Lesen Sie hier, wie Daniela Cermakova vom Stadtmarketing Brixen die Leerstanderhebung einordnet und welche Handlungsfelder sie daraus ableitet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339308_image" /></div> <b><BR />Das Stadtmarketing Brixen hat im Dezember 2025 beim hds eine Leerstands- und Branchenmixerhebung in Auftrag gegeben. Was hat sie ergeben?</b><BR />Daniela Cermakova: Dass die Leerstandsquote in der Brixner Altstadt höher ist/war als in den vergleichbaren Südtiroler Bezirksstädten. Die Quote ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, weil sie eine Momentaufnahme ist. Wir haben erst kürzlich eine weitere Leerstandserfassung vorgenommen, und schon lag die Quote um zwei Prozentpunkte tiefer. Die Studie soll vor allem auf mittelfristige Sicht dienlich sein, um Trends zu erkennen – weniger, um Alarmstimmung zu verbreiten. Wichtig ist, dass sich der Sockelleerstand – also Geschäfte, die wegen ihres baulichen Zustands oder hoher Sanierungskosten über Monate und Jahre leer bleiben – in Grenzen hält. Das ist in Brixen der Fall. Nicht jedes Geschäft, das kurzzeitig geschlossen ist, ist automatisch ein Leerstand. Es gibt viele im Umbau befindliche Immobilien, vor allem unter den Lauben. <BR /><BR /><b>Gibt es Unterschiede in den Bereichen Handel, Gastronomie und Dienstleistungen?</b><BR />Cermakova: Über die Hälfte der leerstehenden Wirtschaftsimmobilien sind vormals für Einzelhandelstätigkeit genutzt worden.<BR /><BR /><b>Was sind die Hauptgründe für längerfristige Leerstände?</b><BR />Cermakova: Die meisten leerstehenden Flächen sind grundsätzlich marktfähig und könnten ohne größere Investitionen wieder genutzt werden. Längerfristige Leerstände entstehen häufig durch überhöhte Miet-/Verkaufspreisvorstellungen, ungeklärte Eigentumsverhältnisse oder langwierige Entscheidungsprozesse. Zudem verändern sich die Anforderungen an Handelsflächen, sodass nicht jedes Geschäftsmodell heute noch an jedem Standort funktioniert. Fakt ist auch, dass zwischen Personal- und Energiekosten die Margen im Einzelhandel geringer werden.<BR /><BR /><b>Welche Handlungsfelder leiten Sie daraus ab?</b><BR />Cermakova: Es gibt derzeit keinen Anlass zur Panik. Entscheidend ist, die Entwicklung kontinuierlich zu beobachten und proaktiv gegenzusteuern. Wir suchen aktiv das Gespräch mit – neben Immobilienmaklern, Wobi, hds und Gemeinde – den Hauseigentümern in der Altstadt, um das Bewusstsein dafür zu stärken, dass marktgerechte Mieten im Interesse aller liegen: Langfristige Leerstände mindern die Attraktivität der Altstadt und den Wert der Immobilie. Geplant ist eine Umfrage zum Thema Leerstand und Zukunft der Altstadtbetriebe als Grundlage für weitere Maßnahmen. Definierte Handlungsfelder sind zudem: die temporäre Bespielung von Leerständen, etwa durch ‚Brixen for Kids‘, die Weiterentwicklung des Bauernmarktes als Frequenzbringer und Treffpunkt, die touristische Produktentwicklung vor allem in den Nebensaisonen für zusätzliche Besucherfrequenz und die Unterstützung der landesweiten Kundenbindungsinitiative des hds zur Stärkung des lokalen Handels – neben laufenden Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Unser zentrales Ziel ist es, die Brixner Altstadt langfristig lebendig zu halten. Dazu braucht es das Zusammenspiel von Wirtschaft, Tourismus, Politik, Immobilieneigentümern und Bevölkerung.