Sie frisieren Haare, planen Kundenaufträge, montieren Heizanlagen und reparieren Autos – und ihre Zahl wächst stetig. Laut dem Institut für Wirtschaftsforschung in Südtirol zählt das Land derzeit 2.279 Handwerkerinnen (Stand März 2026). Ein Aufwärtstrend, der in den letzten fünf Jahren besonders stark voran getrieben wurde. <BR /><BR /> „Es ist schön zu sehen, dass sich immer mehr Frauen und Mädchen an das Handwerk heranwagen. Besonders in den letzten fünf Jahren gab es einen starken Zuwachs“, sagt Petra Holzer (58), Landesobfrau der Frauen im Handwerk des lvh.<h3> Noch immer wenige Frauen in technischen Berufen</h3>Am stärksten vertreten sind Frauen laut der 58-Jährigen in den Bereichen Körperpflege, Medien sowie Bau- und Gebäudetechnik. In traditionell technisch geprägten Sparten wie der Metallverarbeitung, in der Karosserie oder Holztechnik ist der Anteil an Frauen am geringsten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284516_image" /></div> <BR /><BR />Nichtsdestotrotz ist der Trend positiv, immer mehr Frauen wagen sich in männerdominierte Sparten des Handwerks. Dass sich heute mehr Frauen für einen Handwerksberuf entscheiden, habe laut Holzer mehrere Gründe. Der gesellschaftliche Wandel sei einer davon: „Frauen sind heute selbstbewusster und trauen sich mehr zu“, so Holzer. Gleichzeitig habe das Handwerk an Anziehungskraft gewonnen, Ausbildungswege seien durchlässiger geworden: „Handwerkerinnen und Handwerker können die Berufsmatura erwerben, der Meisterabschluss ist heute einem Bachelor gleichgestellt. Das ermöglicht mehr berufliche Flexibilität und bessere Aufstiegschancen“, erklärt sie.<h3> Die Handwerkerin, die keine ist</h3> Auch der technologische Fortschritt trage dazu bei, dass mehr Frauen im Handwerk arbeiten. Moderne Maschinen und digitale Werkzeuge haben laut der 58-Jährigen viele Berufe verändert, die früher mit hoher körperlicher Belastung verbunden waren. „Wo einst vor allem Muskelkraft gefragt war, unterstützt heute zunehmend die Technik die Arbeit. Auch die gute Auftragslage im Handwerk steigert die Attraktivität des Berufsstandes“, erklärt Holzer. <BR /><BR />Petra Holzer selbst ist keine ausgebildete Handwerkerin – und doch macht sie sich seit Jahren für Handwerkerinnen stark. Fast 40 Jahre lang führte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Werkstatt „Garage Europa“ in Pfitsch. Dort war sie vor allem für die Verwaltung sowie für die Kundenannahme zuständig.<h3> „Ich erinnere mich an Kunden, die darauf bestanden, von einem Mann betreut zu werden“ </h3>„Als Frau in einer Werkstatt, in einem so männerdominierten Feld, war das nicht immer einfach“, erinnert sie sich. Besonders im ersten Jahr habe sie einige Kunden erst von sich überzeugen müssen. „Ich erinnere mich an Kunden, die wegen einer defekten Bremse in die Werkstatt kamen und darauf bestanden, von einem Mann betreut zu werden.“ Doch mit der Zeit verflogen die Vorbehalte. „Als sie gesehen haben, wie sehr ich mich bemüht habe, verschwanden die Zweifel.“ Heute werde zunehmend mit traditionellen Rollenbildern aufgeräumt, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen im Handwerk wandele sich. „Darüber bin ich sehr froh und auch stolz.“<BR /><BR />Auch Holzer hat hierzu beigetragen: 1989 gründete sie die Bezirksgruppe der Frauen im Handwerk im Wipptal. „Die Zeit war reif. Schon damals waren wir mehrere Handwerkerinnen hier im Wipptal, die eine Anlauf- und Informationsstelle zum gemeinsamen Austausch brauchten.“<h3> Zwischen Beruf, Familie und Vorsorge</h3>Seit sieben Jahren ist die gebürtige Meranerin zudem Landesobfrau der Frauen im Handwerk. Seither hat sich viel getan, insbesondere in den letzten fünf Jahren, schildert Holzer. Obwohl sich gesellschaftlich und politisch viel für die Aufwertung des Berufsbildes und für Frauen im Handwerk getan hat, sieht sie weiterhin Handlungsbedarf: Besonders für selbstständige Handwerkerinnen sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer alles andere als einfach zu schaukeln. „Auch, wenn es in der Praxis nicht immer einfach umzusetzen ist, fordern wir für selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker dieselben Rechte wie für Arbeitnehmer in Bezug auf die Elternzeit“, erklärt Holzer.<BR /><BR />Auch in der Altersvorsorge sieht die 58-Jährige noch deutlich Handlungsbedarf – besonders dort, wo Angehörige im Betrieb mitarbeiten. Häufig handle es sich dabei nämlich um Frauen. „Wir raten allen Handwerkerinnen und Handwerkern, sich frühzeitig mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen und auch für mitarbeitende Angehörige vorzusorgen.“ Trotz bestehender Herausforderungen ist Holzer überzeugt von ihrem Lebensweg. „Ich möchte Frauen und Mädchen ermutigen, ihrem inneren Ruf zu folgen, wenn sie ein Handwerk lernen möchten.“