Fast jedes zehnte von Südtirol aus ins Ausland verkaufte Produkt landet in den Staaten. Genauer: Im dritten Quartal 2024 – neuere Daten gibt es nicht – waren es 8,6 Prozent der Exporte; und damit fast doppelt soviel wie noch im Jahr 2016. Das macht die USA zur Nummer 3 der wichtigsten Zielländer der Südtiroler Wirtschaft. <BR /><BR />Zu den Exportschlagern zählen unter anderem verarbeitete Lebensmittel, darunter besonders Weine. Eine der Südtiroler Kellereien, die signifikante Mengen in die USA verkauft, ist die Kellerei Terlan. Sie generiert an die 10 Prozent des Umsatzes in den Vereinigten Staaten, was sie zu den Top-2-Auslandsmärkten für den Produzenten macht, „ganz knapp hinter Deutschland“, wie Verkaufsleiter Klaus Gasser uns gegenüber betont.<BR /><BR /><BR /><b> Herr Gasser, nun ist Trump also wieder am Zug. Können Sie noch ruhig schlafen?</b><BR />Klaus Gasser: Ein gewisses Unbehagen ist schon da, aber man sollte sich nicht verrückt machen lassen. Es gibt Punkte, die für Trump sprechen und einige dagegen. Letztere sind mittlerweile hinlänglich bekannt. Neben den Zöllen, die unter Trump eingeführt werden könnten, sehe ich seine Unberechenbarkeit als größtes Problem. Damit müssen wir die nächsten Jahre wieder zurechtkommen. <BR /><BR /><BR /><b>Gehen Sie davon aus, dass Trump die Zölle wie angekündigt auch umsetzen wird?</b><BR />Gasser: Das muss man sehen. Bei der ersten Amtszeit von Trump blieben wir als Weinwirtschaft in Italien verschont, während andere europäische Länder wie Spanien, Frankreich und Deutschland höhere Zölle zahlen mussten.<BR /><BR /><BR /><b>25 Prozent waren es ab 2019 auf einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und industriellen Produkten. Hintergrund war der Airbus-Boeing-Subventionsstreit. </b><BR />Gasser: Genau. Trump argumentiert, so wie ich ihn mittlerweile wahrnehme, häufig damit, ob etwas ein guter Deal für die USA ist oder nicht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68226006_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Machen die USA denn auch gute Geschäfte mit Südtiroler Weinen?</b><BR />Gasser: Bei den Weinen ist es so, dass die USA sie für einen Dollar importieren und für 4 vermarkten können. Da steckt also viel Wertschöpfung drin für unsere US-Partner: Importeure, Distributeure, Gastronomen, Fachhändler usw. <BR /><BR /><BR /><b>Wie viel zahlt ein US-Bürger im Handel für einen Terlaner, der bei uns um die 15 Euro kostet?</b><BR />Gasser: Gut das Doppelte. Bei einem Extra-Zoll von 10 Prozent würde da in puncto Absatz wohl nicht viel passieren, denke ich. Das würde mich nicht nervös machen. Freilich: Wären die Zölle viel höher, müssten wir die Situation mit unseren Partnern neu bewerten. Stand heute gehen wir nicht davon aus, dass der Absatz in den USA stark leiden wird. <BR /><BR /><BR /><b>Welche Punkte sprechen aus Sicht eines Südtiroler Unternehmens, das größere Mengen in die USA verkauft, für die Trump-Administration?</b><BR />Gasser: Er wird alles tun, damit die Wirtschaft in den USA weiter sehr stark dasteht. Auch wird er dafür sorgen, dass die Kapitalmärkte, die in den USA wegen der großen Zahl an Aktiensparern von enormer Bedeutung sind, weiter florieren. Das sind 2 Faktoren, die mich positiv stimmen. Im günstigen Fall werden so die Nachteile wegen etwaiger Zölle durch die bessere Vermögenssituation der Klientel, die unsere Weine trinken soll, ausgeglichen. Dass Italiens Regierungschefin Meloni offenbar einen guten Draht nach Washington pflegt, dürfte auch von Vorteil sein für alle Betriebe, die fürs „Made in Italy“ in der Welt stehen; da zählen die Weine zweifellos dazu. <BR /><BR /><BR /><b> Werden Sie den US-Markt in den nächsten 4 Jahren also weiter mit hoher Intensität bearbeiten, oder sich eher anderweitig umschauen?</b><BR />Gasser: Auf jeden Fall. Wir sind vom US-Markt überzeugt. <BR /><BR /><BR /><b>Welchen Ihrer Weine lieben die Amerikaner eigentlich am meisten?</b><BR />Gasser: Pinot Grigio, also Grauburgunder, ist sicher der meistverkaufte Weißwein.