<b>Herr Hager, das Signa-Imperium wackelt, mit der Signa-Holding ist die Muttergesellschaft der Gruppe zahlungsunfähig. Was bedeutet das für die Signa Italia und vor allem für den Waltherpark?</b><BR />Heinz Peter Hager: Vorauszuschicken ist, dass die Signa Holding einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt hat, das für zulässig erklärt wurde. Innerhalb von 90 Tagen muss der Sanierungsverwalter zusammen mit dem Management einen Sanierungsplan vor Gericht vorlegen, der dann genehmigt werden muss. Der Sanierungsplan dient auch dazu, Ordnung hineinzubringen ...<BR /><BR /><b>Und vor allem dient er dazu, eine Liquidation des Unternehmens zu vermeiden, Ziel ist es, den Betrieb zu sanieren und fortzuführen. Doch zurück zu den Folgen für Signa Italia…</b><BR />Hager: Die Signa Holding ist als Mutterkonzern so etwas wie die Urururururgroßmutter der Signa Italia. Wir in Italien sind viele Stufen drunter und von der Insolvenz der Holding und dem Sanierungsverfahren nicht betroffen, weil wir weder Guthaben noch Verbindlichkeiten gegenüber der Signa Holding haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="970006_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wo steht Signa Italia genau in dem Signa-Kosmos bzw. wem gehört Signa Italia?</b><BR />Hager: Signa Italia gehört zur Signa Prime Selection, einer Divisionalholding der Signa Holding. Darin sind alle außergewöhnlichen Immobilien zusammengefasst, zum Beispiel das Goldene Quartier in Wien und das KadeWe in Berlin – und der Waltherpark, der ein schönes und wichtiges Projekt ist. Somit ist die Signa Prime unsere Ururoma und unsere Mutter ist eine Zwischenholding, die Immobilienprojekte Bozen GmbH mit Sitz in Österreich. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62410716_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie haben bereits mehrmals betont, der Waltherpark sei ausfinanziert, man müsse sich keine Sorgen machen. Was heißt das konkret?</b><BR />Die Signa hat uns mit viel Eigenkapital – 163 Millionen Euro – ausgestattet. Wir haben zudem eine angemessene Finanzierung durch einen <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/suedtiroler-banken-zu-benko-projekt-wir-sind-beruhigt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Bankenpool</a> und dazu kommt noch die Anzahlung aus den Verkäufen der Immobilieneinheiten. Das alles zusammen ermöglicht es uns, den Waltherpark fertig zu bauen. Der Bau und auch die Verkäufe gehen außerdem gut weiter, die Schlagzeilen der letzten Tage haben das Kaufinteresse gefördert, weil so mancher wieder auf das Projekt aufmerksam geworden ist. Wir haben über 20 neue Kaufinteressenten, interessanterweise auch aus Deutschland, trotz der Negativ-Schlagzeilen.<BR /><BR /><b>Dabei möchte man meinen, es ist riskant eine Immobilie von einer Gesellschaft zu kaufen, bei der man sich nicht 100-prozentig sicher ist, ob sie morgen oder übermorgen vielleicht Insolvenz anmelden muss. Schlimmstenfalls könnte ja die Anzahlung weg sein…</b><BR />Nein. Wer bei uns kauft, bekommt ordentliche Verträge, in denen Rechte und Pflichten klar geregelt sind, und für die Anzahlungen gibt es eine Versicherungs- oder eine Bankgarantie, wie vom Gesetz vorgesehen. Das heißt: Wenn wir nicht liefern sollten, werden die Anzahlungen zurückbezahlt. Da gibt es also kein finanzielles Risiko. Das einzige Risiko besteht theoretisch darin, dass man etwas nicht bekommt, was man gerne hätte. Aber dieses Risiko ist gering, weil wir überzeugt sind, dass wir es schaffen werden, den Bau fertig zu stellen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62410717_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was macht Sie da so sicher?