Gerichts, und der unabhängigen Einrichtungen (-1,4 Prozent)

Lohngefälle nach Alter

Sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst nimmt das geschlechtsspezifische Lohngefälle mit zunehmendem Alter zu.

Privatwirtschaft

Fällt der Gender Pay Gap in der Altersklasse bis 19 Jahre noch deutlich zu Gunsten der Frauen aus (-12,2 Prozent), so beträgt er bei den 20- bis 24-Jährigen 5,6 Prozent zu Gunsten der Männer und erreicht bei den 60- bis 64-Jährigen sogar 27,8 Prozent.

Dies legt den Schluss nahe, dass die Babypause – und das damit zusammenhängende geringere Dienstalter der Frauen nach dem Wiedereintritt in das Erwerbsleben - großen Einfluss auf die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern haben dürfte. Der
kontinuierliche Rückgang der Zahl der Arbeitnehmerinnen mit Vollzeitstelle in den Altersklassen über 30 Jahren vergrößert zudem den Unterschied.

Die Variable „Dienstalter“ steht für eine weiterführende Analyse
allerdings nicht zur Verfügung. Jedenfalls ist die Zunahme des Gender Pay Gap in den Altersklassen, in denen ein Großteil der Frauen aus familiären Gründen vorübergehend aus dem Arbeitsleben aussteigt, eine Tatsache.

Öffentlicher Dienst

Bis zum Alter von 30 Jahren ist das geschlechtsspezifische Lohngefälle gering. In der Altersgruppe zwischen 20 und 24 Jahren gibt es das einzige Lohngefälle zu Gunsten der Frauen (-0,9 Prozent).

Relativ große geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sind in den Altersgruppen 30-34 (18,8 Prozent) und 35-39 (18,7 Prozent) festzustellen.

In den nachfolgenden Altersgruppen nimmt das Lohngefälle ab und steigt dann wieder bei den Arbeitnehmern im Alter zwischen 55 und 59 Jahren (15,7 Prozent) und bei den Personen über 60 Jahren (27,3 Prozent) an, auch wenn letztere in geringer Zahl vertreten sind.

Hier die Statistiken im Detail.










stol/vs

Kommentare
Kommentar verfassen
Bitte melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben
senden