Dieser findet auch kritische Worte für aktuellen Entwicklungen.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="742907_image" /></div> <BR /><b>Herr Dorfer, vieles deutet darauf hin, dass es nach 2 Jahren endlich wieder eine Frühjahrssaison in Südtirol geben könnte. Womit rechnen Sie?</b><BR />Heinrich Dorfer: Ich erwarte mir im Grunde Sommermonate, die ähnlich stark verlaufen könnten wie im Vorjahr, nur diesmal eben ausgedehnt auf das Frühjahr. Allerdings lässt sich anhand der Buchungen erkennen, dass das Geschäft so richtig wohl erst im April anziehen wird. Über Fasching waren wir mit der Auslastung zufrieden, der März dürfte hingegen noch schwierig bleiben. <BR /><BR /><b>Könnte es Südtirol in diesem Frühjahr/Sommer nicht wieder schwerer haben, weil Reisen auch in weiter entfernte Märkte wieder leichter möglich sein dürfte und so mancher ordentlich Fernweh verspürt?</b><BR />Dorfer: Mit Blick auf unsere wichtigsten Gästegruppen, also Urlauber aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien, denke ich, dass Südtirol sehr gute Karten haben wird. Auch heuer werden viele noch Destinationen vorziehen, die in einigen Autostunden erreichbar sind. Und zwar weil sich diese Gäste dann einfach sicherer fühlen. Sollte es wider Erwarten zu einer Verschlechterung der Pandemie-Situation oder gar zu neuen Einschränkungen kommen, ist der Weg zurück nach Hause nicht weit. Das beruhigt viele. Wir werden also auch 2022 eher mit Destinationen im näheren Umkreis konkurrieren müssen als mit den typischen Sommerdestinationen des internationalen Tourismus. <BR /><BR /><b>Bewahrheitet sich Ihre Prognose, dürfte ein Problem einmal mehr akut werden: der Arbeitskräftemangel im Tourismus. Sind Sie denn personell gerüstet?</b><BR />Dorfer: Natürlich spüre auch ich den Arbeitskräftemangel, keine Frage. Allerdings muss ich sagen, dass mir für die bevorstehende Saison nur 4 bis 5 Mitarbeiter fehlen – von insgesamt 300, die wir im „Quellenhof“ in Passeier beschäftigen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53175277_quote" /><BR /><BR /><b>Das klingt nicht besonders dramatisch. Was machen Sie anders als andere Arbeitgeber in Ihrer Branche?</b><BR />Dorfer: Ich versuche den Mitarbeitern einen fixen Arbeitsplatz zu bieten – unabhängig von der Buchungslage. Es hat genügend Zeiten gegeben in den letzten 2 Jahren, in denen mehr Mitarbeiter als Gäste im Betrieb waren, aber das war für mich nicht entscheidend. Viel wichtiger war es mir, die Mitarbeiter zu halten, darum habe ich sie weiter beschäftigt und auch den Anteil an Ganzjahresstellen ausgebaut. Neben dem Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren der Wunsch nach mehr Flexibilität vonseiten der Mitarbeiter immer größer geworden. Dem versuche ich soweit als möglich nachzukommen. <BR /><BR /><b>Flexibilität oder 5-Tage-Woche?</b><BR />Dorfer: Ich sage ganz bewusst Flexibilität, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es den Mitarbeitern vor allem darum geht. Sie wollen nicht von einem starren 6-Tage-Modell in ein ebenso starres 5-Tage-Modell übergehen, sie wollen die Wahl haben so viel zu arbeiten, wie es zu ihrer aktuellen Lebenssituation passt. Das kann für einen Mitarbeiter bedeuten, dass er 4 Tage in der Woche arbeitet, dafür etwas weniger verdient, während ein anderer 6 Tage im Betrieb ist und ein dritter immer nur morgens oder abends arbeitet. Wir stecken mit den Mitarbeitern vor Saisonbeginn den Rahmen ab, so haben beide Seiten Planungssicherheit. Unter diesen Voraussetzungen und bei einer angemessenen Entlohnung muss sich unser Sektor auch nicht vor einer Massenabwanderung von Mitarbeitern in andere Branchen fürchten. Der Tourismus kann sehr wohl attraktive Arbeitsplätze bieten, nur muss er eben auf die geänderten Bedürfnisse der Bewerber reagieren – mit mehr Flexibilität. <BR /><BR /><b>Klingt fast so, als wäre das Personalproblem für Sie keines…</b><BR />Dorfer: Wie gesagt, es betrifft mich natürlich auch, ebenso wie Unternehmen in anderen Sektoren. Aber man kann etwas dagegen unternehmen und mitunter sogar Arbeitskräfte von anderen Bereichen anlocken, wenn man es geschickt macht. Ebenso wichtig ist es jedoch, einige etablierte Praktiken aufzuweichen, die verhindern, dass das bestehende Arbeitskräftepotenzial für den Tourismus auch ausgeschöpft werden kann.