Leidtragende werden die Kunden sein, die Maßnahme sei also ein Nonsens, so die einhellige Meinung der Banker.Zum Hintergrund: Das Land wird künftig darauf verzichten, den regionalen Zuschlag auf die Einkommenssteuer (Irpef) von 0,9 Prozent einzuheben. Davon betroffen sind alle Jahreseinkommen unter der Grenze von 15.000 Euro. Die dadurch entgehenden acht Steuermillionen will sich das Land über die Erhöhung der regionalen Wertschöpfungssteuer Irap zurückholen. Allerdings wird die regionale Wertschöpfungssteuer nur für Banken und Versicherungen erhöht – von 3,4 auf 4,82 Prozent. Eine Kategorie soll also belohnt werden, zu vollen Lasten einer anderen.Dagegen erheben die Banken jetzt massiv das Wort: „Ich bin sehr verärgert und überrascht“, sagt der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, Paul Gasser. Die Einsparung, die sich für die betroffenen Bürger über die Irpef-Senkung ergebe, betrage im Schnitt „nur“ 86 Euro im Jahr.„Für Raiffeisen bedeutet die Anhebung der Irap im Gegenzug eine Mehrbelastung von rund drei Millionen Euro im Jahr“, rechnet Gasser vor.„Wir fühlen uns als Branche zu Unrecht bestraft, weil wir selbst in Krisenzeiten eine Kreditklemme verhindern konnten und auch in der schwierigen Phase für die heimische Wirtschaft die Unternehmen mit Liquidität versorgt haben.“ Ähnlich bewertet die Situation auch Johannes Schneebacher, Generaldirektor der Südtiroler Volksbank: „Ich bin sehr erstaunt über das Vorgehen der Landesregierung in diesem Fall. Es hat keinerlei informelle Treffen im Vorfeld gegeben, die Nachricht traf uns sehr überraschend.“ Es passe aber ins generelle Bild, das vom Bankensektor – nicht nur in Südtirol – derzeit gezeichnet werde. „Wir werden gerne als Buhmänner hingestellt. Es stimmt, dass Schweinereien in der internationalen Finanzbranche veranstaltet wurden, aber ein Grund alle Banken zu verteufeln, ist das noch lange nicht.“ Schneebacher und Gasser machen keinen Hehl daraus, dass die höheren Kosten (aufgrund der Irap-Anhebung) auf den Kunden abgewälzt werden. „Wir können darauf natürlich nicht sitzen bleiben und das beweist, dass es sich bei der Maßnahme der Landesregierung um eine unüberlegte Nacht-und-Nebel-Aktion gehandelt hat.“Dass am Ende die Bankkunden die Rechnung bezahlen werden, schätzt auch Norbert Plattner, Präsident der größten Bank im Land, der Südtiroler Sparkasse: „Mittelfristig werden die Kosten sicher weitergegeben werden“, sagt Plattner. Auf die Sparkasse kommen nach seinen Worten mit der Irap-Erhöhung Mehrkosten von 1,5 bis zwei Millionen Euro jährlich zu – „und das in einer Zeit, in der wir die Kosten eindämmen müssen“, betont Plattner. Denn alle Banken würden derzeit die schlechtesten Bilanzen seit Jahren schreiben. Diese Steuererhöhung kommt für ihn daher „zum absolut falschen Zeitpunkt – noch dazu, wenn man bedenkt, dass das gesamte Bankensystem versucht hat, die Wirtschaft in der Krise zu unterstützen“.hil/gam