Dienstag, 26. September 2017

Italien und Frankreich wollen Werftenverbund besiegeln

Thyssenkrupp erhält auf dem hart umkämpften Schiffbaumarkt aller Voraussicht nach eine starke Konkurrenz. Italien und Frankreich schicken sich an, einen Werften-Gigant zu schmieden, berichtete am Dienstag das deutsche „Handelsblatt“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Italien und Frankreich wollen einen Werften-Gigant schmieden.
Italien und Frankreich wollen einen Werften-Gigant schmieden. - Foto: © APA/DPA

Frankreichs Präsident Macron und der italienische Regierungschef Gentiloni wollten eine erste Vereinbarung zu der Zusammenlegung der italienischen Fincantieri und der französischen STX sowie der Marinewerft Naval Group am Mittwoch in Lyon unterschreiben.

Demnach werde Fincantieri 51 Prozent von STX übernehmen. Details würden noch erarbeitet. Die STX-Werft ist das einzige Werk in Frankreich, das groß genug ist, um Flugzeugträger und andere Kriegsschiffe zu bauen.

Frankreich hatte das Unternehmen verstaatlicht, um einen Übernahmevorstoß von Fincantieri abzuwehren. Nun scheint es eine Lösung für den monatelangen Streit zu geben. Der italienische Industrieminister Carlo Calenda erklärte, er sei zuversichtlich, dass es für Italien und Frankreich eine gute Lösung sei, wenn Fincantieri für STX biete. Er hoffe auf eine abschließende Vereinbarung am Mittwoch.

Ficantieri-Aktien steigen

Fincantieri-Aktien stiegen daraufhin an der Mailänder Börse um bis zu fünf Prozent. Mit 1,18 Euro markierten sie den zweiten Tag in Folge ein Rekordhoch. Spekulationen um eine Einigung im Streit um STX hatte die Papiere am Montag bereits beflügelt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird immer wieder auch von Seiten der Politik über einen europäischen Werftenverbund diskutiert. Dabei hatte der Mischkonzern Thyssenkrupp allerdings auf seine Führungsrolle gepocht. Thyssenkrupp lehnte einen Kommentar zu dem Zeitungsbericht ab.

Zuletzt hatte Deutschland mit Norwegen eine enge Kooperation vereinbart, in deren Rahmen die Bundeswehr zwei baugleiche U-Boote von Thyssenkrupp Marine Systems sowie Lenkflugkörper des norwegischen Unternehmens Kongsberg kaufen will.

apa/reuters

stol