Mittwoch, 13. April 2022

„Immer mehr Südtiroler brauchen Lebensmittelausgabe und Sozialdienste“

Gewerkschaften schlagen Alarm: Es sei besorgniserregend, dass immer mehr Menschen in Südtirol die Lebensmittelausgabe und die Sozialdienste in Anspruch nehmen müssten. Und dies sei nur die Spitze des Eisbergs ist, denn viele würden die Hilfe aus Bescheidenheit gar nicht in Anspruch nehmen.

Immer mehr Südtiroler haben Probleme damit, ihre Rechnungen zu bezahlen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Die hohe Inflation wirke sich überdurchschnittlich auf lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel und Energiekosten aus, sagt der Sekretär der Rentnergewerkschaft des AGB/CGIL, Alfred Ebner. Es treffe vor allem diejenigen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, wie es auf zahlreiche ältere Menschen zutrifft, deren Renten vorläufig mit 1,7 Prozent angeglichen wurden, obwohl die Inflation momentan viermal so hoch ist, so Ebner.

Für ihn sei der Ausgleich der Inflation am 1. Januar 2023 positiv aber wenig hilfreich, um ausstehende Rechnungen heute zu bezahlen. Sorgen bereitet Ebner auch die künftige Inflationsprognose: „Bei einer Fortsetzung des Krieges besteht die Gefahr einer weiteren Verknappung des Rohstoffangebots, auch bei einigen Lebensmitteln, mit dem Risiko weiterer Preissteigerungen. Auch eine wirtschaftliche Rezession mit negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung ist nicht auszuschließen“.

„Löhne und Renten müssen der Inflation Rechnung tragen“

In den kommenden Monaten werde die Gewerkschaft gefordert sein, die Kaufkraft der Arbeitnehmer und Rentner zu sichern. „Löhne und Renten müssen der Inflation Rechnung tragen, ohne eine Spirale zu fördern, in der sich Preise und Löhne gegenseitig überholen. Einige mögliche Lösungen sind auch mit der Besteuerung verbunden. Die aus Preiserhöhungen resultierende Mehrwertsteuer könnte eingefroren oder in Form von Sozialleistungen für diejenigen umverteilt werden, die nicht über die Runden kommen. Insbesondere bei Energieprodukten gibt es steuerliche Spielräume, um den Bürgern und Unternehmen etwas Luft zu verschaffen“, betont Alfred Ebner.

Ähnlich alarmierende Töne schlug der ASGB-Vorsitzende Tony Tschenett im Interview mit STOL bereits vor einigen Wochen an: „Die Situation in Südtirol ist momentan leider so, dass viele Arbeitnehmer mit ihrem Lohn nicht mehr über die Runden kommen.“

Schon Anfang Februar forderte Tschenett daher die Politik auf, dringend einzugreifen und etwas zu tun, damit der Armutsanteil in der Südtiroler Gesellschaft in den kommenden Jahren nicht deutlich nach oben geht.

Bestätigt wurde die prekäre Lage auch von Stefan Plaikner von der Caritas-Schuldnerberatung: Während sich die Bürger vor dem Beginn der Pandemie vor allem für Beratungen in Sachen Kredit an die Caritas gewandt hatten, habe sich dies in den vergangenen beiden Jahren geändert. „Mittlerweile wird vor allem um finanzielle Unterstützung angefragt.“ Und Plaikner befürchtet, dass es noch schlimmer kommen könnte. Lesen Sie mehr im s+Artikel.




stol

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