Dienstag, 28. Juli 2015

Italien: Hohe Strafen für den, der Lebensmittel „verramscht“

Kampf der Mafia in der Gastronomie: In das italienische Strafbuch soll erstmals das Vergehen der „Agro-Piraterie“ eingeführt werden. Damit werden die Strafen für Personen, die Lebensmittel „verramschen“, fälschen oder falsch etikettieren verschärft.

Im Gourmetparadies Italien floriert das illegale Geschäft mit Lebensmittelplagiaten.
Im Gourmetparadies Italien floriert das illegale Geschäft mit Lebensmittelplagiaten. - Foto: © APA/AP

Während die dem Thema Ernährung gewidmete Expo Millionen Besucher nach Mailand lockt, will Italien die Strafen gegen die in der Landwirtschaft und auf dem Ernährungssektor tätige „Agro-Mafia“ verschärfen.

Im Gourmetparadies Italien floriert nämlich das illegale Geschäft mit Lebensmittelplagiaten. Vor allem nachgemachte Markenprodukte boomen, sowohl in Italien als auch im Ausland.

Nun sollen die Produktion von Plagiaten im Lebensmittelbereich, falsche Etikettierungen, Pantschereien, sowie Betrug mit Lebensmitteln garantierter Herkunft strenger bestraft und die Gesundheit der Verbraucher besser geschützt werden, geht aus dem Plan des italienischen Landwirtschaftsministerium hervor.

Ziel ist, die „Agro-Mafia“ aktiver zu bekämpfen, die laut dem Agrarverband Coldiretti jährlich einen Umsatz von 15,4 Milliarden Euro generiert.

Schutz der Marke: Machtlos gegen Plagiate

Die legale italienische Nahrungsmittelindustrie erwirtschaftet jährlich 24 Milliarden Euro. Der Verband der Lebensmittelindustrie Federalimentare drängt jetzt auf die Einrichtung eines Fonds mit Hilfe der Regierung, um Unternehmer beim rechtlichen Schutz ihrer Marken im Ausland zu unterstützen.

Viele Kleinbetriebe hätten wegen bürokratischer Hürden Schwierigkeiten, sich im Ausland zu verteidigen. Sie seien machtlos gegen die Plagiate. Gegen die zunehmende Produktpiraterie fordert Italien auch die Hilfe der EU.

5000 Lokale in der Hand des organisierten Verbrechens

Laut Coldiretti wächst die Macht der Mafia auch in der Gastronomie. In Italien sind schätzungsweise rund 5.000 Lokale und Restaurants in der Hand des organisierten Verbrechens, überwiegend über Strohmänner.

Auch in Rom erregen immer wieder Berichte über stark zunehmende kriminelle Elemente in der Gastronomie der Hauptstadt Aufsehen. Zuletzt wurden namhafte Restaurants im Zentrum der Hauptstadt geschlossen, weil sie von Strommännern der Ndrangheta, der Mafia der süditalienischen Region Kalabrien, betrieben wurden.

apa/stol/ker

stol