<b>Herr Pellegrini, welche Charaktereigenschaft wird Ihnen als Präsident Südtiroler Wirtschaftsrings (SWR) besonders zugutekommen?</b><BR />Sandro Pellegrini: Ich bin sicher keiner, der laut ist, die Bühne braucht und gerne im Mittelpunkt steht. Meine Stärke ist, dass ich gut schlichten und vermitteln kann, Probleme löse ich am liebsten ruhig, sachlich und in kleineren Runden. <BR /><BR /><b>Ihre Vermittler-Qualitäten werden Sie im SWR auch brauchen, zumal die Interessen der Verbände mitunter stark gegenläufig sind.</b><BR />Pellegrini: Das stimmt. Als SWR-Präsident sehe ich meine Aufgabe darin, gemeinsame Positionen zu finden und voranzubringen. Für die Lobbyarbeit einzelner Sektoren fühle ich mich nicht zuständig, die soll von den jeweiligen Wirtschaftsverbänden betrieben werden. <BR /><BR /><b>Welche gemeinsamen Anliegen gibt es?</b><BR />Pellegrini: Wichtige Themen sind die Erreichbarkeit und die massiven Veränderungen, die mit der ökologischen und digitalen Transformation einhergehen. Es gibt gewisse Ängste – nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Gesellschaft, die man mit Druck nicht auflösen wird können. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63861087_quote" /><BR /><BR /><b> Sie haben in Ihrem Betrieb, der Firma Lemayr, in den letzten Jahren massiv in erneuerbare Energien und den Austausch des kompletten Maschinenparks investiert. Könnten Sie den Betrieben nicht vorherrschende Ängste nehmen, indem sie von konkreten Vorteilen aus der Praxis berichten?</b><BR />Pellegrini: Ich bin ein großer Befürworter des Wandels in Sachen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die Kosten-, Effizienz- und Wettbewerbsvorteile sehen wir bei uns im Unternehmen jeden Tag. Aber man muss die Betriebe zunächst gut informieren und ihnen dann Zeit geben, um die nötigen Investitionen und Umstrukturierungen planen und durchführen zu können. Über Nacht geht das nicht, zumal es unterschiedlichste Realitäten im Land gibt. Wenn wir ehrlich sind, gibt es nicht nur in der Wirtschaft ein gewisses Zögern, sondern auch in der Forschung. Vielfach ist das Ziel bekannt, man will weniger Ressourcen verbrauchen und Emissionen ausstoßen, der Weg dorthin, ist hingegen keineswegs in Stein gemeißelt. Denken wir zum Beispiel ans Thema Mobilität und Transport; für manche scheint der E-Antrieb die beste Lösung zu sein, für andere nicht. Mir liegt als SWR-Präsident aber noch etwas sehr am Herzen, was ich als ebenso wichtig erachte. <BR /><BR /><b>Wovon sprechen Sie?</b><BR />Pellegrini: Südtirol hat in den letzten Jahrzehnten einen beachtlichen Wohlstand aufgebaut. Nur leider erachten diesen Wohlstand immer größere Teile der Bevölkerung als selbstverständlich. Dementsprechend wird der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und der eigenen finanziellen Situation, der Qualität der Infrastrukturen und Dienstleistungen vor Ort usw. immer weniger gesehen. Mit anderen Worten: Die Wertschätzung für die Wirtschaft schwindet. In Sonntagsreden werden unsere Leistungen gerne und häufig gelobt, nur spiegeln sich die Worte nicht immer in den getroffenen Entscheidungen wider, auch fehlt manchmal die Rückendeckung in der Öffentlichkeit. Die Wirtschaft wird nicht selten in die letzte Reihe verfrachtet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63861088_quote" /><BR /><BR /><b>Sie meinen damit unter anderem die seit Jahren immer stärker werdende Tourismuskritik im Land?</b><BR />Pellegrini: Auch, aber nicht nur. Meine Aufgabe als SWR-Präsident wird es auch sein, häufiger zu betonen, dass die Wirtschaft ganz wesentlich zum Wohlstand und der Lebensqualität im Land beiträgt. Damit meine ich nicht nur den Tourismus, der Wertschöpfung vor allem vor Ort und in der Peripherie generiert, sondern auch die Exportwirtschaft, die eine enorm hohe Qualität liefert, dem internationalen Konkurrenzdruck standhält und den Namen Südtirols in die Welt hinausträgt. Alle Akteure sind wichtig – kleine, größere, lokal und international agierende. Vor diesem Hintergrund sehe ich meine Rolle auch als Botschafter der Wirtschaft im eigenen Land, der das Bild der Wirtschaft in Südtirol zurechtrückt. <BR /><BR /><i>Zur Person: Der Bozner Sandro Pellegrini ist mit seinem Bruder Andreas und Vater Mauro in der Geschäftsleitung der Firma Lemayr Gmbh und der Firma Partner Gmbh. Der Umsatz beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro jährlich und verteilt sich auf die Geschäftsbereiche Frischbackwaren, Tiefkühlprodukte und belegte Brote. Pellegrini ist zudem Vizepräsident des Wirtschaftsverbandes hds, der Handelskammer Bozen, der bilateralen Körperschaft EBK, der EMVA und der Bäckerinnung Südtirol.</i>