Donnerstag, 18. Juni 2020

Italien erwägt Senkung der Mehrwertsteuer

Italien will sich an Deutschlands Konjunkturpaket ein Beispiel nehmen und die Mehrwertsteuer zur Förderung des Konsums senken. Eine niedrigere Mehrwertsteuer könne „einige Jahre“ helfen, die interne Nachfrage zu fördern, sagte Italiens Vize-Wirtschaftsministerin Laura Castelli laut Medienangaben.

Eine Senkung der Mehrwertsteuer soll den Konsum ankurbeln.
Eine Senkung der Mehrwertsteuer soll den Konsum ankurbeln. - Foto: © Martin Rattini
Derzeit beträgt die Mehrwertsteuer in Italien 22 Prozent. Zuletzt war sie im Jahr 2013 von 21 auf 22 Prozent erhöht worden. Die Senkung der Mehrwertsteuer sei mit einer Reduzierung der Einkommenssteuer und des Steuerdrucks auf Unternehmen zu verbinden, sagte Castelli.
Mit dem Plan einverstanden ist auch Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri.

„Wir prüfen Maßnahmen zur Förderung der Nachfrage und wir beobachten, was andere Länder unternommen haben“, betonte Gualtieri.
Die italienische Regierung handelt unter dem Druck des starken Konsumrückgangs infolge der Coronakrise. Der Präsident des Handelsverbands Confcommercio, Carlo Sangalli, warnte, dass bis zu eine Million Jobs im Handel wegfallen könnten, sollte der Konsum nicht wieder steigen. 270.000 Betriebe seien gefährdet.

Alarm schlägt auch Industriellenchef Carlo Bonomi. Italiens Wirtschaftsleistung könnte bis Ende 2020 um 10 Prozent fallen. „Italien muss den Weg in Richtung Wachstum, Beschäftigung, Produktivität und Innovation wieder finden“, sagte Bonomi.

Besonders belastet ist die Gastronomie. Die Branche habe ihren Umsatz gegenüber der Zeit vor dem Lockdown halbiert. 2 Drittel der Betriebe hätten das Personal reduzieren müssen, geht aus einer Studie des Gastronomie-Verbands FIPE hervor. Lediglich 22 Prozent der Inhaber von Restaurants, Pizzerien und Bars seien mit ihrer aktuellen Lage zufrieden, 52 Prozent beklagten sich über ihre starken Einnahmenverluste.

apa