Eines ist fix: Die Staatskassen müssen gefüllt werden – aber wie? Dieser Frage geht die Regierung nun bereits seit Längerem nach. Fündig geworden ist sie nun offenbar auch bei Anlegern, die einen Teil ihres Ersparten in Kryptowährungen investiert haben. Sie sollen ab 2025 stärker denn je zum Handkuss kommen. Das kündigte Vize-Wirtschaftsminister Maurizio Leo gestern an.<h3> Der Hintergrund</h3>Er betonte, dass dies notwendig sei, um die staatlichen Einnahmen zu erhöhen und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen herkömmlichen Finanzanlagen und Kryptowährungen herzustellen. <BR /><BR />Konkret soll der Steuersatz von aktuell 26 auf 42 Prozent angehoben werden. Damit müssten Mehrerlöse („Plusvalenze“) aus Kryptotransaktionen besteuert werden – der Freibetrag soll weiterhin bei 2000 Euro liegen. <h3> Das Rechenbeispiel</h3>Ein Rechenbeispiel: Ein Anleger hat im März 2023 einen Bitcoin zum Preis von 25.000 Euro erworben. Aktuell liegt der Preis bei rund 63.000 Euro. Würde der Anleger nun verkaufen, müsste er auf 36.000 Euro (38.000 Euro Gewinn minus 2000 Euro Freibetrag) 26 Prozent Steuern zahlen. Dies entspricht einer Steuerlast von 9380 Euro. Angenommen der Preis des Bitcoin würde im Jänner 2025 auf demselben Niveau liegen, müsste bei einem Verkauf – gemäß Plänen der Regierung – der höhere Steuersatz von 42 Prozent angewandt werden. Dann müsste die Überweisung ans Finanzamt 15.120 Euro betragen, wäre also fast doppelt so hoch. Ein schwerer Schlag für Krypto-Anleger. Dazu zählt laut Umfragen vor allem eine jüngere, technikaffine Zielgruppe, die in Bitcoin aufgrund des begrenzten Bestands das „digitale Gold“ sieht, das vor Geldentwertung schützen soll. <h3> Die Folgen</h3>Kommt die höhere Steuer wie angekündigt, muss man wohl mit einem Nachfragedämpfer für Kryptowährungen in Italien rechnen. Viele könnten aufgrund des neuen Rahmens geneigt sein, einen Bogen um die vergleichsweise neue Anlageklasse rund um Blockchain-Technologien machen. <BR /><BR />Denkbar wäre auch, dass sich die Nachfrage teilweise in Richtung von Anlageprodukten auf Kryptowährungen verlagert, so genannte ETN, ETC oder ETP, die in Italien wie ETF, Aktien und Co. mit einer Kapitalertragssteuer von 26 Prozent belastet werden, allerdings ab dem ersten gewonnen Euro. Ein Bitcoin ETN/ETC/ETP funktioniert ähnlich wie ein Wertpapier, das an der Börse gehandelt wird. Man kauft Anteile an diesem Produkt, und der Wert der Anteile steigt oder fällt je nach dem aktuellen Bitcoin-Kurs. Für Puristen dürfte das jedoch keine Option sein; ein ETN ist schließlich kein direktes Investment in einen physischen Bitcoin. <h3> Die Reaktionen</h3>„Da es sich bei Kryptowährungen um ein schwer kontrollierbares und undurchsichtiges System handelt, liegt es nicht im Interesse des Staates, dies zu fördern – eher im Gegenteil“, sagt der Meraner Wirtschaftsprüfer- und Steuerberater sowie „WIKU“-Steuerexperte, Hubert Berger. „Leo scheint außerdem zu glauben, dass die Krypto-Investoren keine starke Lobby haben, weshalb der Widerstand geringer ausfallen könnte als beispielsweise bei der Anhebung der Gebäude-Katastererträge. Allerdings bleibt die Ankündigung vorerst unverbindlich. Es bleibt abzuwarten, ob die Maßnahme auch genau so umgesetzt wird“, so Berger. <BR /><BR />Den Aspekt der fehlenden Lobby führt auch Thomas Aichner ins Feld. Er ist wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School, die einen Schwerpunkt auf Blockchain-Technologien gelegt hat: „Wieder einmal ist zu befürchen, dass die kleinen Hobby- und Privatanleger überdurchschnittlich stark getroffen werden“, beklagt er. „Vermutlich würde das Interesse und die Risikobereitschaft von Anlegern durch höhere Steuern sinken, da im Erfolgsfall weniger Geld übrig bleibt. Außerdem könnte die Steuererhöhung mehr Investoren dazu bringen, einfach nichts zu melden und gar keine Steuern zu bezahlen. Generell finden Bürger Steuern sinnvoll, aber überhöhte Beträge verführen auch ansonsten ehrliche Personen dazu, nach Schlupflöchern zu suchen“, so Aichner. <BR /><BR />Federico Ametrano, CEO und Mitbegründer des italienischen Krypto-Dienstleisters CheckSig, kritisierte die für 2025 geplante Steuererhöhung auf Kryptowährungen in Italien scharf. Die Erhöhung sei „diskriminierend, ungerecht und möglicherweise verfassungswidrig“. Er fordert daher die Regierung unverzüglich auf, den Dialog mit der Kryptoindustrie in Italien aufzunehmen.