Montag, 07. März 2016

Glyphosat: Die Luft für den Unkrautvernichter wird dünner

Glyphosat steht im Verdacht krebserregend zu sein. Der Hersteller will den umstrittenen Unkrautvernichter aber weiter auf den europäischen Markt bringen. Doch die Neuzulassung in der Europäischen Union steht auf der Kippe - und Italien redet dabei ein ernstes Wörtchen mit.

Glyphosat: Ob das Unkrautbekämpfungsmittel wieder zugelassen wird, ist genauso unklar, wie die Frage danach, ob es krebserregend ist.
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Glyphosat: Ob das Unkrautbekämpfungsmittel wieder zugelassen wird, ist genauso unklar, wie die Frage danach, ob es krebserregend ist. - Foto: © shutterstock

Glyphosat ist einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe in Herbiziden. Ob das Mittel eine Gefahr für den Menschen darstellt, ist umstritten.

Krebserregend oder nicht? Südtirol ist vorsichtig

Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) hatte das Mittel vergangenen Sommer als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Im November kam die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hingegen zum Schluss, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebs-Bedrohung für den Menschen (STOL hat berichtet).

Dennoch lässt man etwa in Südtirol Vorsicht walten: Der Südtiroler Landtag hat sich zuletzt für ein Verbot der Ausbringung auf öffentlichen Flächen ausgesprochen (STOL hat berichtet). "In Südtirol", betonte Agrarlandesrat Schuler im Juli 2015 auf STOL, "wird jedenfalls alles getan, um die Ausbringung dieses Mittels und generell von Unkrautbekämpfungsmitteln immer mehr zu reduzieren". Man wolle nichts beschönigen, aber auch keine Panik verbreiten. 

Mehr kann das Land nicht tun. Ein generelles Verbot hängt von der Entscheidung Italiens - und in weiterer Instanz von der EU ab. 

In der EU bis 2031 zulassen? Italien ist (noch) dagegen

Und letztere beschäftigt sich aktuell mit der Genehmigung des Mittels. Die Brüsseler Behörde hat eine Neuzulassung bis zum Jahr 2031 vorgeschlagen. 
Bei einem Treffen nationaler Experten am Montag in Brüssel kam nach Angaben von EU-Diplomaten aber nicht die nötige Mehrheit zustande, am Dienstag sollte weiter beraten werden.

Mindestens vier Staaten wollten dem Vorschlag der EU-Kommission in seiner augenblicklichen Form nicht zustimmen, wie Diplomaten bestätigten. Schweden, Italien, Frankreich und die Niederlande waren am Montag nicht oder noch nicht zum Ja bereit.

"Italiens Landwirtschaftsminister Martina und Gesundheitsministerin Lorenzin haben die Bedenken von Wissenschaftlern und Umweltverbänden ernst genommen, ihre Gegenstimme angekündigt und einen gesamtstaatlichen Plan ,Null Glyphosat' ausgerufen", kommentierte Parlamentarier Florian Kronbichler das (Nicht-)Ergebnis von Montag, dessen Ausgang sich der Parlamentarier unter anderem selbst auf die Fahnen schreibt.
"Mit Argumenten versorgt vom Vinschger Umweltexperten Koen Hertoge bin ich vergangene Woche und das ganze Wochenende über mit dem Präsidenten des Umweltausschusses der Abgeordnetenkammer Ermete Realacci und mit der italienischen Umweltsprecherin im EU-Parlament Simona Bonafè in Kontakt gestanden, um ein Nein Italiens zu erwirken. Italien hatte nämlich schon seine Ja-Stimme angekündigt", so Kronbichler und weiter: Mals mache Schule, so Kronbichler, der sich auf das Nein zur Pestizidanwendung in der Gemeinde bezieht. 

Weitere Untersuchungen gefordert

Deutschland und das landwirtschaftlich wichtige Land Dänemark hätten sich zu einer Stimmenthaltung durchgerungen. Deutschland prüfe, ob es bei diesem Pflanzenschutzmittel „für Profis“ Einschränkungen für den privaten Gebrauch geben könnte.

In den Niederlanden hatte das Parlament sich für ein Glyphosat-Verbot ausgesprochen. Der zuständige Staatssekretär Martijn van Dam sicherte daraufhin zu, die Regierung wolle auf eine Vertagung der Entscheidung drängen. Es seien weitere Untersuchungen nötig, um zu klären, ob das Mittel krebserregend sei. Auch Schweden will zusätzliche Klärung.

28 Staaten sind für Neuzulassung - Glyphosat im Bier

Zwölf der 28 EU-Staaten sind nach Angaben von Diplomaten für die Neuzulassung. Von den vier Skeptikern abgesehen sei der Rest unentschieden oder nehme eine unklare Haltung ein, hieß es.

Menschen kommen mit dem Herbizid über Lebensmittel, Trinkwasser oder etwa die Arbeit in der Landwirtschaft in Kontakt. Letzthin wurde der Unkrautvernichter gar in deutschem Bier nachgewiesen (STOL hat berichtet).

stol/dpa/ker

stol