Mittwoch, 30. August 2017

„Harvey“ wirbelt Ölmärkte durcheinander

Spekulationen auf Versorgungsengpässe in den USA infolge des Wirbelsturms „Harvey“ haben am Mittwoch die Benzinpreise hochgetrieben.

Der Wirbelsturm „Harvey“ hat die Benzinpreise hochgetrieben.
Der Wirbelsturm „Harvey“ hat die Benzinpreise hochgetrieben. - Foto: © APA/AFP

Der US-Future stieg um 6,6 Prozent auf 1,90 Dollar (1,6 Euro) je Gallone (3,8 Liter) und notierte damit so hoch wie zuletzt im Juli 2015. „Da die USA Benzin aus Europa importieren könnten, ziehen auch die Benzinpreise in Europa an“, erläuterten die Analysten der Commerzbank.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise gaben dagegen etwas nach, da die Nachfrage in den USA fiel. Denn mehr als ein Fünftel der Raffinerien in den USA können derzeit kein Öl mehr verarbeiten. So fielen die Preise für Nordseeöl und US-Leichtöl WTI jeweils um etwa ein Prozent.

In Port Arthur, das 135 Kilometer östlich der von der Hochwasserkatastrophe schwer getroffenen Großstadt Houston liegt, wurde die größte Raffinerie des Landes geschlossen. Die Anlage werde kontrolliert heruntergefahren, teilte der Betreiber von Motiva Enterprises mit.

Dort werden normalerweise 603.000 Fässer Öl am Tag zu Benzin oder anderen Produkten verarbeitet. Auch der französische Ölkonzern Total musste wegen eines Stromausfalls seine Anlage – ebenfalls in Port Arthur – schließen, wie Insider sagten.

Ausfall beläuft sich auf mehr als 4,2 Millionen Barrel täglich

Der Ausfall an Raffinerie-Kapazitäten in den USA beläuft sich auf mehr als 4,2 Millionen Barrel täglich oder fast 23 Prozent der Gesamtmenge, wie aus Angaben von Unternehmen und Reuters-Schätzungen hervorgeht. In der Golfregion ist fast die Hälfte aller Raffinerien in den USA angesiedelt.

„Das wird eine Weile dauern, ehe hier wieder Normalität einkehrt“, sagte Analyst Stephen Brennock vom Öl-Broker PVM. Die Branche stelle sich auf lange Auszeiten ein.

Am Mittwoch Louisiana erreicht 

Der inzwischen zum Tropensturm erklärte „Harvey“ erreichte am Mittwoch auch den Nachbar-Bundesstaat Louisiana. Dort werden täglich 3,3 Millionen Barrel Öl verarbeitet – etwas weniger als im benachbarten Texas, wo eine Verarbeitungskapazität von rund 5,6 Millionen Fässern angesiedelt ist.

Das Sturmzentrum dürfte Meteorologen zufolge bis Donnerstag über das Mississippi-Tal hinwegziehen und sich zu einem tropischen Tiefdruckgebiet abschwächen.

Vor 12 Jahren hatte Hurrikan „Katrina“ mit New Orleans die größte Stadt Louisianas heimgesucht. Damals verloren 1.800 Menschen ihr Leben. In Texas kamen bei den Überschwemmungen bisher mindestens 17 ums Leben. Zehntausende mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Märkte bereits 2005 durcheinandergebracht

Auch „Katrina“ hatte 2005 die Märkte durcheinandergewirbelt. Mehr als 40 Prozent der US-Rohölproduktion im Golf von Mexiko waren seinerzeit ausgefallen.

Europa und Kanada halfen vor 12 Jahren den USA mit Benzin aus ihren Notreserven aus. Die Reaktion der Ölpreise fiel allerdings anders aus: Der Preis für US-Öl stieg auf den damaligen Rekordwert von über 70 Dollar.

apa/reuters

stol