Montag, 09. November 2020

Große Unsicherheit für die Zukunft

Obwohl es im Sommer eine Erholung gab, bleiben die Bewertungen der Südtiroler Unternehmen zur Ertragslage im laufenden Jahr äußerst bescheiden. Umsatz, Investitionen und Beschäftigung sind stark rückläufig. Auch die Erwartungen für 2021 sind von großer Unsicherheit geprägt. Dies ergibt sich aus der Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers.

Die Südtiroler Wirtschaft blickt mit großer Unsicherheit in die Zukunft.
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Die Südtiroler Wirtschaft blickt mit großer Unsicherheit in die Zukunft. - Foto: © shutterstock
Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeiten nach dem Lockdown hat zu einer allmählichen Erholung der Umsätze geführt. Die leichte Verbesserung, die sich bereits im Mai abgezeichnet hat, weitete sich im Sommer nach und nach auf alle Wirtschaftsbereiche aus. Im Juni lagen die Umsätze noch etwa ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. Diese Differenz reduzierte sich auf 10 Prozent im Juli und auf 4 Prozent im August.

Nichtsdestotrotz erwarten sich sieben von zehn Unternehmen einen Umsatzrückgang für das Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Ergebnis wird auch durch eine schwache Dynamik der Verkaufspreise hervorgerufen: In den letzten 12 Monaten stieg das Preisniveau in Südtirol um lediglich 0,8 Prozent.

Der Arbeitsmarkt zeigte einen ähnlichen Trend wie jener des Umsatzes. Trotz einer allmählichen Erholung der Beschäftigung im Sommer, wurden im September immer noch über 2300 unselbständig Beschäftigte weniger verzeichnet als im Vorjahresmonat.

Urteil über Geschäftsjahr 2020 fällt negativ aus


Übereinstimmend mit diesen Dynamiken bleiben die Bewertungen der Unternehmerinnen und Unternehmer für das Geschäftsjahr 2020 überaus negativ: Etwa ein Drittel der Befragten bewertet die Rentabilität mit „schlecht“. Kaum jemand gibt ein „gutes“ Urteil ab. Trotz der leichten Erholung im Sommer, äußern sich verschiedene Sektoren weiterhin kritisch über die aktuelle Lage, allen voran der Tourismus und das Transportgewerbe.

Auch in vielen Sparten des Dienstleistungssektors sowie des Groß- und Einzelhandels gibt es nach wie vor Schwierigkeiten.
Die Unternehmen bemängeln die steigenden Kosten und die Verschlechterung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus sind sie über die schlechter werdende Zahlungsmoral der Kunden sowie über die Erschwerung des Kreditzugangs besorgt.

Unternehmen erwarten für 2021 keine wesentliche Verbesserung
Die Investitionen bleiben rückläufig aufgrund der nach wie vor sehr unsicheren Rahmenbedingungen, auch bedingt durch die erneute Ausbreitung der Infektionen. Unsicherheit prägt auch die Erwartungen für das nächste Jahr. Die Unternehmen erwarten einen leichten Anstieg des Umsatzes, vor allem auf dem Südtiroler Markt, aber keine wesentliche Verbesserung der Rahmenbedingungen. Folglich wird auch für das nächste Jahr keine Erholung der Investitionstätigkeit erwartet.

Die 2. Welle bremst den Aufschwung der internationalen Konjunktur

Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeiten nach dem Lockdown und die außergewöhnlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft haben im 3. Quartal zu einer deutlichen Erholung der internationalen Konjunktur geführt. Die jüngsten Prognosen der Europäischen Kommission berücksichtigen diesen Aufschwung: Die Vorhersage des BIP für die Eurozone im Jahr 2020 bleibt zwar weiterhin sehr negativ, wurde aber von -8,7 auf -7,8 Prozent nach oben korrigiert.

Diese teilweise Erholung wird jedoch im letzten Quartal des Jahres aufgrund der 2.Infektionswelle, die Europa im September erfasst hat, zum Stillstand kommen. In den vergangenen Wochen sahen sich viele europäische Regierungen gezwungen, nach und nach Beschränkungen der Mobilität und der wirtschaftlichen Tätigkeiten wieder einzuführen, um das Gesundheitssystem zu entlasten.

Weiterhin ungelöst bleibt auch die Brexit-Frage: Nach derzeitigem Stand konnten sich Brüssel und London noch nicht zu einem Abkommen über die zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen durchringen.
International betrachtet sind die Vereinigten Staaten nach wie vor das am stärksten von der Epidemie betroffene Land, wobei für 2020 ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 4,6 Prozent erwartet wird. China setzt hingegen den Aufwärtstrend fort und wird heuer voraussichtlich ein Wachstum von 2,1 Prozent verzeichnen.

stol

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