Alpitronic legte seit der Gründung 2009 eine sagenhafte Entwicklung hin. Das ehemalige NOI-Startup brachte es in 15 Jahren zum europäischen Marktführer bei Ladevorrichtungen für E-Autos. Explosiv wurde das Wachstum, als vor 5 Jahren der Hypercharger eingeführt wurde, noch heute das Hauptprodukt von Alpitronic. Damit war plötzlich Gleichstromladen möglich; der Strom wird direkt der Batterie im Auto zugeführt, ohne dass ein weiterer Laderegler im Fahrzeug benötigt wird. Die Folge ist ein besonders schneller Ladevorgang – mit dem Hypercharger kann eine Batterie in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. <BR /><BR />2023 beschäftigte das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro – nur eine handvoll Betriebe in Südtirol sind in derlei Sphären unterwegs. Und offenbar stimmen auch die Margen: Alpitronic sei „hochprofitabel“, lässt Senoner wissen, dessen Betrieb seit Jahren keine Bilanzen veröffentlicht, um „für Mitbewerber nicht zu durchsichtig“ zu sein. <h3> „Terlan ist und bleibt ein Thema“</h3>21.000 Charger sind aktuell im Betrieb, bislang wurden – mit der wachsenden Adoption von E-Autos - mehr als 55 Millionen Ladevorgänge durchgeführt. Tendenz steigend: „Alle 1,5 Wochen kommt eine weitere Million hinzu“, so Philipp Senoner, der Geschäftsführer und einer der Gründer von Alpitronic ist. Das Unternehmen hilft mit dieser Innovation der E-Mobilität insgesamt effizienter zu werden. Alles andere als effizient „und auch teuer“, wie Senoner zugibt, ist dagegen die Satelliten-Strategie, die der Betrieb fahren muss. In Südtirol operiert Alpitronic nicht von einem zentralen Standort aus, sondern verteilt auf 5 in Bozen und einen weiteren in Auer. In Ihrem Vorhaben, einen neuen Firmensitz in Siebeneich/Terlan zu errichten, wurde Alpitronic von der Politik und dem Widerstand vor Ort ausgebremst. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64325751_quote" /><BR /><BR />Ist Terlan damit vom Tisch? „Nein, keineswegs. Terlan bleibt weiterhin ein Thema. Wir benötigen ganz allgemein kürzere Wege, alles muss gebündelt sein an einem Ort. Wir wissen aber auch, dass noch einige Jahre vergehen werden, bis eine Headquarterlösung in Südtirol Realität sein kann. Deshalb bereiten wir uns darauf vor, arbeiten an einer kurz- bis mittelfristigen Lösung, die vorwiegend in der Konsolidierung von verschiedenen Standorten besteht, ohne das Langfristziel aus den Augen zu verlieren“, so Senoner. „Wir sind in intensivem Kontakt mit der Landespolitik und hoffen schon in einigen Wochen die nächsten Schritte verkünden zu können.“<h3> Wirtschaftlicher Nonsens</h3>Warum wandert Alpitronic angesichts der Schwierigkeiten und dem jahrelangen Hin und Her in Südtirol eigentlich nicht ab - in benachbarte Provinzen oder das Ausland? „Ehrlich gesagt, ist das für uns keine Option. In unserer Branche ist Schnelligkeit das Um und Auf. Wir haben gemeinsam mit unseren Mitarbeitern viel Aufbauarbeit geleistet und uns einen Vorsprung am Markt erkämpft; durch den Umzug an einen anderen Standort wäre dieser Vorsprung wieder dahin“, so die einleuchtende Begründung. Gerüchten, wonach Alpitronic bereits auf dem Sprung sei, erteilte er damit eine klare Absage.<BR /><BR />Was nicht heißt, dass Alpitronic nicht außerhalb Südtirols viel Geld in die Hand nehmen will: „Wir haben 2023 unser US-Headquarter eröffnet. Dieser Schritt war auch deshalb nötig geworden, weil unsere US-amerikanischen Firmenkunden die Förderungen der Regierung nur dann erhalten, wenn sie mit Unternehmen Geschäfte machen, die über eine Gesellschaft in den USA verfügen.“ Am US-Markt sieht Senoner in den nächsten Jahren noch ein „riesiges Potenzial“ für Alpitronic. <h3> Raues Lüftchen am E-Automarkt</h3>Nach der Hypephase weht der Zukunftsindustrie E-Mobilität in Europa hingegen ein raues Lüftchen entgegen. „Wir haben gewusst, dass wir nicht ewig so stark wachsen können. Jetzt sind wir in eine Phase eingebogen, in der die Dynamik etwas nachlässt. Was nicht heißt, dass wir nicht mehr wachsen – wir wachsen nur auf kurze Sicht nicht mehr 100 Prozent und mehr pro Jahr, sondern etwas weniger“, so Senoner.