<BR /><BR /><b>Wovon sprechen Sie?</b><BR />Dorfer: Ich erkläre es Ihnen anhand eines Beispiels aus meinem Betrieb. Im November und Dezember des letzten Jahres haben wir gut gearbeitet, die Auslastung war ordentlich und eigentlich auch besser als erwartet. Wir hätten in dieser Zeit noch einige Arbeitskräfte mehr benötigt. Nur war es nicht möglich, an diese zusätzlichen Arbeitskräfte zu kommen. Im Raum Meran waren zu dieser Zeit bis zu 3000 Mitarbeiter aus dem Tourismus in den Arbeitslosenlisten eingetragen, sie kassierten also Arbeitslosengeld, obwohl sie die Möglichkeit hatten, in den Betrieben, die geöffnet waren, dazu zählte auch meiner, zu arbeiten. Das finde ich nicht richtig. Diese Praxis, sich nach Ende einer Saison in die Arbeitslosenlisten einzutragen und sich dann einige Monate auf Kosten des Steuerzahlers auszuruhen, ist eine soziale Ungerechtigkeit, die man schnellstens beseitigen sollte. Ich weiß, dass viele Gewerkschaftsvertreter dies anders sehen, aber ich bleibe dabei: Entweder jemand nutzt die Möglichkeiten, die der Arbeitsmarkt bietet, oder er soll eben nichts tun, dafür aber nicht auch noch vom Staat dafür bezahlt werden. Diese Praxis, die sich im Tourismus ständig wiederholt, gehört beseitigt – da ist natürlich Rom am Zug.<BR /><BR /><embed id="dtext86-53175278_quote" /><BR /><BR /><b>Kommen wir zu einem anderen Thema, das nicht minder kontrovers diskutiert wird: das neue Landesentwicklungskonzept für den Tourismus. Was sagen Sie als einer der größten Hoteliers im Land dazu, müssen Sie sich nun von weiteren Expansionsplänen endgültig verabschieden?</b><BR />Dorfer: Ich plane keine zusätzliche Erweiterung der Struktur. Eine läuft gerade noch, sie sieht die Erhöhung der Kapazitäten von 400 auf 450 Betten vor, dann reicht es. Ich finde es grundsätzlich gut, sich als Tourismusland die Frage zu stellen, ob Südtirol tatsächlich weiteres Wachstum benötigt. Was die größeren Betriebe betrifft, sind wir wohl am Zenit angelangt, aber die kleinen Strukturen müssen die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln – das halte ich für sehr wichtig. Wenn man diese Möglichkeiten durch einen Bettenstopp zunichtemacht, ist das für das touristische Angebot nicht gut. Ein junger, gut ausgebildeter Mensch, der einen kleinen elterlichen Tourismusbetrieb übernehmen möchte, wird das Geschäft wohl nicht weiterführen, wenn er nicht die Aussicht hat, den Betrieb weiterzuentwickeln. In St. Martin im Passeiertal gab es in den 1980er-Jahren noch 1500 Gästebetten, 2 Drittel davon gibt es heute nicht mehr – wenn man den „Quellenhof“ nicht mitberücksichtigt. Das heißt, sehr viele kleinere Strukturen sind verschwunden. Mit einem radikalen Bettenstopp würden wohl viele der verbliebenen Betriebe im Ort über kurz oder lang aufgeben. Das wiederum wäre ein enormer Verlust für den ganzen Sektor.<BR /><BR /><b>Sie sind bekanntlich Eigentümer eines weiteren Hotels, „Quellenhof“ in Lazise. Wie geht man am Gardasee mit Touristikern um, ist es dort einfacher, Projekte im Tourismus durchzubringen?</b><BR />Dorfer: Die Wege sind oft länger, weil Themen wie der Landschaftsschutz immer verpflichtend mitberücksichtigt werden müssen. Das heißt, von der Planung bis zum Baubeginn kann es schon mehrere Jahre dauern. Allerdings steht man touristischen Investitionen grundsätzlich sehr positiv gegenüber, so etwas wie einen Bettenstopp gibt es nicht. Immer wieder werde ich sogar von Bürgermeistern aus der Gardaseeregion kontaktiert und gefragt, ob ich denn nicht wieder in ein Projekt vor Ort investieren wolle.<BR /><BR /><b>Und, wollen Sie?</b><BR />Dorfer: Konkret geplant ist noch nichts, aber es ist durchaus möglich, dass ich mittelfristig wieder ein Projekt am Gardasee in Angriff nehmen werde.