<BR />Die Statistik ist ziemlich ernüchternd: In Frankreich brach der Absatz von Tesla-Fahrzeugen im Jänner um 63 Prozent ein, in Deutschland wurden 59,5 Prozent weniger Teslas neu zugelassen, in Schweden gingen die Verkäufe um 44 Prozent zurück, in den Niederlanden um 42 Prozent, Norwegen folgt mit einem Minus von 38 Prozent. In Großbritannien fielen die Verkäufe um fast 12 Prozent und auch in Kalifornien, dem größten US-Automarkt, wurden im Jänner 12 Prozent weniger Teslas verkauft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1129197_image" /></div> <BR /><BR />Was ist da passiert? <BR />Experten aus dem Automobilsektor zufolge hat das mehrere Ursachen. Ein Grund: Konkurrenten aus China und Europa hätten zuletzt den US-Hersteller mit neueren Fahrzeugmodellen überholt. Der andere Grund: Tesla-Chef Elon Musk selbst. <h3> Elon Musk unterstützt die AfD </h3>Denn Musk ist in den vergangenen Monaten durch seine politischen Bekenntnisse aufgefallen – Bekenntnisse, die nicht jedem gefallen haben dürften. So hat er zunächst den neuen republikanischen US-Präsidenten Donald Trump im Wahlkampf unterstützt und ist zu dessen Effizienzberater aufgestiegen.<BR /><BR /> Danach mischte er sich in den britischen Wahlkampf ein. Auch wenn da erst spätestens 2029 gewählt wird, agitierte der reichste Mann der Welt bereits jetzt über seine Social-media-Plattform X gegen den aktuellen Premier Keir Starmer (Labour-Partei) und sprach sich offen für den Rechtspopulisten Nigel Farage (Reform UK) aus, den er allerdings kurz darauf zum Rücktritt aufforderte.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1129200_image" /></div> <BR /><BR />Auch in Deutschland stellte sich Musk auf die Seite der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD). Deren Chefin, Alice Weidel, bot er auf X mit einem öffentlichen 70 Minuten langen Telefonat eine große Bühne und kam zum Schluss „Nur die AfD kann Deutschland retten“. <BR />Nicht zu vergessen, dass er zuvor die Spitzenkandidaten der SPD und der Grünen, Olaf Scholz und Robert Habeck, auf X als „Narren“ bezeichnet und Scholz obendrein als „unfähigen Idioten“ betitelt hatte. <BR /><BR />Dazu kommt noch eine Geste, mit der Musk bei der Amtseinführung von Trump Irritationen auslöste: Denn sie erinnerte an den Hitlergruß. <h3> „Schwierige Entwicklung“</h3>Für den renommierten deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist Elon Musk daher problematisch, wie er im Interview auf tagesschau.de Ende Jänner sagte: „Ich glaube, für Tesla ist die ganze Entwicklung, die Elon Musk jetzt genommen hat, eher eine schwierige. Die Marke wird dadurch eher beschädigt und nicht gestärkt. Sie ist mit dem Namen Elon Musk sehr stark verbunden und wird mit ihm assoziiert. Nach meiner Einschätzung ist es gefährlich für die Marke und für das Unternehmen. Es gibt negative Effekte. Die Kunden werden sich überlegen, inwieweit sie Tesla-Produkte kaufen.“ <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68558829_quote" /><BR /><BR /><BR />Das sieht der Südtiroler Marketingexperte Thomas Aichner, wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School, ähnlich: „Das politische Engagement von Elon Musk hat ihm in Teilen seiner Kernzielgruppe bestimmt geschadet. Die offene Unterstützung von konservativen Parteien und die negative Berichterstattung der vorwiegend linksgerichteten Medien hat mit Sicherheit zu einer Änderung des Käuferverhaltens geführt. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von einem teilweisen Boykott von Tesla sprechen.“ <h3> Was die Zahlen sonst noch sagen</h3>Ist das der Anfang vom Ende der Marke Tesla? <BR />Das sieht Thomas Aichner nicht so. Denn Statistiken seien immer auch mit Vorsicht zu genießen, meint der Marketingexperte. So sei beispielsweise in Deutschland die Nachfrage nach Elektroautos generell gesunken, unter anderem auch wegen auslaufender staatlicher Förderungen. <BR />„Und wenn man sich die weltweiten Zahlen anschaut, dann ist die Situation weit weniger dramatisch: Hier hat Tesla im Jahr 2024 nur 1,1 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr und ist nach BYD weiterhin der zweitgrößte Hersteller von Elektroautos der Welt“, betont Aichner.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68560573_quote" /><BR /><BR /><BR />Nicht zu vergessen sei, dass die gesamte Autobranche derzeit mit Problemen zu kämpfen habe. <h3> Trotz Verlusten eines der wertvollsten Unternehmen der Welt</h3>Auch der Blick auf die Aktienmärkte zeigt keine dramatischen Entwicklungen für die Marke: Der Wert der Tesla-Aktie ist zwar seit dem Höchststand im Dezember 2024 von rund 460 auf aktuell 326 Euro zurückgegangen. „Tesla ist aber nach wie vor das achtwertvollste Unternehmen der Welt – und etwa 20 Mal so viel wert wie Volkswagen oder 4 Mal so viel wie Toyota. Ich bin sicher, VW- und Stellantis-Aktionäre würden sofort mit den Besitzern von Tesla-Aktien tauschen“, sagt Thomas Aichner. <BR />„Geht man von effizienten Märkten aus, ist das ein Signal dafür, dass die Medienberichte das Ausmaß und die Rolle von Elon Musk übertreiben.“<BR /><BR />Auch werde der teilweise Boykott, wie man ihn im Jänner gesehen hat, voraussichtlich nicht von langer Dauer sein, meint Aichner. „Solche Boykotts verlieren schnell an Wirkung, sobald das Thema von den Titelseiten verschwindet und sich die öffentliche Aufmerksamkeit wieder neuen Sensationen widmet.“ <h3> „Nicht überbewerten“</h3>Zumal zu einer Marke mehr gehört als nur der Chef, auch wenn im Fall des E-Auto-Pioniers die Verbindung zwischen Marke und CEO besonders stark ist. Aber schlussendlich sind es die Produktqualität und der wahrgenommene Wert – dazu gehören im Falle eines Autos auch Design und Fahrspaß – die maßgeblich darüber entscheiden, ob Konsumenten zugreifen oder nicht, wie Aichner betont. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1129203_image" /></div> <BR /><BR />Und für all jene, die ihren Tesla zwar toll finden, aber mit Elon Musk ein Problem haben, gibt es schon eine Lösung: Findige Unternehmer verkaufen Aufkleber fürs Auto: „I bought this bevor Elon Musk went crazy“ (Ich habe das gekauft, bevor Elon Musk verrückt geworden ist) – eine Idee, die aus den USA nach Deutschland herübergeschwappt ist. <BR /><BR />„Ein spannendes Beispiel, wie übertrieben bestimmte Sachverhalte dargestellt werden“, meint dazu der Marketingexperte. Er empfiehlt: „Hier kann sich jeder selbst ein Bild machen und einfach eine Zeit lang darauf achten, wie viele oder besser gesagt wie wenige Teslas auf der Straße sich tatsächlich mit einem solchen Sticker schmücken.“<BR /><BR />Das Fazit des Marketingexperten: „Ich würde das ganze nicht überbewerten und sehe zurzeit keinen nachhaltigen Schaden, den Elon Musk der Marke Tesla zugefügt hat.“