Es sind weltweit trübe Aussichten: Normalerweise entfallen auf Kanada 2 Drittel des weltweiten Hartweizenhandels. Durch die extreme Hitze und Dürre im vergangenen Jahr fiel die Ernte dort um fast 50 Prozent geringer aus als noch 2020. In Frankreich hingegen wurde ein Teil der Ernte durch Überschwemmungen zerstört. Auch in Italien wurde etwas weniger geerntet als normal, dafür war der Hartweizen qualitativ besser als in den vergangenen Jahren, berichtet Riccardo Felicetti.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="725558_image" /></div> Das löst aber keineswegs das Problem: „Der Markt ist international. Was noch an Ressourcen da ist, geht an den Höchstbietenden“, erklärt der Verkaufsdirektor des Familienunternehmens, das 1908 von seinem Ururgroßvater gegründet wurde.<BR /><BR /><b>„Verbrauchen mehr, als wir produzieren“</b><BR /><BR />Der Nudel-Hersteller Felicetti produziert jährlich 30 Millionen Kilogramm Pasta unterschiedlichster Sorten, die zu 70 Prozent ins Ausland verkauft werden. Felicetti bezieht seinen Hartweizen zu 95 Prozent aus Italien, 5 Prozent, vor allem Kamut, werden aus den USA importiert. Doch auch für die Trentiner Firma war es im vergangenen halben Jahr kein Leichtes, an den Rohstoff zu kommen: „Wir verbrauchen mehr natürliche Ressourcen, als wir produzieren. Wir sind es gewohnt, immer alles zu bekommen, was wir wollen, wann wir es wollen. Doch jetzt müssen wir uns langsam einzugestehen, dass gewisse Dinge endlich sind. Es gibt nicht mehr als 20 Millionen Tonnen Hartweizen auf der Welt.<BR /><BR /> Aufgrund der Missernte im vergangenen Jahr sind diese 20 Millionen auf 16 Millionen Tonnen geschrumpft – und plötzlich muss jemand auf Brot oder Nudeln verzichten. Aber das will niemand.“ Die Konsequenz: Ein weltweiter Kampf um Hartweizen – und das um jeden Preis, denn wer mehr bezahlt, erhält auch die Ware: „Allein im Juni 2021 gab es eine Preissteigerung von 70 Prozent“, so Felicetti. <BR /><BR />Kostete eine Tonne Hartweizen früher etwa 300 Euro, so muss man jetzt 550 bis 570 Euro dafür berappen – wenn man es überhaupt bekommt. Bei Felicetti sei man zuversichtlich, die bestehenden Verträge bis Juli 2022 garantieren zu können und dass zumindest bei ihren Kunden keine Nudelknappheit im Regal entstehe. <BR /><BR /> Doch auch das Familienunternehmen, das heute 110 Mitarbeiter beschäftigt, stand wie viele andere vor einer schweren Entscheidung: „Entweder man schließt, oder man kauft teuer ein – was bedeutet, dass man auch teuer verkaufen muss“, so Felicetti. Zwar sei Pasta auch weiterhin ein vergleichsweise günstiges Nahrungsmittel, „das muss sie auch sein, damit sie sich jeder leisten kann.“ Dennoch kosten auch Felicetti-Nudel derzeit mehr als gewöhnlich: Um ein Kilogramm Pasta herzustellen, benötigt man 1,4 Kilo Hartweizen – weshalb der Preis der Felicetti-Ware von rund 0,90 Euro pro 500 Gramm auf 1,05 bis 1,15 Euro gestiegen ist. <BR /><BR />Nun bleibe zu hoffen, dass es nicht zu einem weiteren Preisanstieg komme: „Die nächsten 6 Monate werden spannend: In Italien können wir wie in Spanien, Griechenland oder Frankreich nur auf eine gute Ernte im Sommer hoffen, im Herbst blickt man dann auf Nordamerika und Kanada.“ <BR />Ob der Engpass in Sachen Hartweizen dann überstanden ist, wisse man folglich erst im November, vielleicht auch erst 2023. Immerhin kam auch die Missernte im Vorjahr überraschend: „So etwas hat es in meiner Zeit in der Branche – also seit mindestens 30 Jahren – nicht gegeben. <BR /><BR /><b>„Haben alle Lagerbestände aufgebraucht“</b><BR /><BR />Die Missernten in Kanada und Frankreich waren unvorhersehbar und äußerst schwierig zu bewältigen. Allein in den vergangenen 4 Jahren wurde mehr Pasta produziert als Hartweizen: Alles, was wir weltweit gelagert hatten, ist aufgebraucht.“ Auch die Pandemie habe ihres dazu beigetragen: Die Preise für Energie und Transport schossen in die Höhe, und während die Menschen rund um den Globus zwar massig Nudel auf Vorrat kauften, blieben die Hotels und Restaurants geschlossen. <BR /><BR />Die Lage sei äußerst angespannt: „Niemand weiß, was auf uns zukommt und wie die Ernte wird. Das macht es auch schwierig, Verträge abzuschließen: Niemand will verkaufen, weil niemand den richtigen Preis kennt. Wir fahren derzeit auf Sicht.“ Zwar sei im Zuge der Missernten nun mehr Hartweizen angepflanzt worden: „Es braucht aber nur einmal schlechtes Wetter, dann wäre wieder alles dahin – zum zweiten Mal in Folge. Aber wir bleiben optimistisch und hoffen das Beste. Mehr können wir nicht tun.“