Sparkassen-Präsident Gerhard Brandstätter über „ausgezeichnete Ergebnisse“ und einen „gewissen Aufwärtstrend“ der Sparkassentitel. <BR /><BR /><b>Herr Brandstätter, ein Reingewinn von 82,2 Millionen Euro, ein deutliches Plus bei Zins- und Provisionserträgen, eine Verbesserung der Vermögenskennzahlen: Auch das Jahr 2023 verlief – wie die vorherigen beiden Jahre – für die Südtiroler Sparkasse außerordentlich gut...</b><BR />Gerhard Brandstätter: Das ausgezeichnete Ergebnis zeugt von der Fähigkeit der Sparkasse, beachtliche Erträge zu erwirtschaften und gleichzeitig die Kosten zu senken. Zudem trägt zum ersten Mal auch unsere Tochterbank im Friaul, die Civibank, zum guten Ergebnis auf Gruppenebene bei. Im Detail stieg der Provisionsertrag auf Gruppenebene um über 14 Prozent und der Zinsertrag um über 13 Prozent. Wir unterstützen weiterhin auch die einheimischen Unternehmen und Familien: So wurden im Laufe des vergangenen Jahres neue Kredite mit mittel- und langfristiger Laufzeit in Höhe von 1372 Millionen Euro vergeben, davon 1004 Millionen Euro an Unternehmen und 368 Millionen Euro an Familien. Nicht zu vergessen: Die Sparkasse zählt zu den Kreditinstituten mit dem niedrigsten Niveau an Problemkrediten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64160098_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>An der Sparkassen-Aktie sieht man diese gute Entwicklung leider nicht so deutlich. Woran liegt das, dass trotz sehr guter Ergebnisse der Wert der Aktie nicht wesentlich steigt? </b><BR />Brandstätter: Die Sparkassen-Aktien sind seit Dezember 2017 auf der Handelsplattform namens Vorvel – früher Hi-MTF – zum Handel zugelassen. Diese Handelsplattform ist von der Südtiroler Sparkasse unabhängig und funktioniert nach eigenen Regeln, auf die die Bank keinen Einfluss hat. Wie auf Finanzmärkten üblich wird der Aktienkurs im Wesentlichen durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt. Im Falle von Vorvel kommen noch weitere Regeln hinzu, die die Kursentwicklung innerhalb bestimmter Bandbreiten festlegen. Seit Mitte 2021 ist jedenfalls ein gewisser Aufwärtstrend auf der Handelsplattform feststellbar, der den Aktienkurs von 7,90 Euro auf aktuell 9,90 Euro steigen hat lassen. <BR /><BR /><b>Was sagen Sie aber langjährigen Aktionären? 2008 wurde die Sparkassen-Aktie bei der Kapitalerhöhung ja noch zum Preis von 359 Euro ausgegeben – wenn man den späteren Aktiensplit berücksichtigt, wären es 35,90 Euro. Bei der Kapitalerhöhung von 2012 lag der Preis bei 21 Euro und bei jener von 2015 bei 10 Euro...</b><BR />Brandstätter: Es stimmt, dass vor ungefähr 15 Jahren der Aktienkurs bei rund 35 Euro gelegen hat, es stimmt aber auch, dass sich das Marktumfeld für Bankaktien in den letzten 15 bis 20 Jahren grundlegend verändert hat. Bis zum Beginn der großen Finanzkrise 2007 bis 2009 waren Finanzinstitute, zusammen mit Energieunternehmen, die großen Gewinner an den Börsen, während anschließend der Technologiesektor die Gunst der Anleger gewonnen hat. Zählten in 2007 noch 4 Banken zu den 18 wichtigsten börsengehandelten Unternehmen weltweit, sind heute nur mehr 3 Banken unter den Top 50 vertreten. Dies ist wohl auch darin begründet, dass nach der Regulierungswelle Banken heute ein sehr viel bodenständigeres Geschäftsmodell pflegen als noch vor 20 Jahren. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64160099_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Das ist doch nicht schlecht...</b><BR />Brandstätter: Damit sind sie zwar solider geworden, für viele Anleger aber auch weitgehend langweiliger, im Gegensatz zu den anderen Themen, die die Fantasie beflügeln wie beispielsweise die künstliche Intelligenz. Und nachdem die Kurse von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, bedarf es zusätzlicher Nachfrage von Seiten der Investoren, um die Kurse auf alte Höchststände zu heben. Die alten Höchststände wieder erreicht hat hingegen der Buchwert der Sparkassen-Aktien. Gemessen an den Bilanzwerten ist heute jede Aktie wieder mehr als 18 Euro wert, im Vergleich zu den an der Börse gehandelten 9,90 Euro. <BR /><BR /><b>Die Bank kauft seit Jahren selbst Aktien auf, was bringt das?</b><BR />Brandstätter: Die Bank hat seit Juli 2019 ein externes Finanzinstitut damit beauftragt, im Namen und auf Rechnung der Südtiroler Sparkasse Aktien der Bank zu kaufen und zu verkaufen. Ziel ist es vorübergehende Überschüsse an angebotenen oder auch an nachgefragten Aktien zu glätten, um somit die Handelbarkeit der Aktien zu verbessern. Im Klartext: Besteht ein Angebotsüberhang kauft die Bank Aktien an; werden hingegen mehr Aktien nachgefragt als im Moment zum Verkauf stehen, verkauft die Bank Aktien, um diese zusätzliche Nachfrage zu befriedigen. Heute stehen beispielsweise nur rund 0,07 Prozent der gesamten ausgegebenen Aktien zum Verkauf. Der An- und Verkauf von Sparkassen-Aktien ist somit erheblich vereinfacht worden. <BR /><BR /><b>Wie sind die Prognosen für die Bank für das Jahr 2024 – das Jahr, in dem die Leitzinsen voraussichtlich wieder sinken werden?</b><BR />Brandstätter: Grundsätzlich gilt bei allen Banken, dass der Zinsertrag abnimmt, wenn die Zinsen sinken. Demnächst werden wir den neuen Strategieplan verabschieden: Dank der geplanten Maßnahmen wird die Sparkasse als Bankengruppe, gemeinsam mit ihrer Tochterbank im Friaul, wichtige Synergien erzielen, die zu Kosteneinsparungen bei gleichzeitigen Ertragssteigerungen führen werden.<BR /><BR />