Samstag, 13. Mai 2017

Gipfel zur „Neuen Seidenstraße“: China winkt mit Milliarden

China strebt eine Führungsrolle in der Welt an. Mit seinen Milliarden sollen Häfen, Straßen und Bahnstrecken entlang der alten Seidenstraße gebaut werden, um neue Handelskorridore zwischen Asien, Afrika und Europa zu schaffen. Kann das ehrgeizige Vorhaben gelingen?

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping.
Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. - Foto: © APA/AFP

Es ist ein Mammutprojekt. Chinas Initiative zur Entwicklung einer „Neuen Seidenstraße“ umfasst rund 65 Länder mit etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung. Die ehrgeizigen Planer winken mit Hunderten Milliarden US-Dollar an Investitionen. Es geht um den Bau eines modernen Verbindungsnetzes mit neuen Wirtschaftskorridoren entlang der mythischen antiken Handelsrouten, die Asien, Afrika und Europa über Land und See verbunden haben.

Wo einst Seide, Gewürze, Tee, Porzellan, Gold und Silber gehandelt wurden, sollen künftig Hochgeschwindigkeitszüge und Frachtwaggons rollen, Öl und Gas durch neue Pipelines fließen, Straßen und Häfen entstehen und sich Unternehmen ansiedeln. „Während der größte Teil des Westens nach innen schaut, verbindet China die Welt“, stellt Jonathan Hillmann vom US-Zentrum für strategische Studien (CSIS) fest. „Aber ist diese Vision erreichbar?“

Skepsis im Westen

Während ärmere Länder auf einen Geldsegen hoffen, ist im Westen viel Skepsis zu spüren. Im Chor der Experten finden sich nicht selten Warnungen vor einer „Seidenstraße nach Nirgendwo“, einer „Einbahnstraße“ oder einer „Globalisierung chinesischer Prägung“. Chinas oberster Außenpolitiker Yang Jiechi entgegnet, China gebe zwar den Ton an, aber die Initiative sei kein Solo-Stück, „sondern eine Sinfonie, an der mehrere Länder mitwirken“.

Es ist das ehrgeizigste geopolitische und wirtschaftliche Vorhaben des chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping, der die Idee 2013 vorlegte. Das allumfassende Projekt läuft unter „Neue Seidenstraße“ oder „One Belt, One Road“ (Ein Gürtel, ein Weg) für die Routen über Land und See, kurz OBOR oder „Belt-and-Road“-Initiative.

Mehr als 100 Länder vertreten

Zu dem Gipfel am Sonntag und Montag reisen 28 Staats- und Regierungschefs an, allen voran Russlands Präsident Wladimir Putin. Ein Schönheitsfehler ist die Abwesenheit vieler demokratischer Spitzenpolitiker und die Dominanz umstrittener Staatsführer wie des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte sowie Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei sowie der Alleinherrscher Alexander Lukaschenko aus Weißrussland und Nursultan Nasarbajew aus Kasachstan. Insgesamt sind mehr als 100 Länder vertreten.

Während die USA unter Präsident Donald Trump dem freien Welthandel den Rücken kehren, stößt China in die Lücken vor, um den „chinesischen Traum“ einer „Wiederauferstehung“ zu verwirklichen. „Was hat China?“, sagt Tom Miller, Autor eines Buches über die Initiative. „Sein Militär ist nicht so groß wie das der USA. Auch hat China nicht so viele Freunde. Aber es hat jede Menge Geld und wirtschaftliches Gewicht.“

EU hält sich zurück

Diplomaten und Experten sehen durchaus Potenzial, mit den Investitionen regionales und globales Wachstum anzukurbeln. Aber die Gefahr durch Korruption oder die Förderung nutzloser oder nicht lebensfähiger Vorhaben ist groß. Weiteres Hindernis: Zwei Drittel der Länder haben auch eine derart schlechte Kreditwürdigkeit, dass Chinas Banker und Unternehmen zurückzucken.

Die EU ist zurückhaltend. „Wir werden mitmachen, wenn wir Mitsprache haben“, sagte ein EU-Diplomat. Es müsse aber so laufen wie etwa in der Asiatischen Infrastrukturbank (AIIB), wo es klare Regeln, Transparenz und internationale Standards gebe.

apa/dpa/stol

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