Seit nunmehr sechs Jahren würdigen die Stiftung Südtiroler Sparkasse, das Landesdenkmalamt und der Hoteliers- und Gastwirte verband mit dem Wettbewerb „Der historische Gastbetrieb des Jahres“ die Eigentümer, die nach streng denkmalpflegerischen Kriterien ihre Hotels restauriert und geschützt haben. „Es ist wichtig, dass ein solches Projekt von der Politik, der Wirtschaft und der Bevölkerung mitgetragen wird. Nur so kann unsere Vision und Mission, Denkmäler dauerhaft zu erhalten, erfüllt werden“, sagte Karl Pichler, Verwaltungsratsmitglied der Stiftung Südtiroler Sparkasse, bei der Präsentation des Preisträgers. „Es liegt im öffentlichen Interesse diese Herausforderung anzunehmen, nicht zuletzt da historische Gebäude als Zeugnis vergangener Zeiten unsere Kultur und Entwicklung aufzeigen“ „Anerkennung des besonders sorgsamen Umganges mit dem wertvollen Bauwerk“So wurde der Pension Briol in Barbian-Dreikirchen „in Anerkennung des besonders sorgsamen Umganges mit dem wertvollen Bauwerk bei gleichzeitiger Bewahrung seiner historischen Authentizität“ die Auszeichnung „Historischer Gastbetrieb des Jahres 2012“ zuerkannt.Karl Pichler dankte der Familie von Klebelsberg, die mit außergewöhnlichem Verständnis und Verantwortungsgefühl ihren Betrieb über all die Jahre geführt dazu beigetragen habe, Südtirol als alpine Kulturlandschaft – in all seiner Vielfalt- zu erhalten und zu etablieren. Die besondere Anerkennung wurde dem alteingesessenem Wirtshaus „Vögele“ in Bozen „in Berücksichtigung der besonders gelungenen Verbindung von historischer Bausubstanz und eleganter Erneuerung im Sinne stetigen Weiterbauens“ zugesprochen.Die Pension Briol - ein Architekturdenkmal aus der ZwischenkriegszeitNach Jahren, in denen zumeist historische Gastbetriebe aus der Zeit der Jahrhundertwende, der sogenannten Belle Époque, ausgezeichnet wurden (Parkhotel Holzner, Parkhotel Laurin oder Hotel Elephant), ist der diesjährige Sieger ein Architekturdenkmal aus der Zwischenkriegszeit, ganz dem nüchternen Bauhausstil verpflichtet, der sich im sachlichen Einsatz der Materialien wie der puristischen Formgebung und Ausstattung widerspiegelt. 1928 von dem Innsbrucker Maler und Architekten Hubert Lanzinger im Stile der Neuen Sachlichkeit umgestaltet, ist die Pension bis heute ins Detail unverändert geblieben. „Hubert Lanzinger ist mit der Pension Briol ein zeitlos stimmiges Ambiente gelungen. Inspiriert an Adolf Loos, dem Wegbreiter des Funktionalismus, steht inmitten eines Idylls ein Gebäude, fern von Kitsch und so rein, dass man in Andacht versinken möchte“, so Landeskonservator Leo Andergassen. „Die universelle Harmonie von Haus und Umgebung spiegelt sich bis zur Vollendung auch im Inneren wider, wo in bester Bauhausmanier ein Gesamtkunstwerk geschaffen wurde und vom Geschirr über die Einrichtung bis zur Farbgebung alles aufeinander abgestimmt ist“, bekräftigte Franz Caramelle, Jurymitglied und ehem. Landeskonservator von Tirol. Peter Plattner, Jurymitglied und Architekt stimmte in den Tenor ein: „Aus der Warte des Architekten kann ich behaupten, dass bei der Vielfalt an touristischen Angeboten, sich historische Gastbetriebe tendenzunabhängig zeigen. Das Erlebnis, das ein Gast in jedem dieser Betriebe erfährt, ist einzigartig und unverwechselbar.“ Besondere Auszeichnung für VögeleDas Bozner Wirtshaus „Vögele“ (ehemals Roter Adler) wurde von der Jury als traditionsreichstes Wirtshaus in der Bozner Altstadt mit einer besonderen Auszeichnung gewürdigt. Mit Liebe zum Detail strahle es nach wie vor eine einzigartige Atmosphäre aus.Seit 1871 ist das Wirtshaus in Besitz der Familie Kamaun, seit 20 Jahren von der Familie Alber in Pacht.Helmut Stampfer, Jurymitglied und ehemaliger Landeskonservator, betonte, dass in einer Zeit des Gasthaussterbens, das auch die Südtiroler Stadt- und Dorfzentren erfasst hat, „das vorbildliche Engagement der Eigentümerinnen und der Pächterfamilie Alber beweist, dass historische Wirtshäuser im harten Wettbewerb von heute durchaus bestehen und funktionale Erschwernisse durch unverwechselbare Charakteristik und unnachahmlichen Charakter wettmachen können.“ HGV Präsident Walter Meister stimmte dem zu und erklärte, dass der konkrete Beitrag zur Erhaltung unseres kulturellen Erbes öffentliche Anerkennung verdiene. Die bisherigen Preisträger waren das Hotel Drei Zinnen (Sexten), das Parkhotel Holzner (Oberbozen), der Ansitz Zum Steinbock (Villanders), der Zirmerhof (Radein), das Parkhotel Laurin (Bozen) und das Hotel Elephant.