<b>Herr Haller, haben sich im ablaufenden Jahr alle Hoffnungen des Handwerks erfüllt?</b><BR />Martin Haller: Alle nicht, aber die wichtigste Hoffnung sicherlich: Man hat uns arbeiten lassen. <BR /><BR /><b>Einige arbeiteten sogar außerordentlich gut...</b><BR />Haller: Das stimmt. Das Bauhandwerk und baunahe Bereiche konnten sich über mangelnde Aufträge nicht beschweren. Da war schon enorm viel Bewegung spürbar: Zum einen mussten teilweise aufgestaute Aufträge vom Jahr davor abgearbeitet werden, zum anderen kamen sehr viele neue hinzu, was es nicht immer einfach machte, zeitgerecht Arbeiten abzuschließen. Das Problem der Betriebe war und ist aber in erster Linie ein anderes: die Rentabilität, die unter den extremen Preissteigerungen im Materialbereich litt und nach wie vor leidet. <BR /><BR /><b>Pendeln sich die Preise allmählich wieder auf einem normalen Niveau ein?</b><BR />Haller: Bei den Primärmaterialien, etwa bei Baueisen, fanden bereits im Jahresverlauf mehrere Erhöhungen statt. Bei den Sekundärmaterialien tritt der Effekt verzögert ein, zum Teil stehen die Preiserhöhungen hierbei unmittelbar bevor.<BR /><BR /><b>Wie werden die höheren Material- und Produktkosten an den Kunden weiterverrechnet? </b><BR />Haller: Die Situation ist für alle ungut. Für den Handwerker, der ein Angebot erstellt und einige Monate später, wenn er mit den Arbeiten beginnt, deutlich mehr fürs Material bezahlen muss. Aber natürlich auch für den Kunden. Wenngleich man sagen muss, dass mit Fortdauer der Lieferengpässe und Preiserhöhungen das Verständnis auf Kundenseite deutlich gestiegen ist. Das Problem ist bekannt und man sucht gemeinsam und transparent nach einer Lösung – zumindest im privaten Bereich. Bei öffentlichen Aufträgen ist das leider nicht so einfach möglich. Das System ist zu starr für die Marktdynamik, die wir seit einiger Zeit erleben.<BR /><BR /><b>Wie meinen Sie das?</b><BR />Haller: Insbesondere bei kleineren Aufträgen der öffentlichen Hand hat man noch keinen Weg gefunden, wie man mit Preisschwankungen umgehen könnte. Da braucht es eine Lösung auf lokaler Ebene, die den Vergabestellen etwas mehr Flexibilität einräumt. Das heißt, in einem gewissen Umfang sollten Anpassungen nach oben oder unten möglich sein, wenn Preiserhöhungen zum Beispiel beim Baustoff Holz nachgewiesen werden können. Sonst bleiben nämlich die ausführenden Betriebe auf den höheren Kosten sitzen. <BR /><BR /><b>Von welchen Mitgliedsbetrieben innerhalb des Verbandes hören Sie derzeit noch die meisten Klagen?</b><BR />Haller: Der private Personentransport ist nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisengeschäft. Dazu kommt, dass zugesagte Hilfen teilweise nach wie vor nicht auf den Weg gebracht wurden. <BR /><BR /><b>Worum geht es da?</b><BR />Haller: Das Mietwagenkonsortium KSM ist von der Landesverwaltung enttäuscht darüber, dass es bis heute keine Ausgleichszahlungen für ausgefallene Dienste beim Schülertransport gab. In anderen Regionen wurden zumindest die Fixkosten zurückerstattet, in Südtirol bislang nicht.<BR /><BR /><b>Warum ging das Konsortium bei den Coronahilfen leer aus?</b><BR />Haller: Weil nur einzelne Betriebe, nicht aber Zusammenschlüsse wie im Falle des Mietwagenkonsortiums ansuchen konnten. De facto gingen sehr viele Firmen im privaten Personentransport daher leer aus.<BR /><BR /><b>Wo sehen Sie aktuell die größten „Baustellen“ im Handwerk?</b><BR />Haller: Die Corona-Pandemie hat den Druck auf alle Betriebe erhöht, weil sie Entwicklungen enorm beschleunigt hat. Ich habe keine Angst, dass es zu einem Massensterben in einem Bereich kommen könnte, sehr wohl aber sind weitreichenden Veränderungen im Gange. Nehmen wir beispielsweise das Kfz-Gewerbe her: Durch den Umstieg auf die Elektromobilität wird der Wandel bis hin zu den Werkstätten deutlich spürbar werden. Nachdem die Betriebsgröße im Handwerk bei durchschnittlich 3,3 Mitarbeitern liegt, wird es nicht möglich sein, alle großen Herausforderungen alleine zu meistern. Es wird künftig noch mehr darauf ankommen, zusammenzuarbeiten – Mitbewerber sollten vermehrt zu Partnern werden. <BR /><BR /><b>Was erwarten Sie sich für 2022 – befürchten Sie, dass die Wirtschaft in Südtirol aus Pandemiegründen doch noch mal zurückgeworfen werden könnte?</b><BR />Haller: Wir sind im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich weiter. Meine Hoffnung ist, dass wir 2022 einen weiteren Schritt vorankommen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.