Mittwoch, 20. Dezember 2017

Ist das die Rettung für den Weißburgunder?

Es wird getestet, was der Weißburgunder hergibt. Das Versuchszentrum Laimburg will durch Pflanzungen in unterschiedlichen Höhenlagen herausfinden, ob die Qualität des säurehaltigen Weins auch in Zukunft erhalten bzw. gerettet werden kann. Denn die zunehmende Wärme machen den Südtiroler Spitzentropfen zum Sorgenkind.

Erhält der Weißburgunder, der in höheren Lagen angebaut wird, wieder mehr Säure? Das wird am Versuchszentrum Laimburg getestet. - Foto: Laimburg
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Erhält der Weißburgunder, der in höheren Lagen angebaut wird, wieder mehr Säure? Das wird am Versuchszentrum Laimburg getestet. - Foto: Laimburg

Der Weißburgunder ist eine der wichtigsten Rebsorten Südtirols. Dank ihrer hohen Qualität feiern Weißburgunder-Weine national und international immer größere Erfolge. Der Weißburgunder ist durch einen relativ hohen Säuregehalt geprägt.

Säuregehalt sinkt durch Temperaturanstieg

Dieser hängt in großem Maße von der Temperatur ab, der die Trauben während der Reifung ausgesetzt sind. Mit dem Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten (etwa 1,9 °C mittlerer Temperaturanstieg in den Alpen) nimmt der Säuregehalt stark ab. Dies zwingt die Weinbauern dazu die Ernte von Jahr zu Jahr immer weiter vorzuverlegen, was die organoleptischen Eigenschaften des Weins sehr in Gefahr bringt. 

Und genau hier setzt das Versuchszentrum an. Es wird der Frage nachgegangen, ob der Anbau in Höhenlagen die Lösung sein kann, um die Qualität des Südtiroler Weißburgunders zu erhalten, wenn nicht gar zu verbessern.    

Der Versuch: 200 Meter höher anbauen

Daher wurden acht Parzellen in unterschiedlichen Höhenlagen zwischen 600 und 730 Metern Meereshöhe in vier Südtiroler Gemeinden (Eppan, Tramin, Nals und Terlan) für den Versuch auserkoren. Dort sollen die Trauben langsamer und in kühleren Momenten im Jahr abreifen.
Dadurch soll das Auftreten von Fäulnis reduziert und der Säuregehalt in den Beeren stabil gehalten werden. Und für die Weinbauern biete sich der Vorteil, dass sie die Ernte mit mehr Ruhe organisieren können, um ein optimales und für die Rebsorte typisches Aromaspektrum zu erhalten.

Weißburgunder – Bringen die Höhenlagen die Lösung? - Foto: Laimburg

All dies läuft unter dem Projektnamen PinotBlanc, das mehrere Phasen vorsieht:

1. In der ersten Phase werden die optimalen Parzellen für den Weinbau in verschiedenen Höhenlagen ausgewählt, das Pflanzenwachstum untersucht und die Eigenschaften der Nährstoffbestandteile von Trauben, Blättern und des Bodens analysiert.
2. Danach werden die Trauben gelesen und zu Wein verarbeitet.
3. Der daraus gewonnene Versuchswein wird zum einen chemisch auf seine Aromen und Metaboliten (Stoffwechselprodukte) hin analysiert, und zum anderen von einem speziell ausgebildeten professionellen Expertenpanel sensorisch verkostet.

Auf drei Jahre angelegt

Diese Prozedur wird innerhalb eines Jahres abgeschlossen und dann im zweiten Versuchsjahr wiederholt. Während der gesamten Projektdauer werden mehr als 1000 chemische Analysen durchgeführt. 

„Die Kombination aus allen Daten, die wir sammeln und auswerten, ermöglicht es uns, den Weinbauern konkrete und objektive Empfehlungen zu geben, um den Weißburgunder zu fördern und zu verbessern und Südtirol auch international immer wettbewerbsfähiger zu machen“, erklärt Projektleiter Florian Haas vom Versuchszentrum Laimburg. 

Um das Projekt umzusetzen, wurden auch drei neue Mitarbeiter eingestellt und acht Wetterstationen aufgestellt, die Daten zum Temperaturverlauf, zur Feuchtigkeit und zur Sonneinstrahlung liefern und damit die agronomischen Untersuchungen vervollständigen.

1500 Liter Versuchswein

Derzeit befinden sich die 1500 Liter hergestellten Versuchsweine in der Reifung. 

Im Februar 2018 findet am Versuchszentrum Laimburg eine Präsentation der vorläufigen Anbaudaten und der Eigenschaften des Rebwachstums statt. Darüber hinaus werden auch vorläufige Ergebnisse der Weinbereitung aus dem ersten Projektjahr vorgestellt. 
Im Mai werden die Versuchsweine dann von einem speziell für Weißburgunder ausgebildeten Expertenpanel verkostet, um Eigenschaften und Qualität des Weines zu bewerten. 

Das auf drei Jahre angelegte Projekt PinotBlanc wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014–2020 (Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“) gefördert.

stol/ker

stol