<b>Herr Gufler, nach 30 Almsommern bleibt heuer die Küche das erste Mal kalt. Warum?</b><BR />Helli Gufler: Generell ist man als Saisonsbetrieb in der Gastronomie, wie wir einer sind – wir halten von Mai bis Ende Oktober offen –, bei der Suche nach Personal gegenüber den Jahresbetrieben benachteiligt. Es ist für uns viel schwieriger, gut ausgebildetes Personal zu bekommen, weil wir keine Jahresstellen zu bieten haben. Das hat sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet.<BR /><b><BR />Inwiefern?</b><BR />Gufler: Im Tourismus hat die Bettenanzahl zugenommen und diese Betten brauchen und bindet Leute. Was ist in den vergangenen 5 Jahren passiert? Immer mehr Mitarbeiter waren gefragt und immer weniger kompetentes Personal hat sich gemeldet.<BR /><BR /><b>Wann hatten Sie begonnen für den heurigen Sommer, Personal zu suchen?</b><BR />Gufler: Eigentlich sobald im Oktober die Saison fertig war, um die neue Saison mit meinen Wunschmitarbeitern abzudecken. Ich kann nur so viel sagen, dass ich noch nie so viele Vorstellungsgespräche geführt habe wie heuer. Es waren weit über 50, 60 für rund ein Dutzend Mitarbeiter. <BR /><BR /><b>Aber?</b><BR />Gufler: Es fehlt an Top-Fachkräften. Ist ein Drittel bzw. die Hälfte des Mitarbeiterstabs nicht gut ausgebildet, hat man bereits ein Problem. Anfang Jänner hatte ich 3 Mitarbeiter gefunden von einem Dutzend. Dann habe ich für mich beschlossen, dass ich heuer nicht aufsperre – auch um den guten Namen der Gompm Alm, den wir uns in den letzten 30 Jahren aufgebaut haben, nicht aufs Spiel zu setzen.<BR /><BR /><b>Abgesehen davon, dass die Gompm Alm ein Saisonsbetrieb ist, gibt es weitere Faktoren die die Personalsuche erschweren?</b><BR />Gufler: Die Meereshöhe.<BR /><BR /><b>Wie bitte?</b><BR />Gufler: Die Alm liegt auf 1800 Metern im Naturschutzgebiet, daher darf ich keine Übernachtungsmöglichkeiten für Mitarbeiter dazu bauen. 3 Top-Köche haben mir deshalb abgesagt. Die Leute sagen sich, lieber als jeden Tag ein Stunde von Meran mit dem Auto zu kommen, fahre ich lieber 10 Minuten zur Arbeit, spare Zeit und Geld. Einerseits darf man die Alm bewirtschaften, andererseits darf ich die Struktur nicht den Notwendigkeiten anpassen.<BR /><BR /><b>Wo sind all die Mitarbeiter im Gastgewerbe geblieben?</b><BR />Gufler: In der Pandemie haben erstens Mitarbeiter bemerkt, dass es auch ohne Arbeit geht. Die anderen, die zurückgekommen sind, wurden teilweise verbrannt oder ausgepresst, indem man das Arbeitspensum auf weniger Schultern reduzierte. Gastronomie mit Herzblut zu machen, ist so schon sehr aufreibend – von der Früh an voller Einsatz, immer lächeln, immer gut drauf sein, immer Vollgas. Normalerweise müsste man mit weniger Mitarbeitern auch die Tische reduzieren. Das haben wenige bis keiner getan. Dies hatte zur Folge, dass zusätzlich Leute gegangen sind – entweder haben sie sich ganz aus der Gastronomie verabschiedet oder haben sich eine Jahresstelle gesucht, wo sie samstags und sonntags frei haben.<BR /><BR /><b>Und Konkurrenzkampf über die Löhne?</b><BR />Gufler: Teilweise werden die Leute überbezahlt. So wirbt man sich gegenseitig die Leute ab. Über die Preispolitik versucht man das sinkende Schiff zu retten. Wir Saisonsbetriebe können Mitarbeiter auch gut zahlen, aber wir auf der Alm sind obendrein noch wetterabhängig. In diesem Preiskampf können wir nur bis zu einem bestimmten Punkt mithalten. <BR /><BR /><b>Wie sehr fehlt Ihnen der Hüttensommer?</b><BR />Gufler: Es tut logisch weh, aber andererseits kann ich erstmals einen Sommer mit meiner Familie verleben – ich habe 3 kleine Kinder – und zudem habe ich mit meiner Edelschwarz Gin-Produktion ein zweites Standbein. Sonst könnte ich es mir auch nicht leisten. Und so beginne ich eben jetzt schon nebenbei den nächsten Gompm Alm-Sommer zu planen.