<b> Für diesen Herbst ist es Ihnen gelungen, 2 Rocklegenden nach Südtirol zu holen: Der ehemalige Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant kommt am 18. Oktober in die Stadthalle, Bryan Adams am 6. November in die Eiswelle. Wie läuft der Vorverkauf? </b><BR />Roland Barbacovi: Das Konzert von Plant ist schon ziemlich voll, 2000 Tickets sind verkauft; fürs Bryan-Adams-Konzert gibt es keine nummerierten Karten mehr, nur noch Stehplätze. Es läuft also gut, immerhin passen in die Eiswelle fast 7000 Leute. <BR /><BR /><BR /><b>Und das obwohl die Ticketpreise nach Corona – nicht nur in Südtirol – sehr stark angestiegen sind…</b><BR />Barbacovi: Das stimmt. Weil die Kosten, die im Zusammenhang mit einem Konzert entstehen – vom Künstler bis zum Bühnenaufbauhelfer – extrem nach oben geklettert sind. <BR /><BR /><BR /><b>Das heißt?</b><BR />Barbacovi: Unterm Strich kostet uns eine Veranstaltung um die 30 Prozent mehr als vor der Pandemie. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66783503_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wie viel streichen Künstler wie Bryan Adams für ein Konzert ein?</b><BR />Barbacovi: Die Künstlergage beträgt in diesem Fall rund 250.000 Euro. Dies ist übrigens ein guter Richtwert für alle Acts, die in der Eiswelle auftreten, der größten Veranstaltungslocation, die wir in Südtirol haben. Die Ticketpreise bei Bryan Adams starten bei 65 Euro, für ähnliche Konzerte wurden vor der Pandemie 45 bis 50 Euro aufgerufen. Fakt ist: Für uns als Veranstalter gibt es keine andere Möglichkeit, Einnahmen zu generieren; wir müssen die höheren Spesen weitergeben. <BR /><BR /><BR /><b>Vor 15 Jahren, kurz vor ihrer Auflösung, war die Britpop-Band Oasis in Bozen zu Gast. Bald startet deren groß angekündigte Comeback-Tour. Meine – zugegeben nicht ganz ernst gemeinte - Frage: Warum legt die Band nicht wieder einen Tour-Stopp in Bozen ein?</b><BR />Barbacovi: Falls die Band Halt macht in Italien, was noch offen ist, dann im San-Siro-Stadion oder einem Areal in ähnlichen Dimensionen. Südtirol kann da nicht mithalten. Wir haben die Eiswelle, eine größere Veranstaltungslocation gibt es nicht. <BR /><BR /><BR /><b>Im Gegensatz zu Trient, wo es die „Trentino Music Arena“ gibt: 2022 eröffnete Vasco Rossi dort seine große Italien-Tournee vor über 100.000 Fans…</b><BR />Barbacovi: Stimmt, in Trient gibt es diese Option. Wir haben dort letzthin auch einige Konzerte veranstaltet, etwa von Pooh, Fiorella Mannoia und Umberto Tozzi. Es waren jeweils 3000 bis 4000 Leute da, Platz wäre für sehr viel mehr. In Südtirol liegt die kritische Grenze bei Konzerten auch in diesem Bereich, es sei denn der Name ist ein internationaler und großer wie Bryan Adams, dann bekommt man auch die Eiswelle voll. <BR /><BR /><BR /><b>Im Gespräch war auch Rod Stewart für 2025 in Bozen. Kommt er?</b><BR />Barbacovi: Es hätte tatsächlich die Möglichkeit gegeben, ihn für Mai 2025 zu bekommen, wo er einige Termine in Italien plant. Stewart spielt etwa am 9. Mai im „Fila Forum“ in Mailand, das 10.000 Besucher fasst. Die Eintrittspreise starten bei 200 Euro. In Südtirol hätte er in der Eiswelle auftreten müssen mit einer Kapazität von maximal 7000 Leuten; das hätte geheißen, dass die Tickets im Sinne der Wirtschaftlichkeit ab 250 Euro hätten kosten müssen. Das ist schlicht zu viel, also haben wir es bleiben lassen. <BR /><BR /><BR /><b>Blicken wir noch zurück auf den Konzertsommer 2024 in Südtirol. Wie ist er aus Ihrer Sicht verlaufen? </b><BR />Barbacovi: Wir sind insgesamt ganz zufrieden. Der Aufwind, den unsere Branche nach Corona spürte, hält zum Glück noch an. International hört man anderes, von Nachfragerückgängen ist da teilweise die Rede, nicht bei den ganz großen Namen, aber vielen anderen.