Dienstag, 17. März 2020

Italien will Fluggesellschaft Alitalia verstaatlichen

Die italienische Regierung will die Fluggesellschaft Alitalia verstaatlichen, deren wirtschaftliche Schwierigkeiten durch die Coronavirus-Krise massiv verstärkt wurden.

Alitalia wird von der Coronavirus-Krise zusätzlich belastet.
Alitalia wird von der Coronavirus-Krise zusätzlich belastet. - Foto: © APA (AFP) / ANDREAS SOLARO
Italien greift den von akuten Einnahmeverlusten konfrontierten Fluggesellschaften unter die Arme. Im Rahmen des milliardenschweren Hilfspakets für die Wirtschaft ist die Einrichtung eines mit 600 Millionen Euro dotierten Fonds zur Unterstützung der schwer belasteten Luftfahrtbranche vorgesehen. Die Fluglinie Alitalia soll verstaatlicht werden.

Damit sollen Fluggesellschaften für die wegen der Coronavirus-Krise erlittenen Einnahmeverluste entschädigt werden. Zur Alitalia-Rettung erlaubt die Regierung die Gründung einer neuen vom Wirtschaftsministerium kontrollierten Gesellschaft, unter deren Aufsicht die Airline gestellt werden soll.

De facto bedeutet dies, dass die Alitalia, für die der italienische Staat fast 3 Jahre lang vergebens einen Käufer gesucht hatte, wieder unter staatliche Kontrolle gerät. Dabei hatte der Staat in dem vergangenen Jahr dem Ex-Monopolisten bereits Brückenkredite im Wert von 1,3 Milliarden Euro gewährt, um das Fluggeschäft weiterhin aufrecht zu erhalten.

Alitalias Insolvenzverwalter Giuseppe Leogrande betonte, dass das Verkaufsverfahren für die Fluggesellschaft weiterhin aufrecht bleibt. Am Mittwoch läuft die Frist für Interessenten zur Einreichung eines unverbindlichen Kaufangebots ab. Ziel der Regierung ist es, das Verkaufsverfahren bis Ende Mai zu beenden. Angesichts der Coronavirus-Krise ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Verkaufsprozedur wieder einmal scheitert.

Die Regierung in Rom verteidigt ihren viel kritisierten Beschluss, weiter Geld in die Alitalia zu pumpen, die die Steuerzahler seit 2008 bereits 9 Milliarden Euro gekostet hat. „Italien braucht eine nationale Fluggesellschaft, wie auch Alitalias Einsatz für die Rückführung unserer Mitbürger im Ausland in dieser Krisenphase bezeugt“, sagte die italienische Verkehrsministerin Paola De Micheli laut Medienangaben.

Inzwischen schließen immer mehr italienische Flughäfen, da infolge der Coronavirus-Krise unzählige Flugverbindungen gestrichen werden mussten. So wurde der Terminal 1 des größten italienischen Flughafens - Rom Fiumicino - am Dienstag geschlossen. Sowohl die Binnenflüge, als auch die internationalen Verbindungen wurden stark eingeschränkt. Mehrere kleinere Flughäfen in Italien sind schon seit Tagen gesperrt.





apa