Montag, 11. Mai 2020

Hotel Masatsch schließt

Die Lebenshilfe wird das Inklusionshotel Masatsch in Oberplanitzing schließen. Dies teilte der Verein in einer Mitteilung am Montagnachmittag mit. Grund für die Schließung seien Budgetprobleme, die sich mit der aktuellen Covid-19-Krise in einem Maß zugespitzt haben, dass die Kosten für die Führung des Hotels trotz Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen nicht mehr gestemmt werden können.

Das Hotel Masatsch muss schließen.
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Das Hotel Masatsch muss schließen. - Foto: © Lebenshilfe
Die wirtschaftliche Führung einer im doppelten Sinn sozialen Einrichtung, die auf der einen Seite ein Ort der Arbeitsinklusion war und auf der anderen Seite barrierefreien Urlaub für Gäste aus dem In- und Ausland ermöglichte, stellte die Lebenshilfe von Beginn an vor große Herausforderungen, die seit 2008 Jahr für Jahr angegangen worden waren. Als Erfolg ist zu werten, dass zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsservice eine reguläre Anstellung erhielten und ihre Fähigkeiten im Kontext des Gastgewerbes unter Beweis stellen konnte.

Zuspitzung der Situation durch Corona

Dem Hoteldirektor stand ein pädagogischer Mitarbeiter zur Seite, dessen Aufgabe es war, die sozialen Zielsetzungen der Einrichtung im Auge zu behalten. Auf diese Weise wurde das Hotel Masatsch zu einer südtirolweit einzigartigen Einrichtung. Zum Zweck der Kostendeckung wurden unter anderem das Restaurant erweitert und neue Zimmer dazugebaut, doch das Ziel der kostendeckenden Führung konnte trotz aller Bemühungen nie erreicht werden. Einer der Hauptfaktoren für diese Situation waren die hohen Abschreibungskosten auf die durch Eigenmittel getätigten Investitionen in ein nicht im Besitz der Lebenshilfe befindliches Gebäude. Ein weiterer Faktor war die Tatsache, dass das Hotel Masatsch als ganzjährig geführter Betrieb im Prinzip nur in der Sommersaison zwischen April und Oktober aktiv sein konnte, wie für die Gastbetriebe im gesamten Überetsch kennzeichnend.

Die extreme Zuspitzung der Gesamtsituation durch die aktuelle Covid-19-Krise würde die Lebenshilfe mit einer Weiterführung des Hotel Masatsch in unüberbrückbare Schwierigkeiten bringen. Diese Belastung würde nicht zuletzt auf Kosten aller anderen Angebote gehen, was den Menschen mit Beeinträchtigung, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, nicht zugemutet werden kann. Die Entscheidungsspielräume der gesamten Lebenshilfe würden in einer Weise eingeengt, die der vielseitigen Ausrichtung des Gesamtverbands mit seinen anderweitigen Arbeits- sowie seinen Wohn-, Freizeit- und therapeutischen Angeboten widersprechen würde.

Großes Bedauernüber Schließung– Inklusionsmitarbeiter werden auch in Zukunft begleitet

Die Lebenshilfe bedauert die Schließung des Hotel Masatsch, musste aber deren Notwendigkeit zur Kenntnis nehmen. Trotz der budgetären Engpässe bei seiner Führung stellt sie jedoch fest, dass sich das Projekt gelohnt hat. Menschen mit Beeinträchtigung konnten wertvolle Arbeitserfahrungen machen, von denen sie mit Sicherheit profitieren werden. Die bisherigen Inklusionsmitarbeiter werden weiterhin von der Lebenshilfe unter Miteinbeziehung der Landespolitik, der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland sowie des Arbeitsservice begleitet, um individuelle Lösungen für die berufliche Zukunft zu finden.

Mit der Schließung des Hotel Masatsch hat die Lebenshilfe einen Schlussstrich unter eine unhaltbare Budgetsituation gezogen. Im Einvernehmen mit der Abteilung Soziales soll nun die weitere Nutzung des Gebäudes besprochen werden.

Aktion „Rettet Masatsch“

Wie berichtet, wurde vergangene Woche aufgrund der drohenden Schließung die Aktion „Rettet Masatsch“ ins Leben gerufen. Auch die Junge Generation Kaltern forderte die Unterstützung der Landesregierung und der Gemeindeverwaltung zur Sicherung und zum Erhalt dieser wichtigen Einrichtung und der damit zusammenhängenden Arbeitsplätze. Auch die Grünen fordern die Landesregierung auf im Rahmen der ersten Maßnahmen für die Betriebe eine Sonderförderung für das soziale Vorzeigeprojekt „Masatsch“ zu beschließen. „In einem so reichen Land wie Südtirol dürfe nicht als erstes bei den Schwächsten gespart werden“, appelierte auch die Südtiroler Freiheit.

stol