Freitag, 08. Mai 2020

Höchste US-Arbeitslosenquote seit Aufzeichnungsbeginn

Die Arbeitslosenquote in den USA ist im April infolge der Coronavirus-Pandemie auf 14,7 Prozent angestiegen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem 2. Weltkrieg, teilte die US-Regierung am Freitag mit. Vor Beginn der Krise im Februar war die Arbeitslosenquote noch bei 3,5 Prozent gelegen, im März war sie auf 4,4 Prozent gestiegen.

Vor Krisenbeginn im Februar lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent.
Vor Krisenbeginn im Februar lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent. - Foto: © APA (AFP/GETTY/Archiv) / STEPHANIE KEITH
In den USA beantragten wegen der Coronakrise seit März bereits mehr als 33 Millionen Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe. Die Arbeitslosenquote für April erfasst wegen einer verzögerten Datenerhebung nur die Lage bis Mitte des Monats. Die Quote dürfte daher wohl noch nicht das ganze Ausmaß der Jobkrise widerspiegeln.

In der US-Geschichte gab es nur während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er- und 30er-Jahren eine höhere Arbeitslosenquote. Damals erreichte die Quote Schätzungen zufolge rund 25 Prozent.

Fast alle 50 Bundesstaaten verhängten im März Ausgangsbeschränkungen, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen. Damit kam das öffentliche Leben für die Mehrheit der rund 330 Millionen Amerikaner zum Erliegen. Viele Geschäfte, Einkaufszentren und Betriebe wurden geschlossen, Restaurants und Hotels blieben leer. Viele Mitarbeiter dieser Unternehmen beantragten Arbeitslosenhilfe. Auch Kündigungen sind in den USA einfacher und schneller möglich.

Seit Anfang des Monats haben viele Bundesstaaten damit begonnen, die Coronavorschriften wieder langsam zu lockern - obwohl die Pandemie vielerorts noch längst nicht unter Kontrolle scheint. US-Präsident Donald Trumps Regierung hofft darauf, dass sich Arbeitsmarkt und Wirtschaft ab dem 3. Quartal wieder rasant erholen werden.

Tiefe Rezession steht bevor

Bis Februar hatte die US-Konjunktur noch gebrummt, an der Börse wurden Höchststände gemeldet und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von gut 2 Prozent. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Die USA steuern inzwischen trotz massiver Konjunkturpakete auf eine tiefe Rezession zu.

Das dürfte Trump höchst ungelegen kommen, der sich bei der Wahl im November um eine 2. Amtszeit bewirbt. Der Präsident machte zuletzt Druck, die Beschränkungen der Bundesstaaten gegen die Pandemie aufzuheben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dafür will er auch in Kauf nehmen, dass es weiter Neuinfektionen und Tote geben wird.

Forschern der Universität Johns Hopkins zufolge wurden in den USA bisher rund 1,26 Millionen Corona-Ansteckungen nachgewiesen. Das entspricht etwa jeder dritten bekannten Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 weltweit. Mehr als 75.000 Menschen starben in den USA.

Auch in Kanada stieg die Arbeitslosigkeit erneut sprunghaft an. Im April habe die Rekordzahl von fast zwei Millionen Menschen ihre Jobs verloren, teilte die Statistikbehörde des nordamerikanischen Landes am Freitag mit. Im März waren bereits etwas mehr als eine Million Menschen arbeitslos geworden. Damit stieg die Arbeitslosenquote in dem geografisch zweitgrößten Land der Erde von 7,8 Prozent im März auf 13 Prozent. Seit Aufzeichnung der Daten 1976 hatte diese Quote nur einmal höher gelegen - im Dezember 1982 lag sie bei 13,1 Prozent

Auch in Kanada gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Ausgangsbeschränkungen, die sich auf den Arbeitsmarkt auswirken. Rund 65.000 Menschen haben sich in Kanada bisher mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt, mehr als 4.400 sind daran gestorben.

apa