<BR /><BR /> Ein wichtiger Grund ist der Markt Deutschland: „Dort haben zuletzt die Neuzulassungen von E-Autos an Schwung verloren, nach dem Aus der Förderungen für die E-Mobilität quasi über Nacht, müssen wir davon ausgehen, dass der Markt eher stagnieren könnte.“ Befeuert wird die Unsicherheit durch unklare Signale vonseiten der EU: „Das Langfristziel steht, dass bis 2035 ein Verbrennerverbot Realität sein soll.“ Letzthin seien jedoch vermehrt widersprüchliche Aussagen zu hören gewesen. „Wenn man sich auf ein Ziel einigt, dann müssen die Spielregeln klar sein und es müssen sich auch alle daran halten. Im Spiel die Regeln ändern, das geht nicht. Darauf habe ich letzte Woche bei einem Treffen der Wirtschaftsminister von Deutschland, Frankreich und Italien in Paris auch hingewiesen.“ <h3> Erster Hypercharger für Lkw</h3>Was bereitet Senoner also mehr Kopfzerbrechen – die Politik oder die Flut an Mitbewerbern, vorwiegend aus Asien? „Weder noch. Von der Politik erwarte ich mir nur, dass sie vorhersehbar handelt und bei dem bleibt, was sie beschließt.“ Für den Wettbewerb sieht er sein Unternehmen bestens gerüstet: „Wir haben eine starke Position am Markt. Der schnelle Ladevorgang, die hohe Zuverlässigkeit und unsere Serviceleistungen sorgen dafür, dass wir nicht so leicht einzuholen sind“, führt Senoner aus. In Kürze soll auch das erste Megawatt-Ladesystem von Alpitronic für Lkw vorgestellt werden: „Damit wird ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in 30 bis 40 Minuten möglich sein, nicht wie bisher in einigen Stunden.“ Damit beweise Alpitronic, dass es auch im Lkw-Bereich zu den Technologieführern bei Schnellladesäulen zähle. Wenngleich es in Sachen E-Antrieb bei Lkw noch viele offene Fragen gebe. <h3> Neues Mobilitätskonzept für Mitarbeiter</h3>Die Mission von Alpitronic sei es, die Mobilität insgesamt nachhaltiger zu machen. Dieser Gedanke stehe auch hinter einer Initiative, an der das Unternehmen in Bozen arbeitet. Geboren ist sie aus der eigenen Parkplatz-Not am Firmengelände heraus. Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes unterstützt Alpitronic Mitarbeiter, die bei der Fahrt zur Arbeit aufs eigene Auto verzichten. Innerhalb April haben sie Zeit, dem Unternehmen mitzuteilen, welches Vehikel sie für die Anfahrt nutzen wollen: E-Bike, öffentliche Verkehrsmittel, Mitfahrgelegenheit oder Privat-Pkw. Wobei letztgenannte Option nur dann in Frage kommen solle, wenn sie alternativlos sei. <BR /><BR />Entscheidet sich jemand für eine der 3 „nachhaltigeren“ Formen, wird er dafür vom Betrieb gefördert. Bei der Variante E-Bike wird dem Mitarbeiter ein Rad für die – berufliche und private – Nutzung zur Verfügung gestellt. Dieser zahlt dafür 20 Euro für 3 Jahre, den Rest übernimmt die Firma. Die Kosten für den „Südtirol Pass Business“, um per Öffis zur Arbeit zu kommen, trägt ebenfalls Alpitronic. Wer Mitfahrgelegenheiten in Anspruch nimmt, erhält dafür pauschal einen Mobilitätsbeitrag von 300 Euro.<h3> „Alpitronic übernimmt Vorbildfunktion“</h3>Zeichnet sich beim Verkehrsmittel der Wahl schon eine Tendenz ab? „Das E-Bike liegt bis jetzt weit vorne. Damit zeigt sich, dass unsere Mitarbeiter eine hohe Sensibilität für nachhaltige Mobilität zeigen. Wir hoffen, mit unserer Aktion auch andere Betriebe inspirieren. Machen die 10 größten Unternehmen mit, würde dies bereits zu einer spürbaren Verbesserung der Verkehrssituation in Bozen beitragen“, so Andreas Rogger, HR-Verantwortlicher bei Alpitronic bei der Vorstellung des Projektes gestern in Bozen. Harald Reiterer, Leiter des Bereichs Green Mobility bei der STA, lobt die Initiative: „Nachhaltige Mobilität erfordert den Beitrag aller – auch der Betriebe. Es ist wesentlich, dass engagierte Unternehmen mit innovativen Lösungen vorangehen und eine Vorbildfunktion übernehmen, so wie dies nun Alpitronic macht.“<BR /><BR />