Klaus Berger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), im Gespräch über Buchungstrends, das Verhalten italienischer Gäste und die Frage, wo in Südtirol tatsächlich gespart wird. <BR /><BR /><b>Herr Berger, Ferragosto steht vor der Tür. Wie ist die aktuelle Buchungslage in Südtirol einzuschätzen?</b><BR />Klaus Berger: Die Buchungslage ist grundsätzlich gut. Über unser Buchungsportal „Booking Südtirol“ sehen wir zwar, dass noch einige Zimmer frei sind – das überrascht mich aber nicht. Auffällig ist vor allem, dass wir mehr Buchungen verzeichnen, dafür vielleicht mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer, und dass Gäste mittlerweile sehr kurzfristig buchen. Deshalb rechne ich damit, dass die Zimmer bis zum Schluss überwiegend belegt sein werden und wir die Zahlen vom Vorjahr möglicherweise sogar ein wenig übertreffen könnten. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-75914863_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Der August ist traditionell der beliebteste Urlaubsmonat vieler Italiener. Kommt der italienische Gast auch heuer zu Mariä Himmelfahrt im gewohnten Umfang nach Südtirol?</b><BR />Berger: Unsere Daten zeigen, dass die Woche um Mariä Himmelfahrt weiterhin eine Zeit ist, in der der italienische Gast besonders gerne bucht. Gerade im Dolomitengebiet gleicht er die etwas schwächeren Zahlen des deutschen Gastes wieder aus. Hochrangige Besuche, wie zuletzt jener von Staatspräsident Sergio Mattarella, werten das Ansehen Südtirols auf und geben dem italienischen Gast zusätzlich Anreiz, die Region zu besuchen.<BR /><BR /><b>Heißt das, der italienische Gast macht nach wie vor am liebsten im Osten Südtirols Urlaub?</b><BR />Berger: Traditionell ist er ein sehr starker Gast im Dolomitengebiet. Aus den Beobachtungen der letzten Jahre sehen wir aber, dass er – vor allem seit Corona – zunehmend neue Regionen entdecken möchte. Beispielsweise im Meraner Raum und im Vinschgau haben wir mehr italienische Gäste als früher. <BR /><BR /><b>Laut dem aktuellen WIFO-Wirtschaftsbarometer fällt die Umsatzentwicklung in der Gastronomie verhalten aus – vor allem weil die italienischen Urlauber weniger ausgeben. Woran könnte das liegen?</b><BR />Berger: Ein ähnliches Muster kennen wir bereits vom deutschen Gast, bei dem die Zurückhaltung oft mit der schwächelnden Wirtschaftslage zusammenhängt. Gespart wird dabei aber nicht bei der Buchung des Urlaubsortes selbst, sondern bei den Nebenausgaben vor Ort. Dieses Verhalten spüren wir seit Monaten auch beim italienischen Gast und wird auch von nationalen Studien bestätigt: der Italiener verzichtet ungern auf seinen Urlaub, ist aber zurückhaltender, wenn es um Ausgaben für Seilbahnen, Restaurants oder Bars geht.