Sonntag, 07. Juni 2020

Italien hält an Verstaatlichungsplänen für Alitalia fest

Trotz schwerer Bedenken aus Brüssel und scharfer Kritik seitens der Laudamotion-Mutter Ryanair hält die italienische Regierung an ihren umstrittenen Plänen zur Verstaatlichung der Alitalia fest.

Trotz schwerer Bedenken  und scharfer Kritik  hält die italienische Regierung an ihren umstrittenen Plänen zur Verstaatlichung der Alitalia fest.
Trotz schwerer Bedenken und scharfer Kritik hält die italienische Regierung an ihren umstrittenen Plänen zur Verstaatlichung der Alitalia fest. - Foto: © APA (AFP) / FILIPPO MONTEFORTE
Die nächsten 2 Wochen werden entscheidend für die Gründung einer neuen staatlichen Gesellschaft sein, die die Alitalia übernehmen soll, sagt Verkehrsministerin Paola De Micheli.

Flotte aus 100 Maschinen

Die neue Gesellschaft wird über eine Flotte aus circa 100 Maschinen verfügen. Die Regierung werde sich so stark wie möglich um den Erhalt der rund 11.000 Jobs bei der Alitalia bemühen, erklärte die Verkehrsministerin laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Die Regierung arbeite auch an einem groß angelegten Plan für den Neustart der Flughäfen nach der Coronavirus-Krise. Damit soll die Effizienz des Flughafensystems erhöht werden, erklärte die Ministerin.

Die Pläne für den Neustart Alitalias hatten die kritische Reaktion von Ryanair-Chef Michael O'Leary ausgelöst. „Wir sind bereit, in Brüssel eine Klage wegen unerlaubter Staatshilfen zur Rettung Alitalias einzureichen “, kündigte der Chef der Laudamotion-Mutter im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag an.

„Regeln nach nordkoreanischem Modell“

Die italienische Regierung setze auf „Regeln nach nordkoreanischem Modell“, um Alitalia zu retten, protestierte O'Leary. Dem Chef der Billigfluglinie ist ein Dorn im Auge, dass die Regierung in Rom 3 Milliarden Euro für die Rettung der Fluggesellschaft locker macht. Die 3 Milliarden Euro seien nur weiteres Geld, das Alitalia „verbrennen“ werde, sagte O'Leary. Die Regierung sei Schiedsrichter einer Partie mit einem einzigen Spieler, kritisierte O Leary.

Die Vorwürfe des Ryanair-Chefs wurden von den italienischen Gewerkschaften entschieden zurückgewiesen. „O Leary ist der erste, der in seinem Unternehmen Gesetze nach nordkoreanischem Stil aufzwingt, indem er Mitarbeitern Beziehungen zu den Gewerkschaften verboten hat“, kritisierte Fabrizio Cuscito, Sprecher des Gewerkschaftsverbands Filt Cgil.

Der Präsident des Verbands der italienischen Flughäfen Assaeroporti, Fabrizio Palenzona, warnte die Regierung vor „protektionistischen Maßnahmen“, wegen denen sich Low Cost-Airlines von Italien entfernen könnten. Er forderte 800 Millionen Euro für die Flughäfenbetreiber in dieser schwierigen Phase, die bis ganz 2021 dauern könnte.

apa

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