Donnerstag, 08. April 2021

Handwerk in Südtirol: zwischen Tradition und Digitalisierung

Mit gut 13.700 Unternehmen und rund 45.600 Beschäftigten ist das Handwerk ein Grundpfeiler der Südtiroler Wirtschaft. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hat 1906 Handwerksunternehmen aller Berufskategorien befragt, um die Erfolgsfaktoren und aktuellen Herausforderungen des Sektors genau unter die Lupe zu nehmen. Die Ergebnisse der Studie wurden am heutigen Vormittag bei einer Pressekonferenz im Unternehmen ProLas GmbH in Kardaun vorgestellt.

Das Südtiroler Handwerk erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Umsatz von mehr als 9,5 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von fast 3,2 Milliarden Euro. - Foto: © shutterstock
Jedes dritte gewerbliche Unternehmen und rund ein Fünftel aller Beschäftigten in Südtirol zählen zum Handwerk. Mit 406 aktiv ausgeübten Berufen ist das Handwerk sehr vielfältig, allerdings werden viele Tätigkeiten nur von einem oder wenigen Unternehmen ausgeführt.

Die wichtigsten Handwerksberufe – gemessen an der Anzahl der Unternehmen – sind die Maurer mit 1.179 Unternehmen, Friseure (729), Elektrotechniker (681) sowie Maler und Lackierer (680). Mit durchschnittlich 3,3 Beschäftigten je Unternehmen bleiben die Südtiroler Handwerker/innen, wie bereits vor zehn Jahren, kleinstrukturiert. Ausnahmen bilden die Bäckereien und Metzgereien mit 17,7 bzw. 10,2 Beschäftigten je Betrieb. Im Vergleich zu 2010 hat sich dagegen das Durchschnittsalter der Unternehmer/innen erhöht: Bereits die Hälfte ist älter als 50 Jahre.

Das Südtiroler Handwerk erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Umsatz von mehr als 9,5 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von fast 3,2 Milliarden Euro. Den Großteil ihres Umsatzes erzielen die Südtiroler Handwerker/innen, wie schon vor zehn Jahren, in Südtirol selbst (82 Prozent) und 7,8 Prozent im restlichen italienischen Staatsgebiet sowie 10,2 Prozent im Ausland. Die wichtigste Kundengruppe sind dabei andere Unternehmen; es folgen die privaten Haushalte und die öffentliche Verwaltung.

Handwerker teils gut auf Technologisierung vorbereitet

Viele Handwerker/innen sind gut auf die technologischen Herausforderungen vorbereitet und haben ihre Beschaffungs-, Produktions- und Vermarktungsprozesse stärker digitalisiert und auch teilweise miteinander vernetzt. „Besonders in unserer Branche wäre eine produktive und effiziente Arbeit ohne den Einsatz moderner Maschinen kaum mehr vorstellbar. In den letzten Jahrzehnten gab es in puncto Technologisierung enorme Veränderungen“, erklärt der Geschäftsführer und Inhaber Theodor Lageder von der ProLas GmbH.
In der Vermarktung setzen 56,5 Prozent der Südtiroler Handwerker/innen auf eine eigene Webseite und 42,9 Prozent auf Soziale Medien. Einigen Unternehmen sind aber die technischen Möglichkeiten noch nicht bewusst und bestimmte moderne Technologien oder neue Methoden z.B. für die visuelle Produktpräsentation werden entsprechend selten genutzt.

Der Fachkräftemangel ist hingegen eine große Herausforderung für das Handwerk. Zwei Drittel der Handwerker/innen haben Schwierigkeiten ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden. Auch aufgrund der bürokratischen Einschränkungen bildete im Jahr 2018 nur jeder zehnte Handwerksbetrieb (12,7 Prozent) einen Lehrling aus.

Eine weitere Herausforderung stellt die Covid-19-Krise dar, die zu einem abrupten Abbruch der sehr günstigen konjunkturellen Entwicklung der letzten Jahre führte und einen starken Umsatzeinbruch bei allen Berufsgruppen des Handwerks zur Folge hatte. So verlor z. B. die Hälfte der Handwerker im April 2020 mehr als 50 Prozent ihrer Umsätze im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat.

„Herausforderungen jetzt angehen“

Handelskammerpräsident Michl Ebner betont: „Nach wie vor besteht ein Aufholbedarf im Handwerk in Bezug auf die Kooperationsbereitschaft sowie die Technologisierung und Digitalisierung, außerdem leiden viele Unternehmen an Fachkräftemangel. Diese Herausforderungen gilt es – trotz oder gerade wegen der Covid-Krise - jetzt anzugehen.“
„Das Coronavirus hat dem Handwerk einen herben Rückschlag verpasst. Nichtsdestotrotz sind aus der Krise auch neue Chancen und Herausforderungen entstanden, die es nun stärker zu nutzen gilt, so zum Beispiel im Bereich der Kooperationen, der Digitalisierung und in der Nachwuchsakquise“, ergänzt lvh-Präsident Martin Haller.

stol