Allein in den vergangenen 18 Monaten haben acht Finanzinstitute im italienischsprachigen Kanton Tessin ihre Türen geschlossen oder sind verkauft worden. Vier davon gehörten italienischen Banken.Im Juli veräußerte Italiens größte Bank. die Mailänder Bank Austria-Mutter UniCredit, ihr Schweizer Geschäft für rund 42 Mio. Euro.Im September verkaufte der italienische Versicherer Fondiaria-SAI das private Geldhaus Banca Gesfid an die Schweizer Privatbank PKB für rund 100 Mio. Euro. „Die großen italienischen Banken werden früher oder später alle weggehen und einfach zumachen oder verkaufen“, sagte der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der PKB, Fernando Zari.Experten begründen diese Entwicklung mit Razzien in der italienischen Heimat wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, geringeren Erträgen seit der Finanzkrise und strengeren Kontrollen bei der Einhaltung des Bankgeheimnisses. Vor allem im grenznahen Kanton Tessin bunkerten einige Italiener lange Zeit ihre Vermögen in einer Art Steueroase. Der Bankenverband der Region hatte im vergangenen Jahr die Vermögenswerte seiner Mitglieder mit etwa 280 Milliarden Euro beziffert.Die klamme italienische Regierung geht nun jedoch massiv gegen Steuerflüchtlinge vor. Unter Wirtschaftsminister Giulio Tremonti wird die Steuer-Amnestie von Geldern im Ausland schärfer kontrolliert.Italiener, die in die Schweiz reisen, werden von der Polizei durchsucht und Straßenkameras nehmen Auto-Kennzeichen auf. Seit einer Zollerklärung im April sind 39 Milliarden Euro in die italienische Heimat zurückgeflossen.„Es herrscht eine Unvereinbarkeit zwischen der italienischen Regulierung und der Präsenz der Banken im Ausland“, sagte Finanzanalyst Bruno Chastonay. Der Vorsitzende des Verbandes der ausländischen Banken in der Schweiz, Martin Maurer, begründet die schwindende Präsenz italienischer Geldhäuser mit dem Verhältnis von Aufwand zu Rentabilität.apa/reuters