s+ hat das Thema der steigenden Preise für Strom und Gas durchforstet und 6 Kernfragen ausführlich beantwortet.<BR /><BR /><BR /><b>Wie stark sind die Preise für Strom und Gas gestiegen?</b><BR />Die Steigerungen der Strom- und Gaspreise haben die Verbraucher in Italien im letzten Quartal des Jahres zu spüren bekommen, als sie am sogenannten geschützten Markt, wo die Regulierungsbehörde Arera die Preise festlegt und nicht die einzelnen Anbieter, für Strom fast 30 Prozent und für Gas fast 15 Prozent mehr bezahlen mussten. Und das, obwohl die Regierung eingeschritten ist und einen Teil der Preissteigerungen abgefedert hat. Heuer gehen die Preissteigerungen weiter: Im ersten Quartal werden in Italien die Kosten am geschützten Markt für Strom um 55 Prozent, jene für Gas um 41,8 Prozent steigen, wie Arera mitgeteilt hat.<BR /><BR /><BR /><b>Wie viel Mehrkosten kommen auf Familien und Unternehmen zu?</b><BR />Nach Angaben von Arera wird eine Durchschnittsfamilie binnen 12 Monaten, also von April 2021 bis April 2022, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beim Strom mit Mehrkosten von rund 335 Euro zu rechnen haben, beim Gas seien es 610 Euro. Arera-Präsident Stefano Besseghini sprach von einer „absoluten Ausnahmesituation“. „Wir sind uns bewusst, dass wichtige Teile der Gesellschaft jetzt mit ernsten und unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert sind“, sagte er kürzlich. <BR />Zunehmend Sorgen machen sich aber auch die Unternehmen. Der italienische Kaufleuteverband Confcommercio warnte bereits, dass einige Unternehmen nach der Coronakrise diesen Preisschock nicht überleben würden. Denn laut Berechnungen von Confcommercio steigen beispielsweise für ein Hotel mit einem Stromverbrauch von 260.000 Kilowattstunden pro Jahr und einem Verbrauch von 18.000 Kubikmetern Gas die jährlichen Ausgaben von 59.000 Euro auf 98.000 Euro.<BR />Auch in Südtirol sind die Wirtschaftsverbände alarmiert. „Die hohen Strompreise stellen eine riesige Herausforderung für die Unternehmen dar“, betonte kürzlich der Präsident des Wirtschaftsverbandes für Handwerk und Dienstleister (lvh), Martin Haller. Und der Vizepräsident des Unternehmerverbandes Südtirol (UVS), Markus Kofler, forderte: „Es müssen sofort Eingriffe bei den Systemkosten und bei der Besteuerung erfolgen, denn dies ist die einzige Möglichkeit, um rasch den Anstieg der Energiekosten einzubremsen. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig mit anderen Ländern, wo derartige Maßnahmen bereits umgesetzt wurden.“ <BR /><BR /><BR /><b>Wie ist es überhaupt zu diesen Preissteigerungen gekommen?</b><BR />Dafür gibt es viele Gründe. Erstens hat die Wirtschaft nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 im vergangenen Jahr weltweit wieder stärker als erwartet angezogen, weswegen auch die Nachfrage nach Energie gestiegen ist. Vor allem Gas wird gebraucht, weil es nicht nur zum Heizen genutzt wird, sondern auch für die Stromproduktion.<BR /> Dass die Unternehmen weltweit mehr produzieren, war in Vergangenheit weniger ein Problem, weil es vor Corona ein zeitlich versetztes Wirtschaftswachstum in den unterschiedlichen Weltregionen gab, wie etwa der deutsche Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärt. „Nun wurde dieses durch die konjunkturelle Erholung durch Corona synchronisiert.“ Dies habe in allen Weltregionen gleichzeitig zu einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen geführt.