<BR />„Grundsätzlich sind faire Löhne wichtig und richtig. Sie sollten aber nicht automatisch angepasst werden, sondern sich unter anderem an Faktoren wie Leistung und Produktivität orientieren“, gibt <b>Mirko Marchiodi</b>, Direktor des <b>Unternehmerverbandes</b>, zu bedenken. Er verweist dabei auf den Status quo in der Privatwirtschaft, wo Gewerkschaften und Arbeitgeber Löhne im Rahmen von Kollektivverträgen regelmäßig neu verhandeln. <BR /><BR />Anders sei die Situation etwa in Österreich, wo Gehälter auch in der Privatwirtschaft automatisch an die Inflation angepasst würden. Erst kürzlich habe er sich dazu mit Kollegen aus Tirol ausgetauscht. „Dort verbucht man mittlerweile in den Unternehmen einen Anstieg der Personalkosten um 21 Prozent“, so Marchiodi. Das führe dazu, dass Stellen abgebaut und Unternehmen langfristig nicht mehr<BR /> wettbewerbsfähig seien.<BR /><BR />Auch <b>hds-Präsident Philipp Moser</b> berichtet von den negativen Erfahrungen, die man in der österreichischen Privatwirtschaft mit automatischen Inflationsanpassungen gemacht hat. „Es gleicht einem Lotteriespiel, da man nie wissen kann, wie sich Wirtschaft, Energiepreise und Co. in Zukunft entwickeln werden“, so Moser. <BR /><BR />Für viele Betriebe bestehe die Gefahr, dass sie die höheren Personalkosten nicht stemmen können, da sie die Preise ihrer Produkte nicht in gleichem Ausmaß anheben können – im schlimmsten Fall drohen Personalabbau oder sogar Betriebsschließungen. In automatischen Lohnanpassungen sieht Moser ein „schlechtes Zeichen für die Wirtschaft“. <BR /><BR /><b>lvh-Präsident Martin Haller</b> erinnert daran, dass sich die Inflation unterschiedlich stark auf die verschiedenen Sektoren auswirkt. In einer pauschalen und automatischen Anpassung der Gehälter sieht er daher keine Lösung. Stattdessen spricht sich Haller für die Beibehaltung des aktuellen Systems aus, in dem Sozialpartner in regelmäßigen Abständen die wirtschaftliche Situation analysieren und sektorale Gehaltsanpassungen durchführen. „Das System ist zwar aufwendiger, aber dafür auch um einiges genauer“, so Haller. <BR /><BR />Durchaus positiv bewertet hingegen der Vorsitzende des Südtiroler <b>Gewerkschaftsbundes</b>, <b>Tony Tschenett</b>, den geplanten Automatismus bei den Inflationsanpassungen des Landespersonals. „Bereits vor der Regierung Monti im Jahr 2001 waren die Mechanismen automatisch. Es ist daher gut, wieder dorthin zurückzukehren“, sagt der ASGB-Gewerkschafter. Eine automatische Anpassung stärke vor allem die Kaufkraft und führe dazu, dass Verträge nicht mehr hinter der Inflation zurückblieben. Die Privatwirtschaft sieht Tschenett hingegen vor allem in der Pflicht, die territorialen Kollektivverträge schneller zu erneuern und nicht auf die Erneuerung der gesamtstaatlichen Verträge zu warten.