Donnerstag, 10. März 2016

Handelskammer fordert: Keine Auffangstrukturen in Südtirol

Was aus humanitärer Sicht verständlich ist, darf aus wirtschaftlicher Sicht keinen Nachteil bringen: Die Handelskammer fürchtet, dass Auffangstrukturen für Flüchtlinge in Südtirol dem Tourismus schaden könnten.

„Eine Aufnahme in Südtirol von Flüchtlingen über das zugewiesene Mindestkontingent ist daher kategorisch auszuschließen“, bringt es Handelskammerpräsident Michl Ebner auf den Punkt. Eine zusätzliche Belastung würde der Wirtschaft Schwierigkeiten bereiten. Als Beispiel nennt Ebner die Tourismusentwicklung auf der griechischen Insel Lesbos: Dort sei ein Rückgang der Buchungen von fast 80 Prozent verzeichnet worden.

„Die Südtiroler Wirtschaft zeigt sich solidarisch mit den Kriegsflüchtlingen, die in unserem Land kommen, aber es muss zwischen Kriegsflüchtlingen und anderen Flüchtlingen unterschieden werden“, heißt es in einer Aussendung der Handelskammer.

Strukturen spätestens in Verona

Wie Landeshauptmann Arno Kompatscher angekündigt hat, werde derzeit nach passenden Strukturen für die Flüchtlingsaufnahme innerhalb Südtirols gesucht. Militärareale würden ins Visier genommen, genauso Grundstücke für das Aufstellen von Zelten.

Die Handelskammer kann dem nichts abgewinnen: „Die Militärunterkünfte sind in Südtirol weit verstreut und liegen vor allem auch in touristischen Gebieten, so etwa in Seis, Wolkenstein und Corvara. In den größeren Ortschaften wie Gossensaß, Sterzing, Innichen, Toblach, Welsberg, Bruneck, Eppan Meran, Schlanders und Mals sind derzeit nicht genutzte Areale vorhanden, um nur einige zu nennen.“

„Die erforderlichen Auffangstrukturen müssen in den Gegenden des illegalen Grenzübertritts in Italien, jedenfalls spätestens in Verona errichtet werden, um die Flüchtlinge von Beginn an besser verteilen zu können“, betont Ebner. Gefordert wird auch, dass die Kontrolle der Flüchtlinge auf das gesamte Staatsgebiet aufgeteilt werden muss.

Handelskammer fürchtet um die Touristen

Über die Hälfte der jährlich insgesamt 6,1 Millionen Gäste reise über den Brennerpass nach Südtirol an. „Sie werden in Zukunft bei ihrer An- und Abreise mit Wartezeiten aufgrund der Kontrollen rechnen müssen“, meint Ebner. „Diese Unannehmlichkeiten könnten durchaus zu einem Rückgang der Buchungen führen.“

Plus: Am Brenner würden es „nur wenige 100 Menschen brauchen, um Autobahn, Straße und Schiene de facto zu blockieren“. Die Auswirkungen auf die Nord- und Südtiroler Bevölkerung, die Touristen und die Wirtschaft wären laut Handelskammer völlig untragbar.

Was die Kontrolle der Lkw anbelangt, wäre es für die Wirtschaft hilfreich, wenn die Kontrollen bereits bei der Sadobre erfolgen und die Pkw an der Mautstation der Autobahn in Sterzing, nach Absprache zwischen den italienischen und österreichischen Stellen, kontrolliert würden.

stol