<b>von Johanna Torggler</b><BR /><BR />Egal ob in Griechenland, Spanien, New York oder Neuseeland: Für den Aufenthalt in einem Hotel zahlen wir meist schon bei der Buchung oder spätestens bei der Ankunft. Besonders bei Online-Buchungen ist Vorkasse längst die Norm. Doch in Südtirol wird immer noch anders verfahren.<BR /><BR />Hierzulande wird den Gästen weiterhin der „Luxus“ geboten, erst am Tag der Abreise für Logie, Getränke und Zusatzleistungen zu zahlen. Mittlerweile scheint das jedoch immer öfter zu Problemen zu führen. Betroffen ist vor allem die Top-Hotellerie, wie HGV-Präsident Manfred Pinzger bestätigt. Besteht Handlungsbedarf?<BR /><BR /><embed id="dtext86-67543118_quote" /><BR /><h3> Ein wachsendes Problem</h3>„Immer häufiger verlassen Gäste unser Hotel, ohne dafür zu bezahlen“, berichtet eine Südtiroler Direktionsassistenz. Dabei geht es um große Summen: Für einen Aufenthalt in einem 5-Sterne-Hotel fallen für ein Paar schnell 2000 bis 3000 Euro an. Bleiben die Gäste länger, können es auch über 5000 Euro sein.<BR /><BR />An einen Fall erinnert sich die Rezeptionistin besonders gut: Ein Mann hatte eine Woche allein im Hotel verbracht, teure Getränke konsumiert und den vollen Luxus genossen. Doch als die Rechnung fällig war, war er verschwunden. Sein Zimmer war leer, die Koffer weg, ebenso sein Auto. „Wir blieben auf den Kosten sitzen“, erzählt die Frau. Später stellte sich heraus, dass der Mann denselben Betrug in mehreren Südtiroler Hotels begangen hatte. Trotz anwaltlicher Unterstützung wurde die Rechnung bis heute nicht beglichen, da der Mann keinen festen Wohnsitz hatte.<h3> Herausforderungen für die Hotellerie</h3><BR />Und genau hier liegt das Problem: Für die Hotels ist es oft schwierig, das Geld einzutreiben. „Zuerst kontaktieren wir natürlich die Gäste. Manchmal passiert es tatsächlich, dass sie versehentlich abreisen, ohne zu bezahlen, weil sie annehmen, dass die Zahlung automatisch über das digitale Reiseunternehmen Booking.com abgewickelt wird.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-67543119_quote" /><BR /><BR />In anderen Fällen handelt es sich jedoch eindeutig um das bewusste Umgehen der Bezahlung. Eine Antwort von den Gästen bleibt dann aus. „Wir haben uns mit Anwälten in Verbindung gesetzt, die die Situation jedoch meist als aussichtslos einschätzen.“ Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft ist es schwierig, an die Daten der Gäste zu kommen, und in vielen Fällen wohnen sie zu weit entfernt. Die Polizei in Thailand wird wohl kaum Interesse daran haben, Personen zu suchen, die ihren Urlaub in Südtirol nicht bezahlt haben. „Und meistens lohnt sich der Aufwand finanziell nicht. Geht es etwa um 1.000 Euro, übersteigen die bürokratischen Kosten oft den nicht bezahlten Betrag“, erklärt die Expertin.<BR /><BR />Und auch HGV-Präsident Manfred Pinzger erklärt: „Wenn ein Italiener ohne zu zahlen abreist, sollte man in jedem Fall Anzeige erstatten, unabhängig von der Höhe der Rechnung. Bei ausländischen Gästen lohnt sich das oft nicht, da die Bürokratie sehr aufwendig ist und die Kosten und der Ärger meist größer sind als der tatsächliche Nutzen.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-67543240_quote" /><h3> Buchungsplattformen erschweren die Situation</h3>„Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang die Website Booking.com“, sagt die Direktionsassistenz. Obwohl der Gast bei der Buchung seine Kreditkartennummer sowie andere personenbezogene Daten angibt, können die Hotels später nicht mehr darauf zugreifen. „Früher war das nicht so. Seit etwas mehr als einem halben Jahr schützt Booking.com nun ausschließlich die Interessen des Gastes – wir Hotels werden im Stich gelassen“, bemängelt sie. Das Hotel hat nun keine Möglichkeit mehr, auf die Kreditkartendaten des Gastes zuzugreifen. „Sehr unfair“, findet die Direktionsassistenz, „denn eigentlich ist es das Recht des Hotels, für die gebotenen Dienstleistungen bezahlt zu werden. Der Gast war bei uns, hat alles genossen – warum dürfen wir seine Daten nicht haben, wenn er sich einfach aus dem Staub macht?“<BR /><BR /><embed id="dtext86-67543241_quote" /><BR /><BR />Bis auf den Herrn, der eine Woche Südtirol in einem der Top-Hotels genoss, gab es ähnliche Fälle mit asiatischen Gästen, Amerikanern und Arabern. „Oft sind es internationale Gäste, die unser Hotel verlassen haben, ohne ihre offenen Rechnungen zu begleichen“, erklärt die Direktionsassistenz. Zuletzt haben jedoch auch Gäste aus der Schweiz eine ähnliche Betrugsmasche angewendet. Das Interessante daran: Die Gäste waren äußerst freundlich und suchten den Kontakt zum Personal. „Das Schweizer Paar wollte früher abreisen, und ich erklärte ihnen, dass sie dies zwar tun können, aber trotzdem für den Aufenthalt bezahlen müssen. Diesen Hinweis nahmen sie ohne Wenn und Aber an und versicherten mir, dass sie lieber noch bleiben würden. Am nächsten Tag jedoch sind sie einfach abgereist, ohne zu zahlen. Wir blieben schockiert zurück.“<h3> Lösung gefunden: 5-Sterne-Hotel ändert seine Strategie</h3><embed id="dtext86-67543247_quote" /><BR /><BR />Das betroffene 5-Sterne-Hotel hat inzwischen Konsequenzen gezogen. Die Zahlung der Logiekosten wird nun direkt beim Check-in verlangt, anstatt wie bisher erst am Ende des Aufenthalts. „Wir hatten anfänglich Bedenken, dass diese Änderung einige Gäste stören könnte. Aber bisher gab es keinerlei Beschwerden“, berichtet die Direktionsassistenz. Die Entscheidung hat sich als erfolgreich erwiesen: Seit der Umstellung gibt es keine Probleme mehr mit Zechprellern, und das Hotel kann auf diese Weise sicherstellen, dass die Zahlungen vollständig beglichen werden.<h3> Ein Schritt Richtung internationaler Standards?</h3><embed id="dtext86-67543242_quote" /><BR /><BR />HGV-Präsident Manfred Pinzger betont, dass Vorauszahlung international längst die Norm ist. „Sollte die Situation sich weiter verschärfen, könnten wir Maßnahmen ergreifen. Die Gäste sollten dann beim Check-in ihre Kreditkarte hinterlegen, wie es international schon lange üblich ist“, erklärt er. Derzeit sieht er jedoch noch keinen dringenden Handlungsbedarf. In Südtirol wird das Bezahlen bei Abreise nach wie vor mit Gastfreundschaft und Vertrauen begründet. „Hierzulande ist es einfach nicht üblich, beim Check-in direkt zu zahlen“, so Pinzger.<BR /><BR />Das Beispiel des 5-Sterne-Hotels zeigt jedoch, dass es auch anders funktioniert. „Solange die Situation nicht eskaliert, bleibt es jedem Betrieb überlassen, wie er verfährt“, sagt Pinzger.