Egal wohin man blickt, Produkte, die sich der Energiewende verschrieben haben, werden an den Kapitalmärkten derzeit mit weitestgehender Nichtbeachtung belegt. Papiere von marktführenden Anlagenbauern im Wind- und Solarenergiebereich, von E-Autoherstellern und anderen Zukunftsbereichen, ja selbst breiter gestreute Themenfonds, liegen aktuell meilenweit von ihren Höchstständen entfernt. <BR /><BR />Beispielhaft ist die Entwicklung des iShares Global Clean Energy, der in rund 100 Unternehmen aus dem Bereich Green Energy investiert: Er sackte von über 14 Euro je Quote im Jahr 2021 auf rund 7 Euro ab, während viele Aktienindizes in den letzten Monaten wahre Höhenflüge erlebten. <h3> „Die Fantasie ist raus“</h3>„Die Fantasie ist derzeit raus im Bereich Erneuerbare Energien und generell Energiewende“, so das Urteil von Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen & Treasury bei der Südtiroler Sparkasse. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus: „Nach den Klimabeschlüssen in Paris im Jahr 2019, der Kapitalschwemme infolge der Coronakrise und den vielen tollen Visionen von einer nachhaltigen Zukunft wurde der ganze Bereich enorm gehypt. Das Ganze wurde noch von den sehr niedrigen Zinsen zusätzlich gestützt. Dazu kam, dass sich das Thema auch bei Anlegern gut verkaufen ließ.“ Wer wollte nicht in eine nachhaltige Zukunft investieren und die Welt mit seinem Ersparten ein wenig besser machen? <BR /><BR /><embed id="dtext86-64221816_quote" /><BR /><BR />Die Trendumkehr setzte laut Weissenegger mit den Leitzinserhöhungen in den USA und Europa sowie dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ein: „Auf der politischen Agenda stand plötzlich nicht mehr die saubere Energie ganz oben, sondern es ging darum, wie man möglichst schnell, möglichst viel Energie, egal welcher Art, herbekommt.“ <BR /><BR />Daran, dass die Politik in vielen Aspekten noch keine klare Linie gefunden hat, habe sich bis heute nichts geändert: „Sehen wir uns den Bereich E-Mobilität an. Erst hieß es, die Zukunft seien E-Autos und die Verbrenner schon bald Geschichte. Doch dann ließ die EU-Kommission wissen, dass man die festgelegten Ziele schon in einigen Jahren, früher als ursprünglich geplant, prüfen und gegebenenfalls nachbessern werde.“ <BR /><BR />Aus den USA höre man vonseiten einiger Gouverneure bereits Aussagen, wonach Nachhaltigkeitsziele keinen Platz bei Investmententscheidungen finden sollten. „Auch die Wissenschaft spricht beim Thema Nachhaltigkeit nicht mit einer Stimme.“ Alles keine günstigen Voraussetzungen. <h3> Kein Kapital kommt nach</h3>Wie erwähnt, trug auch das seit 2022 geänderte Zinsumfeld einen wichtigen Teil zum Attraktivitätsverlust „grüner“ Anlagen bei: „Wenn die Zinsen schnell und so stark ansteigen, haben es Wachstumswerte schwer. Großinvestoren schauen dann sehr viel genauer hin, ob die Betriebe, in die sie investieren, rentabel arbeiten. Bei vielen Unternehmen im Bereich Green Energy waren die Kurse getrieben von Zukunftserwartungen, weniger von realen Ergebnissen. Die Substanz fehlte noch.“<BR /><BR />Unterm Strich bleiben teils dicke Verluste im Portfolio vieler Anleger, die sich nun fragen, welche Lehren sie aus den Erfahrungen ziehen sollen? „Grundsätzlich hat auch dieser Fall wieder gezeigt, dass es sehr riskant ist, allzu prominent auf einzelne Themen zu setzen, selbst wenn sie noch so vielversprechend erscheinen. Im Grunde handelt es sich immer um eine Wette – wenn sie aufgeht, sind die Gewinnaussichten erheblich; im umgekehrten Fall ist das Verlustpotenzial aber ebenfalls erheblich.“ Dazu kommt, dass viele Anleger ohnehin erst auf den Zug aufspringen, wenn er schon so gut wie abgefahren ist. Sprich: Wenn der Hype schon voll da ist, wird gekauft – dementsprechend ist die Fallhöhe. <h3> Portfolio kritisch betrachten</h3>Sollten „nachhaltig Investierte“ nun also durchhalten oder aufgeben? „Wenn es sich um eine sehr geringe Beimischung im Portfolio handelt, etwa in Form eines breiter gestreuten Themenfonds, kann man schon versuchen, auf bessere Zeiten zu hoffen. Man sollte aber wissen, dass es sehr lange dauern kann. Geht es hingegen um eine Einzelaktie, sollte man sich schon kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob das Unternehmen die gesetzten Erwartungen realistischerweise jemals erfüllen kann oder ob es sich um eine Luftnummer handelt, die unter normalen Marktbedingungen kaum eine Chance hat“, so Weissenegger. <BR /><div class="embed-box">Aber warum ist grün eigentlich out?<style>@import url("https://live.stol.it/live-stol.css");</style><script src="https://live.stol.it/inc/external.js?v=3" type="text/javascript"></script></div>