Dienstag, 03. Juli 2018

Glas Müller schließt Hauptsitz in Bozen

Bozen. Der Bozner Traditionsbetrieb Glas Müller Vetri AG schließt im heurigen Sommer nach fast 110 Jahren Tätigkeit seine Tore, wie am Montag bekannt wurde.

Glas Müller schließt in Bozen seine Tore. - Foto: DLife
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Glas Müller schließt in Bozen seine Tore. - Foto: DLife

Keine direkte Nachfolge und keine Führungskräfte, die das Unternehmen operativ und eigenständig führen können und wollen, sowie gesundheitliche Probleme haben die Inhaberin Christine Müller zu diesem drastischen Schritt veranlasst, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Denn obwohl der Industriestandard 4.0 in der Firma schon umgesetzt und erreicht worden sei, und Glas Müller heute zu den renommiertesten Glasverarbeitern Italiens zähle, scheine es keine Möglichkeit mehr zu geben, den von Eugen Müller junior gegründeten Sanco Isolierglasbetrieb weiterzuführen, heißt es in einer Aussendung des Unternehmens.

Geeigneter Nachfolger fehlt

Trotz intensiver Bemühungen von Seiten der Geschäftsführung sei es nicht gelungen, die betriebsinterne Führungsstruktur zu verjüngen. Aufgrund dessen fehle ein geeigneter Nachfolger, der die unternehmerischen Fähigkeiten sowie die Fachkenntnissen besitzt, um den Betrieb weiter erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Die Inhaberin bemühte sich daher seit einigen Jahren, das Unternehmen zu veräußern und einen Käufer zu finden, wie es weiter in der Mitteilung heißt. Ein solcher sei aber trotz intensiver Suche weder bei den Zulieferern noch bei den Mitbewerbern in der Isolierglasbranche zu finden gewesen. „Dabei ist es nahezu unverständlich, dass es nicht möglich war, den völlig schuldenfreien Südtiroler Vorzeigebetrieb zu veräußern, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Firma in den letzten 20 Jahren stets schwarze Zahlen geschrieben hat“, heißt es in der Aussendung. Die im Betrieb gelebten Anforderungen an Qualität, die Notwendigkeit von Fachwissen sowie die in der Branche bekannte Liefertreue und Zuverlässigkeit für potentielle Käufer stellten scheinbar eine zu hohe Hürde dar.

Niederlassung in Bruneck nicht betroffen

Interessierte Glasverarbeiter aus dem benachbarten Ausland seien „vor allem durch die Sprachbarriere sowie von der Komplexität der nationalen Normen in der Glasbranche abgeschreckt worden“. Aber auch die Anforderungen des norditalienischen Marktes in Bezug auf Produktqualität hätten für diese Unternehmen anscheinend eine zu hohe Herausforderung dargestellt. Dieser Umstand zeichne die Glas Müller und ihre Mitarbeiter aus, trage aber paradoxerweise dazu bei, dass es anscheinend keine Lösung mehr für einen Weiterbestand der Firma gibt, heißt es vom Unternehmen.

Im Jahr 1998 übernahm Christine Müller in vierter Generation nach ihren Brüdern Stefan und Roger Müller den Betrieb von ihrem Vater Eugen, der im November 1998, wenige Monate nach der Übernahme, verstarb. Durch Investitionen in neue Technologien und Produkte gelang es Christine Müller, den Betrieb in den vergangenen 2 Jahrzehnten zu einem der modernsten Glasverarbeiter Italiens auszubauen. „Besonders stolz ist man bei Glas Müller auch darauf, dass man auch in Krisenzeiten stets gut gearbeitet hat und somit keine externen Unterstützungen wie Ausgleichskassen und ähnliches in Anspruch nehmen musste“, heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Christine Müller werde sich aber trotz ihres Ruhestand nicht völlig aus dem Glassektor verabschieden

Die Niederlassung in Bruneck, die sie im Jahr 2014 eröffnet hat, ist von der Schließung nicht betroffen, wie das Unternehmen betont. In Bruneck wurde gemeinsam mit dem bisherigen Filialleiter Meinhard Scheider eine Gesellschaft gegründet, die die bisherigen Tätigkeiten als Glas Müller Bruneck GmbH uneingeschränkt und mit den selben Mitarbeitern weiterführen wird. „Somit bleibt der Name Müller auch in Zukunft weiterhin mit dem Glassektor in Südtirol verbunden“, heißt es.

D/stol

stol