Donnerstag, 18. Februar 2021

Grenzschließungen – Warnung vor Unterbrechung der Lieferketten

Die Grenzschließungen Deutschlands zu Nordtirol und Tschechien behindern die Wirtschaft und lassen sie Umwege und Mehrkosten in Kauf nehmen, um den Betrieb aufrecht zu halten. So schildert die deutsche Hegelmann Group in einer Aussendung, dass sie teilweise Transporte aus Italien über das Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und Slowenien in den Karawanken umleitet, tschechische Importe teilweise über Polen schickt. Wo das nicht geht, müssten die Fahrer Warteschlagen in Kauf nehmen.

Die verschärften deutschen Einreiseregeln an den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol zum Schutz vor gefährlichen Varianten des Coronavirus sind in der Nacht zum 14.02.2021 in Kraft getreten.
Die verschärften deutschen Einreiseregeln an den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol zum Schutz vor gefährlichen Varianten des Coronavirus sind in der Nacht zum 14.02.2021 in Kraft getreten. - Foto: © dpa-Zentralbild/Robert Michael / Robert Michael
Die Situation der Fahrerinnen und Fahrer sei „alarmierend“, so das deutsche Unternehmen. Es fehle an Testkapazitäten für die Fahrer, obwohl sie an der Grenze einen aktuellen Test vorlegen müssen, auch würden die Kosten auf die Speditionen abgewälzt. Es gebe „kilometerlange Staus“. „Bedarfsgerechte Lieferzusagen sind unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich, sodass es erneut zu Stillständen in der Produktion und leeren Regalen in den Supermärkten kommen könnte“, sagt Siegfried Hegelmann, Managing Shareholder bei der Hegelmann Group.

Für die Einreise nach Deutschland durch das Bundesland Tirol braucht es eben – wie berichtet – bis auf weiteres einen negativen Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. „Die Warentransporteure sind derzeit Extremsituationen ausgesetzt. Bei Minus 16 Grad Celsius standen die letzten Tage über 1.500 Lkw-Fahrer stundenlang Schlange für einen Coronatest“, berichtet auch der Obmann der Warentransporteure im lvh Elmar Morandell. Am Autohof Sadobre in Sterzing wurde eine Teststation für Antigen-Schnelltests eingerichtet, um problemlos durch die Kontrollen am Brenner zu kommen. „Lkw-Fahrer, welche die Grenzen passieren wollen, sind seit den Schließungen unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt.“

Parallel zu diesen Problemen kämpfen „stationäre“ Unternehmen in Bayern mit den Beschränkungen für ihre pendelnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Da wird man bis Mitternacht alle legalen Möglichkeiten ausschöpfen, um möglichst viele noch über die Grenze zu bringen“, sagt Richard Brunner von der Industrie- und Handelskammer für Oberpfalz am Donnerstag. Grenzgänger aus Tirol und Tschechien brauchen für ihre Einreise ab Freitag eine Bescheinigung der deutschen Behörden.

Bayerns Innenministerium hatte am Mittwoch rund 2.500 systemrelevante Betriebe gemeldet, die weiter Grenzgänger beschäftigen dürfen. Nachmeldungen sind zwar möglich, aber erst mit der amtlichen Bescheinigung können die Pendler dann über die Grenze. Einige Betriebe versuchen nun laut Brunner, für ihre Mitarbeiter aus Tirol Hotelzimmer in Deutschland zu organisieren. „Es ist unglaublich, was die Unternehmen, aber vor allem die Pendler alles auf sich nehmen“, so Brunner.

apa/stol