Donnerstag, 26. Oktober 2017

Gleichberechtigung im Alter gefordert

Nach den Grundsätzen der italienischen Verfassung sind Frauen und Männer gleichgestellt. Doch die offiziellen Daten und Statistiken offenbaren eine ganz andere Wirklichkeit. Am 27. Oktober findet der 3. Equal Pension Day in Südtirol statt, wo es darum geht, das akute Problem der Altersvorsorge für Frauen und deren Benachteiligung gegenüber den Männern aufzuzeigen.

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Foto: © shutterstock

Frauen verdienen in der Regel während ihres Berufslebens nicht nur weniger als die Männer, sie erhalten dadurch auch weniger an Rente und sind somit dadurch besonders Altersarmutsgefährdet, erklärt Helmuth Renzler von den SVP-ArbeitnehmerInnen.

Laut Daten des NISF/INPS wurden in Südtirol 2016 insgesamt 42.493 Alters- und vorzeitige Altersrenten an Männern ausbezahlt und 34.147 dieser Rentenarten an Frauen ausbezahlt. Diese Zahlen beinhalten aber nicht die Pensionen der öffentlich Bediensteten. Die durchschnittlichen Renten der Männer betrugen jährlich 24.414,98 Euro brutto, während jene der Frauen nur jährlich 13.905,66 Euro betrugen, so der Landtagsabgeordnete Helmuth Renzler. Der Unterschied sei jedoch nicht ganz so eklatant, immerhin müsse man innerhalb dieser Zahlen noch zwischen den einzelnen Berufskategorien unterscheiden.

Unterschiede bei Altersvorsorge kann für Frau verheerend sein

Als Ursachen für die geringeren Renten der Frauen seien unter anderem die familienbedingte Erwerbsunterbrechung für die Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Teilzeitarbeit zu nennen, die als Nebenwirkung auch noch schlechtere berufliche Perspektiven und Karrieremöglichkeiten mit sich bringen, so Renzler.

Auch wenn Paare sich einvernehmlich dafür entscheiden, dass Frauen zugunsten der Familie beruflich zurückstecken, so ändere es nichts an der Tatsache, dass solche Entscheidungen langfristige Risiken mit sich bringen, die im Normalfall einseitig bei den Frauen liegen und sich im Falle von Trennungen, Scheidungen usw. für sie verheerend auswirken können.  

Die Politik habe somit die Aufgabe, die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen dahingehend zu beeinflussen, dass junge Familien ihre Vorstellungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit so gestalten können, dass der Rentenunterschied oder die Altersversorgung in Zukunft zwischen den beiden Geschlechtern nicht mehr so gravierend und ungerecht ist wie heute, schloss Helmuth Renzler.

Anerkennung der Erziehungszeiten: Verhandlungen und erste Schritte in Rom

Die Südtiroler Kammerabgeordneten Renate Gebhard und Luisa Gnecchi haben zum Anlass auf die aktuellen Verhandlungen in Rom für eine bessere Rentenabsicherung von Müttern aufmerksam gemacht. „Die Anerkennung der Erziehungs- und Pflegezeiten für die Rente ist eine konkrete Maßnahme gegen die weibliche Altersarmut und gegen die Rentenschere.“
 
„Junge Frauen heute wissen, dass mit dem beitragsbezogenen Rentensystem im Alter nur so viel ausbezahlt werden kann, wie sie im Laufe ihres Arbeitslebens einbezahlt haben und können sich somit darauf einstellen“, so Gebhard.

Viel schlimmer treffe es jedoch die Generation vorher, die vielfach in diese Situation hineingerutscht sei. Das damals noch festgefahrene Bild der Frau, die ihren Beruf zum Wohle der Familie und der Kinder aufgibt, aber auch fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten hätten dazu beigetragen, dass die Mütter der 1980er Jahre ohne oder mit nur einer kleinen Rente dastünden.

„Um diese Frauen vor der Altersarmut zu bewahren, wird derzeit im Arbeitsministerium an einem Modell für die Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten gearbeitet, wie die Südtiroler Frauen es bereits im Jahr 2010 mit mehr als 110.000 Unterschriften eingefordert haben“, berichten die Parlamentarierinnen Gebhard und Gnecchi.

Demnach sollen den Frauen 6 Monate pro Kind bis zu maximal 2 Jahre für die Rente gutgeschrieben werden. „Wermutstropen ist dabei, dass der aktuelle Vorschlag nur 6 Monate pro Kind vorsieht und dass diese Maßnahme vorerst nur für jene Frauen gelten soll, die die Voraussetzungen für den sogenannten sozialen Pensionsvorschuss beziehungsweise Ape Sociale erfüllen“, räumt Renate Gebhard ein.„Es wäre aber ein erster Schritt, auf den wir aufbauen könnten.“

stol

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