Donnerstag, 16. September 2021

ISTAT-Studie zum Wohlstand: Südtirol wirtschaftlich vorne mit dabei

Südtirol liegt laut ISTAT-Wohlstandsreport bei einigen Wirtschaftsindikatoren, bei Ehrenamt und UaB vorn, bei der Präsenz von Frauen und Unter-40-Jährigen in den Gemeindeverwaltungen weiter hinten.

Eines der Wahrzeichen Südtirols: Die Drei Zinnen. - Foto: © shutterstock

Der Bericht des staatlichen Instituts für Statistik ISTAT stellt Südtirol in der aktuellen Studie zum gerechten und nachhaltigen Wohlstand (BES) größtenteils ein gutes Zeugnis aus.

Ganz vorne liegt Südtirol im Vergleich mit anderen Regionen und Provinzen in Italien zum Beispiel bei der Erwerbstätigenquote oder bei der geringen Zahl an Problemkrediten von Familien. Bezogen auf die Landesfläche hat es am meisten ehrenamtliche Organisationen und Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe (UaB).

Bei keinem der über 150 BES-Indikatoren liegt Südtirol am Ende der Rangliste. Allerdings zeigt die Studie auch Aufholbedarf, etwa beim Anteil der Frauen oder der Unter-40-Jährigen in den Gemeindeverwaltungen.

Höchste Erwerbstätigenquote

Die Erwerbstätigenquote liegt bei den 20- bis 64-Jährigen in Südtirol bei 77,2 Prozent. Das ist die höchste Quote in Italien, deren Schnitt bei 62,2 Prozent liegt und somit im Vergleich zum Vorjahr (63,5%) gesunken ist, vor allem aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt.

Ebenfalls am besten schneidet Südtirol bei der Quote an Problemkrediten - sprich der Gefahr, Kredite nicht mehr zurückzahlen zu können - für Familien ab: Der Anteil von 0,1 Prozent im Jahr 2020 ist staatsweit der niedrigste. Gleichzeitig verzeichnet Südtirol hier auch den höchsten Rückgang: Im Jahr 2010 war der Anteil der Problemkredite von Familien in Südtirol noch bei 1,0 Prozent gelegen.

Das ISTAT stellt zudem fest, dass der Trend dieses Indikators, der zumindest teilweise auch die finanzielle Anfälligkeit und die finanziellen Schwierigkeiten von Familien erfasst, nicht eindeutig von den Auswirkungen der Pandemie beeinflusst zu werden scheint. Zurückgeführt wird dies auf die verstärkten Maßnahmen zur Unterstützung verschuldeter Familien. Zudem ist der Konsum im vergangenen Jahr zurückgegangen, weil die Familien mehr gespart haben.

Ehrenamt: Land Südtirol mit Aosta, Trentino und Görz auf Platz 1

Den ersten Rang gleichauf mit der autonomen Region Aosta sowie der autonomen Provinz Trient und der Provinz Görz belegt das Land Südtirol bei der Anzahl der aktiven Non-Profit-Organisationen. So kommen in Südtirol 104 ehrenamtliche Organisationen auf je 10.000 Einwohner, während es in anderen Provinzen in Italien im Schnitt 60,1 auf 10.000 Einwohner sind.

Mit 42,3 Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betrieben (UaB) je 100 Quadratkilometer platziert sich Südtirol im Ranking bei der Anzahl der UaB-Betriebe bezogen auf die Landesfläche in gesamtstaatlichen Vergleich ganz vorn, gleichwohl ein Rückgang von 1,9 Prozent verglichen mit 2010 zu verzeichnen ist.

Auf Platz 2, hinter der Provinz Napoli, rangiert Südtirol bei der Zunahme der Aufwertung des Museumserbes, wo das Land 5,9 Punkte im Vergleich zum Vorjahr dazugewinnt. Insgesamt hingegen liegen bei der Aufwertung des Museumserbes andere italienische Gebiete ganz vorne: Auf Neapel folgen Triest, Rom, Florenz, Mailand und Venedig.

Südtirol bei getrennter Müllsammlung über den Zielvorgaben

Weniger Abfallproduktion und getrennte Müllsammlung haben positive Auswirkungen auf die Umwelt und somit auch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Die 2019 aktualisierten Daten für diesen Indikator im Bericht zeigen, dass die Produktion von Siedlungsabfällen in Italien bei 30,1 Millionen Tonnen liegt, was 503,6 Kilogramm pro Einwohner entspricht.

61,3 Prozent dieser Abfälle wurden getrennt gesammelt. 2006 wurde per Dekret (Legislativdekret 152/2006 und Gesetz 296/2006) das Ziel festgelegt, bis zum 31. Dezember 2012 insgesamt 65 Prozent des Abfalls getrennt zu sammeln. Dieses Ziel haben bis 2019 insgesamt 54 von 107 Provinzen in Italien erreicht. In Südtirol liegt der Anteil der getrennt zu sammelnden Abfälle zwischen 67,9 und 75,1 Prozent und übertrifft somit die Zielvorgabe.

Gemeinden: Wenig Frauen in der Verwaltung - Onlinedienste im Mittelfeld

Weit hinten gereiht ist Südtirol im Vergleich zu anderen Provinzen beim Indikator „Frauen in der Gemeindeverwaltung“, und zwar im Segment 24,5 bis 28,4 Prozent. Im Mittelfeld steht Südtirol bei den Unter-40-jährigen in der Gemeindeverwaltung, und zwar im Segment 26,9 bis 30,1 Prozent.

Was hingegen den Indikator „Gemeinden mit Online-Diensten für Familien“ betrifft, scheint Südtirol weiter vorne auf: im Segment zwischen 23 und 37,1 Prozent.

Über 152 BES-Indikatoren sollen die Lebensqualität nachzeichnen

ISTAT beschreibt diesen Bericht als eine Studie, die die Multidimensionalität des Wohlstands als Ausgangspunkt für die Analyse einer breiten Palette von Indikatoren zu Aspekten, die zur Lebensqualität der Bürger und Bürgerinnen beitragen.

Die 152 analysierten Indikatoren sind in folgende Kategorien eingeteilt: Gesundheit, Aus- und Weiterbildung, Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, wirtschaftlicher Wohlstand, soziale Beziehungen, Politik und Institutionen, Sicherheit, subjektives Wohlstand, Landschaft und Kultur, Umwelt, Innovation, Forschung und Fortschritt sowie Qualität der Dienste.

lpa

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