Christoph Patauner, Forscher aus der Arbeitsgruppe Weinbereitung in Anbaufragen der Laimburg ging in einem Versuch diesen Fragen nach und liefert interessante Ergebnisse.<BR /><BR />Beim diesjährigen „Tag des Weines und der Rebe“ des Versuchszentrums Laimburg wurden Untersuchungsergebnisse der Weinqualität von von Hagelschlag geschädigten Trauben präsentiert.<BR /><BR />„Das Thema Hagel betrifft uns mal mehr, mal weniger“, eröffnete Christoph Patauner sein Referat. Der Forscher aus der Arbeitsgruppe Weinbereitung in Anbaufragen der Laimburg sowie andere Beteiligte gingen in einem Versuch der Frage nach, ob es nach einem Hagelschlag kurz vor der Ernte besser wäre, sofort zu ernten oder die Trauben doch „hängen“ zu lassen. Auch wurde der Einfluss der jeweiligen Trauben auf die Weinqualität geprüft. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="806381_image" /></div> <h3> 2 Versuchsvarianten</h3>Ausgangssituation waren Weintrauben mit Zuckerwerten von 17 bis 18 Grad Klosterneuburger Mostwaage (KMW), rund 2 Wochen vor der Ernte. Als Grundlage der Untersuchung dienten die Sorten Sauvignon und Blauburgunder, die durch einen starken Hagelschlag am 23. August 2020 in einem Versuchsfeld der Laimburg bei Meran beschädigt wurden. <BR /><BR /> „Der Hagel hatte großen Schaden verursacht, neben den Trauben wurden auch die Blätter sowie die Triebe beschädigt“, so Patauner. „Viele Betriebe, die Weinberge in der Zone Meran haben, entschieden sich nach dem Ereignis, eine Noternte durchzuführen. Wir vom Versuchszentrum erstellten in diesem Zuge 2 Versuchsvarianten, einmal die Variante 'Noternte' sowie die Variante 'hängen lassen'“, erklärt Patauner. <BR /><BR />Die Variante „Noternte“ der Sorte Sauvignon blanc erfolgte am 25. August 2020 mit einer Gesamtsäure von 9,7 und einem Zuckergehalt von 15,64 Grad KMW, wohingegen die Variante „hängen lassen“ am 15. August 2020 geerntet wurde, mit einer Gesamtsäure von 6,5 und einem Zuckergehalt von 21,32 Grad KMW. Die Zeit zwischen „Noternte“ und „hängen lassen“ wurde durch regnerisches Wetter getrübt. <BR /><BR />Im Anschluss an die Traubenernte erfolgte die Weinbereitung sowie eine Verkostung der Weine mittels sensorischer Beschreibung: „Der Wein der notgeernteten Trauben wies deutlich vegetalere Noten auf, er war also noch ziemlich unreif, wohingegen sich das „hängen lassen“ als vorteilhaft erwies, denn das Verkostungsergebnis beschrieb diesen Wein als reintöniger und komplexer“, beschrieb Patauner. <BR /><BR />Die Sorte Blauburgunder hingegen wurde bei der Variante „Noternte“ mit einer Gesamtsäure von 8,3 und 18,87 Grad KMW geerntet, bei der Variante „hängen lassen“ hingegen mit einer Gesamtsäure von 3,5 und 22,9 Grad KMW. „Die sensorische Bewertung ergab weniger deutliche Unterschiede zwischen den 2 Varianten, da der Blauburgunder zum Zeitpunkt des Hagelschlags in der Reife schon fortgeschritten war. Dennoch zeigte sich ein ähnliches Bild, denn auch bei der Sorte Blauburgunder ergab die Variante 'hängen lassen' einen deutlich harmonischeren und ausgereifteren Wein“, so der Experte. <h3> Simulierter Hagel</h3>Um den Versuch wiederholen zu können, wurde im darauffolgenden Jahr in der Versuchsanlage Plantaditsch eine Hagelsituation simuliert. Dazu wurde mit dem Ausdünngerät Darwin, mit dem im Apfelanbau durch rotierende Fäden die Blütenausdünnung erfolgt, ein Hagelschlag im Weinberg simuliert. Dazu wurde mit dem Gerät am 31. August 2021 der Weinberg der Sorte Sauvignon blanc befahren und so Blätter und Trauben beschädigt. <BR /><BR />Auch hier wurden wieder 2 Versuchsvarianten durchgeführt, die Noternte kurz nach der Hagelsimulation sowie ein „hängen lassen“ bis knapp Ende September. „Die sensorische Bewertung der beiden Versuchsweine hat auch hier wieder gezeigt, dass die Variante 'hängen lassen' einen besseren Gesamteindruck hinterlässt“, stellte Patauner fest. <BR /><BR />Die Experten kamen also zum Schluss, dass in der Folge eines Hagelschlags ein starker Anstieg des Mostgewichtes zu beobachten ist, dass die Ausreifung der Trauben dennoch erfolgt und die Vernarbung bei einem späten Zeitpunkt des Hagels kein Problem darstellt. <BR /><BR />Die unnatürlich beschleunigte Reife in Folge eines Hagelschlags zusammen mit einem starken Anstieges des Mostgewichtes veranlasste die Forscher zur Durchführung eines Folgeversuches. Dabei soll in diesem Jahr untersucht werden, ob eine Laubwandbeschädigung (oberhalb der Traubenzone) kurz vor der Ernte positive Auswirkungen auf den Reifeverlauf haben kann. <BR /><BR />„Bis dato hat man eine Verzögerung der Reife nach einem Hagelschlag erwartet, da die Reben in einen sogenannten Schockzustand verfielen. Geschieht der Hagel jedoch kurz vor der Ernte, verhält sich die Rebe jedoch anders“, so der Experte. Diese Verfrühung der Reife und deren Potential soll durch die simulierte Laubwandbeschädigung nun untersucht werden. „Eine Noternte ist nur bei erntereifen Trauben sinnvoll, in allen anderen Fällen ist für die Weinqualität ein Zuwarten vorteilhaft“, resümierte Patauner abschließend. <BR />