Weshalb das so ist und wie man die Produktivität steigern könnte, erklärt Wifo-Direktor Georg Lun. <BR /><BR /><b>Herr Lun, in dem neuen Bericht von Handelskammer und Wirtschaftsring ( <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/wo-suedtirol-sich-verbessern-muss-die-empfehlungen-der-wirtschaft" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">STOL hat berichtet</a>) benennen Sie auch klar die Schwächen der Südtiroler Wirtschaft, etwa die anhaltend niedrige Produktivität. Was kann man tun?</b><BR />Georg Lun: Was positiv ist: Wir haben einen ausgewogenen Mix der Wirtschaftssektoren und starke, kleine, familiengeführte Unternehmen. Gleichzeitig ist das aber auch ein Problem für die Produktivität. Denn größere Unternehmen sind produktiver als kleinere, und Unternehmen in innovativen Sektoren sind produktiver als jene in traditionellen Bereichen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-71709192_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Das heißt, wir brauchen größere Unternehmen?</b><BR />Lun: Nicht unbedingt. Es würde reichen, die bestehenden Unternehmen so innovativ und so produktiv wie möglich zu machen. Es gibt Potenziale in allen Betrieben. Unsere Vorschläge zielen deshalb darauf ab, diese Potenziale in allen Bereichen zu heben.<BR /><BR /><b>Zu den Schwächen zählen Sie auch die Abhängigkeit vom Tourismus und fordern mehr Diversifikation. Sind wir zu abhängig vom Tourismus?</b><BR />Lun: Hier gibt es eine Polarität. Zum einen ist allen bewusst, dass der Tourismus Südtirol in vielen Bereichen Wohlstand gebracht hat und immer noch bringt, gerade in der Peripherie. Auf der anderen Seite sehen wir aber eine zunehmende Abhängigkeit. Denn der Tourismus ist teilweise dominanter geworden, als er es noch vor 20 Jahren war. Und er bietet nur bestimmte Arbeitsmöglichkeiten. Wer eine andere Ausbildung hat, tut sich schwer, einen Job zu finden. Zudem sind die meisten Betriebe familiengeführt, und dort sind die Karrieremöglichkeiten meist beschränkt, weil es wenig mittleres Management gibt. Für jemanden, der keinen Betrieb in der Familie hat, ist es schwierig, einen interessanten Job zu finden – auch wenn es mittlerweile zunehmend managementgeführte Unternehmen gibt. Es wäre sinnvoll, wenn sich die Entwicklung stärker in diese Richtung bewegen würde.<BR /><BR /><b>In „Impulse 2026“ sind gut 100 Empfehlungen enthalten, viele davon sind nicht ganz neu. Ist da nichts weitergegangen?</b><BR />Lun: Es ist nicht so, dass wir immer wieder dasselbe predigen und nichts passiert. Vielmehr bleiben gewisse Themen dauerhaft Herausforderungen, weil ständig neue Richtlinien, neue Entwicklungen usw. dazukommen. Die Vorschläge sind auch nicht als To-do-Liste für die Landesregierung zu verstehen. Vielmehr wollen wir als Vertreter der Wirtschaft aufzeigen, wo wir Handlungsbedarf sehen – unabhängig davon, ob Land, Staat oder die EU zuständig sind.