<BR />Gleichzeitig ist aber auch das Angebot an Energie gesunken. Vor allem die Gaslieferungen konnten nicht mit dem unerwartet starken Wirtschaftswachstum Schritt halten. Besonders Russland, von wo der Großteil der Erdgasversorgung der EU stammt, liefert deutlich weniger als erforderlich. Aber auch die Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen hat vergangenes Jahr geschwächelt. Denn Teile Europas waren von einer ungewöhnlichen Windflaute betroffen, sodass deutlich weniger Energie aus Windkraft produziert werden konnte, und zudem stand weniger Strom aus Kernkraft zur Verfügung.<BR />Dass die Erdgaslager wegen der kalten Witterung im Frühjahr unzureichend aufgefüllt waren, hat die Lage weiter verschlechtert. Dazu kommt, dass im letzten Quartal 2021 die Temperaturen unter den saisonalen Durchschnittswerten lagen, was die Nachfrage nach Erdgas für Heizzwecke angeheizt hat, wie die Experten von Arera erklären. <BR />Die Preise für Gas und Strom sind dadurch an den Börsen nach oben geschossen: Der Preis für Erdgas stieg am europäischen Referenzmarkt im letzten Jahr um fast 500 Prozent (von 21 auf 120 Euro je Megawawattstunde im Monatsdurchschnitt), wie Arera berichtete. Der Stromgroßhandelspreis kletterte im gleichen Zeitraum um fast 400 Prozent (von 61 Euro auf 288 Euro je Megawattstunde im Monatsdurchschnitt) nach oben.<BR /><BR /><BR /><b>Auch die CO2-Zertifikate haben sich verteuert. Hatte das auch Auswirkungen?</b><BR />Ja. Zur Verteuerung der Stromproduktion in Gaskraftwerken trägt neben dem Preisanstieg beim Erdgas auch die starke Verteuerung der CO2-Zertifikate bei. Um die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu fördern, müssen Anlagenbetreiber, die fossile Brennstoffe – also Erdgas, Erdöl und Kohl – einsetzen, Emissionszertifikate bei den Versteigerungen durch die EU-Kommission erwerben. Werden zusätzliche solche „Verschmutzungsrechte“ benötigt, kann man sie auf dem Markt zukaufen. Für eine Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid mussten Anfang 2021 rund 33 Euro bezahlt werden. Bis Ende 2021 ist der Preis der Emissionszertifikate auf über 79 Euro gestiegen. Kraftwerksbetreiber, die über zu wenig CO2-Zertifikate verfügen, müssen die benötigten Zertifikate kaufen oder die Leistung des Kraftwerks drosseln.<BR /><BR /><BR /><b>Was tut die Regierung?</b><BR />Um die Folgen dieser Preisexplosion für Familien und Unternehmen abzumildern, hat die Regierung im letzten Quartal 2021 übergangsweise die sogenannten Systemaufwendungen gestrichen, sie werden also nicht mehr über die Stromrechnung von den Kunden bezahlt, sondern aus Steuermitteln vom Staat finanziert. Zudem hat sie den sogenannten Sozialbonus für Familien in Schwierigkeiten gestärkt und die Mehrwertsteuer auf Gas für das Quartal auf 5 Prozent gesenkt.<BR />Weitere Maßnahmen hat die Regierung am Freitag beschlossen. Insgesamt hat sie im dritten Unterstützungsdekret („sostegni ter) 4 Milliarden Euro bereitgestellt, um die Rechnungen der Energieverbraucher zu senken. Unter anderem sollen die Kosten für die Systemaufwendungen auch im ersten Quartal 2022 gestrichen werden und für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch wird es einen Beitrag geben, um die Mehrkosten teilweise auszugleichen. Es handelt sich dabei um eine Steuergutschrift in Höhe von 20 Prozent der Energieausgaben im ersten Quartal 2022. <BR /><BR /><BR /><b>Wie schauen die Prognosen aus?</b><BR />Vorerst nicht so rosig. Die Regulierungsbehörde Arera schätzt, dass sich im ersten Quartal 2022 noch keine Trendwende abzeichnen wird. Allerdings geht die Europäische Zentralbank davon aus, dass sich die Energiepreise zumindest heuer im Laufe des Jahres schon stabilisieren werden.<BR /><BR />