Montag, 01. Februar 2021

Geplatzte Reisen und Kinobesuche – Europäer sparen durch wenig Konsum

Wegen geplatzter Reisen und geschlossener Geschäfte in der Corona-Pandemie haben Menschen in Europa während der Krise so viel Geld wie noch nie auf die hohe Kante gelegt.

Es wird davon ausgegangen, dass ausgefallene Reisen, geschlossene Restaurants, Kinos und Geschäfte die Sparquoten der Verbraucher in die Höhe treiben.
Es wird davon ausgegangen, dass ausgefallene Reisen, geschlossene Restaurants, Kinos und Geschäfte die Sparquoten der Verbraucher in die Höhe treiben. - Foto: © Jens Schierenbeck - dpa - tmn
Wissenschaftler sehen die Gründe vor allem in den fehlenden Möglichkeiten, das Geld während des Lockdowns auszugeben, wie aus einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervorgeht. Konkrete Zahlen zu den Ersparnissen der Verbraucher im ersten Lockdown gebe es noch nicht, sagte eine Sprecherin des IWH am Montag.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ausgefallene Reisen, geschlossene Restaurants, Kinos und Geschäfte die Sparquoten der Verbraucher in die Höhe treiben. Die Angst vor dem Jobverlust oder die Sorge vor einer Corona-Infektion beeinflussten die Sparer laut Analyse weniger. Die Angst der Verbraucher vor Steuererhöhungen nach einem historischen Anstieg der Staatsschulden sei gering.

In Deutschland war die Sparquote nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2020 auf das Rekordhoch von 16,3 Prozent geklettert nach 10,9 Prozent im Jahr 2019. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte somit im Schnitt gut 16 Euro auf die hohe Kante. Vor diesem Hintergrund rechnen Ökonomen allenthalben damit, dass der private Konsum nach Ende des Lockdowns kräftig anzieht.

Die Verbraucher und ihre Konsumausgaben tragen in Deutschland mehr als 51 Prozent der Wirtschaftsleistung, leisten also einen bedeutenden Beitrag zur Konjunktur. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen – tiefer war die Rezession nur während der globalen Finanzkrise 2009, als die Wirtschaft um 5,7 Prozent schrumpfte.

In ihrer Stichproben-Analyse haben die Wissenschaftler Angaben alle Länder des Euroraums mit mehr als einer Million Einwohner einbezogen. Der beobachtete Zeitraum erstreckte sich von Januar 2019 bis August 2020 und damit auf den ersten Lockdown.

dpa