Montag, 26. Juni 2017

Gewürztraminer-Studie: Glyphosat und seine Folgen

„Glyphosat“ hat es mittlerweile zum europäischen Reizwort geschafft. Und auch hierzulande wird über das Unkrautvertilgungsmittel debattiert. Seit Montag ist die heimische Diskussion um eine Facette reicher. Laut Forschern der Freien Universität Bozen kann sich das Herbizid negativ auf die Qualität des Mosts auswirken.

Laut Forschern der Uni Bozen kann sich „Glyphosat“ negativ auf die Qualität des Mosts auswirken.
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Laut Forschern der Uni Bozen kann sich „Glyphosat“ negativ auf die Qualität des Mosts auswirken.

Für ihre Studie hat eine Bozner Forschergruppe um Matteo Scampicchio, Stefano Cesco und Tanja Mimmo die Vergärung von Gewürztraminer-Trauben untersucht. Dafür suchten sich die Wissenschaftler vier Gewürztraminer-Rebzeilen im Traminer Freisingerhof aus.

Die Erdoberfläche einer jeden Rebzeile behandelten sie unterschiedlich.

Bei der ersten wurde Glyphosat verwendet, bei der zweiten Glyphosat in Kombination mit Harnstoff, die dritte wurde nur mit Harnstoff behandelt, während die vierte als Kontrollgruppe diente und keiner Behandlung mit irgendeinem Pflanzenschutzmittel ausgesetzt wurde. Die von den Rebzeilen stammenden Trauben wurden getrennt gekeltert und vergoren.

Mit ihrer Gewürztraminer-Studie wollten die Wissenschaftler eine Forschungslücke zur Auswirkung von Glyphosat auf die Vergärung von Trauben schließen – erfolgreich, wie es scheint.

Bei Glyphosat-Behandlung werden niedrigere Temperaturen freigesetzt

„Im Normalfall finden die Hefen im Traubenmost alle notwendigen Stick- und Kohlenstoff-Quellen, um wachsen und für den Gärprozess sorgen zu können“, erklärte Matteo Scampicchio von der Freien Universität Bozen am Montag. „Allerdings kommt die Vergärung sehr viel langsamer in Bewegung, wenn bestimmte Aminosäuren fehlen.“

Dies hängt, so die Forscher, mit der Höhe der Temperatur zusammen: Von der Temperaturkurve könne man auf das Wachstum der Hefen schließen. „Die Kurven zeigen uns, ob die Hefen gute Bedingungen vorfinden oder Schwierigkeiten haben“, so Scampicchio.

Das Ergebnis der Studie im Labor der Bozner Fakultät für Naturwissenschaften und Technik war dabei eindeutig: In Mosten, die von mit Glyphosat behandelten Flächen stammen, werden beträchtlich niedrigere Temperaturen freigesetzt.

Scampicchio: Verheerende Folgen für Traubenqualität

„Dabei ist Glyphosat in der Form von Round-Up das am weitesten verbreitete Mittel, mit dem die Rebzeilen unkrautfrei gehalten werden“, hielt Scampicchio fest. „Allerdings hat das Mittel verheerende Folgen für die Traubenqualität, weil es die Synthese der Aminosäuren unterbricht, also etwa von Phenylalanin, Tyrosin oder Tryptophan.“

Die Bozner Studie habe allerdings auch gezeigt, dass die negativen Folgen von Glyphosat durch die Behandlung der Reben mit Harnstoff ausgeglichen werden könnten, betonte der Professor für Lebensmitteltechnologie.

Positiver Einfluss auf Produktivität - Aber ein Einsatz mit Folgen

Sein Fazit ist ein zwiespältiges: Der Einsatz von Glyphosat könne durchaus nützlich sein, habe in den letzten Jahren mechanische Techniken zur Unkrautvertilgung ersetzt und ohne Zweifel einen positiven Einfluss auf die Produktivität.
Der Einsatz bleibe aber nicht nicht ohne Folgen: „Über die Bodenverschmutzung und eventuelle gesundheitliche Risiken für den Menschen hinaus erfordert der Einsatz von Glyphosat zusätzliche Behandlungen der Reben, damit die negativen Folgen des Mittels für die Qualität der Trauben ausgeglichen werden können“, so Scampicchio.

Die Studie der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen habe darüber hinaus gezeigt, dass die negativen Folgen von Glyphosat auch dann zu messen sind, wenn die Blätter der Reben nicht in direkten Kontakt mit dem Unkrautvertilgungsmittel kommen.

stol/aw

stol