<BR /><BR /><BR /><b>Trotzdem war der Anklang nicht bei allen Konzerten in Südtirol groß: Während etwa Josh („Cordula Grün“, „Expresso & Tschianti“) in Algund vor mehr oder weniger leeren Rängen spielen musste, hätten die Gärten von Trauttmansdorff mit Roy Bianco & The Abbrunzati Boys 3 Mal gefüllt werden können. Ist das Konzertgeschäft unvorhersehbar geworden?</b><BR />Barbacovi: Roy Bianco & The Abbrunzati Boys waren ein absoluter Ausnahmefall. Um die Bayerische Band, die bei uns ihr neues Album präsentierte, ist ein regelrechter Hype entstanden. Das Publikum reiste vor allem aus Deutschland an, Südtiroler haben das Konzert eher weniger besucht. <BR /><BR /><BR /><b>Können Sie ein paar Zahlen zu den Gartennächten in Trauttmansdorff nennen?</b><BR />Barbacovi: 3 von 4 Konzerten, also jene von Roy Bianco, Passenger und Tim Bendzko waren mit 2000 Besuchern ausverkauft. Bei Loreena McKennitt waren es 1700 verkaufte Tickets. Es ziehen nicht nur die Künstler auf der Bühne, sondern auch das Drumherum: Die Kulisse, die Gastronomie usw. – wer einen Abend im Trauttmansdorff verbringt, schätzt das Gesamterlebnis. Man muss aber sagen, dass auch die Konzerte in Algund von Silbermond und Creedence Clearwater Revived vom Publikum recht gut angenommen wurden. <BR /><BR /><BR /><b>Wie hoch sind die Einnahmen der Künstler in Locations wie den Gärten von Trauttmansdorf mit 1500 bis 2000 Besuchern?</b><BR />Barbacovi: Da bewegen wir uns bei bis zu 50.000 Euro. Im Detail hängt es zum Beispiel davon ab, ob es sich um einen Einzelkünstler oder eine ganze Band handelt.<BR /><BR /><BR /><b>Sie sind seit über 40 Jahren im Geschäft und kennen die Vorlieben der Südtiroler: Wen wollen sie denn am liebsten auf der Bühne sehen?</b><BR />Barbacovi: Die Südtiroler sind sehr offen. Von lokalen Künstlern wie Herbert Pixner bis hin zu jungen, internationalen Acts hören sie sich vieles live an. Unser Vorteil als vergleichsweise kleiner Veranstalter ist, dass wir das Programm auf die lokalen Gegebenheiten anpassen können. Auch die zweisprachige Realität ist eine spannende Sache: Im Jänner wird zum Beispiel Giovanni Allevi im Kurhaus Meran auftreten, Karten gibt es so gut wie keine mehr, weil der Pianist in Italien ein echter Superstar ist. Die Suche nach interessanten Künstlern ist jedenfalls auch nach 40 Jahren nie langweilig geworden. <BR /><BR /><BR /><b>Die Bestverdiener der Branche</b><BR /><BR />Die größten Stars der Musikwelt verdienen durch ihre Live-Auftritte Millionen. An der Spitze steht aktuell Taylor Swift, die mit beeindruckenden 8,8 Mio. Euro pro Show den ersten Platz belegt. Auf Platz zwei folgt Ed Sheeran (7,3 Mio. Euro). Den dritten Platz teilen sich Jay-Z und Beyoncé, die gemeinsam 6 Mio. Euro pro Konzert einnehmen. Bestverdienerin unter den deutschsprachigen Künstlern ist unangefochten Helene Fischer (3,7 Mio. Euro), noch vor Pop-Größen wie Shakira und Harry Styles (je 1,4 Mio. Euro). Bei diesen aufgerufenen Summen kann einem leicht schwindlig werden.