Dienstag, 08. März 2016

Italien mit mehreren Bankenkrisen konfrontiert

Die Volatilität an der Börse hat ein wenig nachgelassen, doch Bankaktien bleiben weiter stark unter Druck. Gleich mit mehreren Bankenkrisen ist Italien zurzeit konfrontiert.

Von Monte Paschi di Siena (MPS) über Carige bis zur Volksbank von Vicenza: Die Liste der Problembanken wird in Italien immer länger.

Die Kapitalerhöhung der Volksbank von Vicenza soll bis zu 1,763 Mrd. Euro statt der anfangs vorgesehenen 1,5 Mrd. Euro ausmachen. Die Finanztransaktion dient dazu, die Kapitaldecke der Volksbank zu festigen. Der Verwaltungsrat der Banca Popolare di Vicenza hat bei der Hauptversammlung am Samstag nicht nur die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, sondern auch den Gang an die Börse beschlossen.

Banca Popolare di Vicenza hatte im Vorjahr eine harte Kernkapitalquote von 6,65 Prozent gegenüber den von der Europäischen Zentralbank (EZB) geforderten 10,25 Prozent ausgewiesen.

Zwei Banken erfüllen EZB-Vorgaben nicht

Die Volksbank von Vicenza und Veneto Banca sind die einzigen italienischen Banken, die die jüngsten Kapitalanforderungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht erfüllen. Die Verluste der Institute sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen, unter anderem auf Zahlungen an Ex-Manager und Wertberichtigungen auf Problemkredite. Auch Veneto Banca hat einen Börsengang beantragt. Erst kürzlich hatte die in Montebelluna bei Treviso ansässige Bank eine Kapitalaufstockung zur Stärkung ihrer Liquidität in Höhe von rund einer Milliarde Euro beschlossen.

Zu Italiens Problembanken zählt nach wie vor die in Genua beheimatete Carige. Die EZB hat das Management kürzlich aufgefordert, bis Mai eine neue strategische Linie zur Kapitalstärkung zu beschließen. Die Carige-Bank war im EZB-Bilanztest durchgefallen. Das an der Mailänder Börse notierte Institut ist gemessen an den Filialen die zehntgrößte Bank Italiens. Carige war 2013 wegen eines Derivate-Deals mit der Deutschen Bank negativ aufgefallen. Auch waren dem Institut vor einigen Monaten Tricksereien bei der Buchhaltung vorgeworfen worden.

Regierung Renzi unter Druck

Ungewiss ist weiter die Zukunft des ältesten Geldhauses der Welt, Monte Paschi di Siena (MPS). Die Bank ist seit Monaten auf der Suche nach einem Partner für den Umgang mit notleidenden Krediten. Ziel sei eine Reduzierung der faulen Kredite im Umfang von 26 Mrd. Euro, die die Bank belasten, ohne eine weitere Kapitalerhöhung beschließen zu müssen, betonte der CEO der toskanischen Bank, Fabrizio Viola, laut Medienangaben.
Die Bankenkrisen setzen die Regierung von Premier Matteo Renzi unter Druck. Weil vier Regionalbanken nach erheblichen Kreditausfällen Kapital fehlte, fixierte das Kabinett in Rom im November einen Rettungsplan in Höhe von 3,6 Mrd. Euro. Die faulen Kredite wurden in eine Bad Bank ausgelagert. Die vier Institute werden jetzt rekapitalisiert und sollen verkauft werden. Die Regierung richtete zuletzt einen mit 100 Mio. Euro dotierten Solidaritätsfonds zur Entschädigung der Kleinsparer ein. Im Zuge der Bankenpleite haben tausende Kleinanleger ihre Ersparnisse verloren.

apa

stol