Das Ortsbild vieler italienischer Städte verändert sich – gerade was die Lokale anbelangt: Restaurants und Unterkunftsbetriebe (ausgenommen Hotels) nehmen zu, während gerade der stationäre Einzelhandel auf dem Rückzug ist – nicht zuletzt wegen des Onlinehandels. Zu diesem Schluss kommt eine Bestandsaufnahme des italienischen Handelsverbandes Confcommercio.<BR /><BR />Die Zahlen untermauern das: Im vergangenen Jahr waren in Italien 534.000 Einzelhandelsunternehmen registriert. Davon gehören 434.000 zu den stationären Händlern, 70.000 sind Wanderhändler und rund 30.000 betreiben Online- oder Versandhandel. Während die Zahl der Onlinehändler innerhalb von zwölf Jahren um 16.000 gestiegen ist, schrumpfte die Zahl der klassischen Einzelhändler um 140.000 – ein Rückgang, der besonders kleinere Gemeinden und Ortszentren hart trifft.<BR /><BR />Stark abgenommen hat die Zahl der Tankstellen mit einem Minus von 42,2 Prozent sowie Geschäfte für Kultur-, Buch- und Freizeitartikel, die einen Rückgang von 34,5 Prozent verzeichnen. Und laut einer Prognose des Branchenverbandes drohen in den nächsten zehn Jahren weitere 114.000 Unternehmen zu schließen – praktisch jedes fünfte Geschäft. <h3> 105.000 Leerstände</h3>Laut Confcommercio stehen derzeit rund 105.000 Geschäftslokale leer – ein Viertel davon bereits länger als ein Jahr. Besonders hoch ist der Leerstand im Verhältnis zur Gesamtzahl der Handelsbetriebe in Aostatal (28 Prozent) und Friaul-Julisch Venetien (26,7 Prozent).<BR /><BR />Die Region Trentino-Südtirol liegt mit 15,6 Prozent im Mittelfeld. In Südtirol hält sich das sogenannte Ladensterben noch in Maßen: Laut einer Wifo-Studie gibt es hierzulande 4.580 Einzelhandelsbetriebe. Die Zahl der Geschäfte sei in den vergangenen zehn Jahren leicht um drei Prozent zurückgegangen, gleichzeitig habe die Verkaufsfläche jedoch zugenommen.<h3> Wie steht Südtirol da?</h3>„Leerstand ist Gift für jede gesunde Entwicklung“, betont Philipp Moser, Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbands (hds). „Deshalb brauchen wir neben finanziellen Impulsen weitere wirksame Hebel: von Erreichbarkeit und Mobilität über Stadt- und Ortsgestaltung, Ortsmarketing und Aufenthaltsqualität bis hin zur Sicherheit.“<BR /><BR />Moser sieht auch die Gemeinden in der Pflicht, den lokalen Handel zu unterstützen. Ein Rechtsgutachten habe kürzlich gezeigt, dass Betriebseröffnungen, -übernahmen und Nachfolgen gefördert werden können. Dies sei „ein starkes Signal, um neue Unternehmerinnen und Unternehmer zu gewinnen und die wirtschaftliche Attraktivität unserer Gemeinden nachhaltig zu steigern“, so der hds-Präsident.<BR /><BR /> Die Studie zeigt, dass auch die Zahl der Bars rückläufig ist, was laut Hoteliers- und Gastwirteverband als ein Warnsignal zu verstehen ist: „Ohne lebendige Gastronomie und Handel verlieren Gäste und Einheimische wichtigen sozialen Begegnungsraum und Attraktionen“, ist HGV-Präsident Berger überzeugt. Umso wichtiger seien bisherige Maßnahmen des Landes, wie die Förderung der Nahversorger.