</b><BR />Was mich so sicher macht, ist, dass wir in einem fortgeschrittenen Bau- und Verwertungszustand sind. Und wir hängen nicht von der Signa ab. Sollte es also wirklich mit Signa schief gehen, habe ich Investoren, die den Waltherpark übernehmen und weiterbauen würden. <BR /><BR /><b>Wer sind diese Investoren?</b><BR />Das ist noch nicht spruchreif, weshalb ich noch nicht mehr dazu sagen kann. Ich hoffe auch nicht, dass dieses Szenario eintritt. Aber sollten wir nicht mehr weiterkommen, kann es zu einem Eigentümerwechsel kommen. <BR /><BR /><b>Aber sollte die Signa Prime Selection insolvent werden, dann wäre auch Signa Italia insolvent, oder?</b><BR />Nein, weil wir als eigenständige italienische Gesellschaft ja zahlungsfähig sind und bleiben. In dem Fall hätten wir nur einen neuen Ansprechpartner in den Reihen unseres Gesellschafters: den Insolvenzverwalter, und nicht mehr den Vorstand. Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es unter anderem, im Interesse der Gläubiger die Unternehmenswerte zu schützen und zu realisieren. Deshalb hätte er sicher jedes Interesse, dass unser Projekt fertig gebaut wird, weil das der einzige Weg ist, damit er sein Eigenkapital wieder erhält – und voraussichtlich auch einen Gewinn.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62410718_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wenn ich Sie richtig verstehe, ist also das Risiko dass Signa Italia zahlungsunfähig und der Waltherpark nicht fertig gestellt wird, minimal?</b><BR />Genau. Dieses Risiko ist sehr gering. Sollte aber die Lage komplexer werden, als man es sich heute erwartet und wünscht, haben wir immer noch die Investoren als Fallschirm für den Waltherpark: Dann wird man über einen Eigentümerwechsel nachdenken und im Zuge des Konkurses würde der Waltherpark verkauft.<BR /><BR /><b>Signa hat 163 Millionen an Eigenkapital bereit gestellt, hat sie da noch Zugriff darauf?</b><BR />Nein. Unsere gesamte Liquidität aus Eigenkapital und Anzahlungen der Käufer ist verpfändet zugunsten des Projektes und der Banken. Das heißt, das Geld darf nur für den Waltherpark verwendet werden. Es besteht also absolut kein Risko, dass es uns irgendein Manager oder Insolvenzverwalter wegnimmt. <BR /><BR /><b>Wie schätzen Sie selber die Lage der Signa-Gruppe ein?</b><BR />Ich bin ehrlich gesagt nicht in der Lage, das einzuschätzen, weil ich zu wenig Detailwissen habe. Es ist sicher kein einfacher Moment im Immobiliensektor, vor allem in Deutschland. Dass die Zinsen innerhalb weniger Monate von 2,5 auf 7 bis 8 Prozent gestiegen sind, belastet die Branche. Meine persönliche Meinung ist auch, dass Signa kein Einzelfall ist, sondern lediglich die Spitze des Eisberges. In Südtirol nicht, weil hier die Firmen kleiner und solide sind, aber in Deutschland könnte es noch Folgen haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="970009_image" /></div> <BR /><BR /><b>Haben Sie damit gerechnet, dass die Signa in solche Schwierigkeiten gerät?</b><BR />Ehrlich gesagt, nein.<BR /><BR /><b>Haben Sie Herrn Benko kürzlich gesprochen?</b><BR />Ich höre ihn, wir sind ja freundschaftlich verbunden. Und man muss auch sehen: Ohne Herrn Benko könnten wir nicht in Bozen ein ganzes Quartier in so einer Lage requalifizieren. Aber wir werden den Waltherpark bis 2025 mit oder ohne Signa fertig stellen. <BR /><BR /><b>Sind Sie persönlich von Benko enttäuscht?</b><BR />Absolut nicht, keinesfalls von René Benko, vielleicht vom einen oder anderen Manager. <BR /><BR /><b>Was bedeuten diese Entwicklungen für Sie persönlich?</b><BR />Sie sind eine große Herausforderung. Aber ich bin gewohnt, Verantwortung zu tragen, und jetzt trage ich noch etwas mehr – und arbeite mehr. Aber bis zur Fertigstellung dauert ja nur mehr eineinhalb Jahre, das halte ich aus. <BR /><BR /><b>Sie sind also gelassen und schlafen gut?</b><BR />Gelassen wäre zu viel gesagt, aber ich schlafe gut, wenn auch etwas weniger, weil ich mehr arbeite. <BR /><BR /><BR />