Freitag, 31. Juli 2020

Inflation im Euroraum zieht überraschend an – Aber nur leicht

Die Inflation in der Eurozone ist überraschend im Juli leicht gestiegen. Die Verbraucherpreise zogen um 0,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum an, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag schätzte. Sie wies in ihrer Mitteilung darauf hin, dass im Juli Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus weiter aufgehoben wurden.

Inflation nimmt im Euroraum im Juli auf 0,4 Prozent zu – Experten hatten Rückgang auf 0,2 Prozent erwartet.
Inflation nimmt im Euroraum im Juli auf 0,4 Prozent zu – Experten hatten Rückgang auf 0,2 Prozent erwartet. - Foto: © shutterstock
Experten hatten hingegen mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 0,2 Prozent gerechnet, nach 0,3 Prozent im Juni. Trotz des leichten Anstiegs bleibt die Teuerung aber nach wie vor meilenweit von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt.

Die EZB strebt knapp 2 Prozent Inflation als Idealwert für die Konjunktur an, verfehlt dieses Ziel jedoch bereits seit Frühjahr 2013. Vor allem unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich im Juli. Sie kosteten 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Energie verbilligte sich dagegen deutlich um 8,3 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen zogen um 0,9 Prozent an.

Zu dem überraschenden Inflationsanstieg hat aus Sicht des deutschen LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert unter anderem die Tourismusbranche beigetragen. „Normalerweise gibt es in dieser Sommerphase die Last-Minute-Angebote, die immer Druck auf die Preise ausüben. Dieses Jahr ist da praktisch gar nichts.“ Der ausbleibende Effekt habe zu Verzerrungen geführt.

Während die Preise im Juli gemäß der für den europäischen Vergleich üblichen Berechnungsweise (HVPI) in Deutschland auf demselben Niveau wie im Vorjahr verharrten, fielen sie in einigen Euro-Staaten sogar. In Spanien etwa sanken sie um 0,7 Prozent, in Griechenland sogar um 1,9 Prozent. In Frankreich und Italien stieg die Teuerungsrate dagegen jeweils auf 0,9 Prozent. Für Österreich lagen vorerst noch keine Juli-Daten vor.

Aus Sicht von Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim deutschen Bankhaus Lampe stehen für die Eurozone die Zeichen aber dennoch auf sinkende Verbraucherpreise. „Vor allem die coronabedingt höhere Arbeitslosigkeit wird das Lohnwachstum weiter dämpfen.“ Auch die In- und Auslandsnachfrage werde zunächst wohl schwach bleiben. „Trotz der äußerst expansiven EZB-Geldpolitik ist die Gefahr für Deflation höher als für Inflation“, meint der Experte. Unter einer Deflation verstehen Volkswirte eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Investitionen und Löhnen.

Da wegen der Coronakrise die Energiepreise weiter gefallen sind und auch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung in Deutschland inflationsdämpfend wirkt, haben sich die Währungshüter bereits darauf eingestellt, dass die Teuerung vorerst auf dem Rückmarsch bleibt und wohl erst Anfang 2021 anziehen wird. Experten der EZB-Geldpolitik rechnen für heuer lediglich mit einer Inflation von 0,4 Prozent. Für 2021 erwarten sie dann einen Anstieg auf 1,0 Prozent.

apa